Sebastian Schanz Pannen gehören zum Geschäft des Journalisten. So alt wie die Erfindung der Tageszeitung selbst ist auch die hohe Kunst, kapitale Böcke zu schießen. Bilder und Grafiken eignen sich ganz hervorragend, um peinliche Fehler zu begehen. Jeder Drucker kennt die Geschichte, wie unter dem Foto eines Kamels der Name eines Lokalpolitikers geschrieben stand, weil das Bild verrutscht war.

Manchmal sind Pannen auch technisch zu erklären, wie Markus Söders blaues Sakko, das in der Zeitung plötzlich rosa abgedruckt wurde - und in diese Reihe gehört auch die Grafik, die wir in der Wochenendausgabe im Blatt hatten. Es ging dabei um die Geschichte des Bamberger Hoteliers, der auf einem Plakat verkündet hatte: "Hier sind auch Menschen ohne Maske willkommen!" Der Hotelier hat uns das Corpus Delicti, also das Plakat sogar zugeschickt, damit wir zeigen konnten, dass darauf auch eine Erklärung zu finden war: "Verehrte Kunden, wir respektieren es, wenn Kunden aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen keine Maske tragen. Wir bitten auch Sie, dies zu respektieren, oder - wenn Sie dem nicht zustimmen können - gegebenenfalls zu warten, bis diese Person(en) den Verkaufsraum verlassen haben", stand auf dem Plakat. Eigentlich. Denn in der gedruckten Zeitung stand da nix. Der Text war verschwunden. Scheinbar hatten sich alle bösen Geister gegen den Hotelier verschworen.

Eine technische Erklärung gibt es auch, demnach war das Kleingedruckte nachträglich auf die digitale Grafikdatei geklebt gewesen - wie im E-Paper zu sehen. Nur im Druck hatten sich die Buchstaben verabschiedet. Was die Redaktion damit sagen will: Es war kein böser Wille im Spiel - und zum Glück auch kein Kamel.