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Makowski regt neue Wege an


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Ebelsbach, Sonntag, 23. Juli 2017

Der Verbands-Spielgruppenleiter ist kein Freund von Spielgemeinschaften. In der Jugend könnten statt dessen Altersklassen zusammengelegt werden.
Gerald Makowski ist mit einigen Veränderungen im Amateurfußball nicht glücklich. Vor allem die immer größere Anzahl von Spielgemeinschaften und Fusionen von Vereinen bereitet dem Spielgruppenleiter aus Ebelsbach Sorgen. Dies sei für ihn "keine Lösung".  Foto: Ralf Naumann


Seine Lieblingsfarbe ist nicht schwarz. Und Gerald Makowski möchte auch kein Schwarzmaler sein. Im Gegenteil: Gerade weil ihm der Fußball "sehr am Herzen" liegt, macht er auf Veränderungen aufmerksam, die ihm auffallen. Der Spielgruppenleiter aus Ebelsbach sieht "die Gefahr, dass wir in den nächsten Jahren weiterhin einen Rückgang der aktiven Spielerzahlen erleben werden, wenn nicht konsequent dagegengesteuert wird."
Spielgemeinschaften und Fusionen seien für ihn eigentlich "keine Lösung". Er wünscht sich vielmehr "das Bemühen um die Jugend, auch wenn jemand nicht das größte Talent ist. Wenn die Entwicklung so fortschreitet, wird es in rund zehn bis 15 Jahren nur noch die Hälfte der Mannschaften geben." Makowski, der bei seinem Heimatverein DJK Fürnbach selbst als 18-Jähriger eine U15 gründete und mehr als zehn Jahre lang betreute, warnte bereits bei der Einführung der ersten Spielgemeinschaften vor 20 Jahren vor dieser Entwicklung. "Es war schon immer eine Möglichkeit, durch Zusammenarbeit kurzfristig sportliche Erfolge zu erringen. Ich verfolge dies auch in der Gegenwart."


Nur noch die Hälfte

Bei der Gründung einer "Jugendfördergemeinschaft" (JFG) stünden anfangs oftmals 20 bis 30 Spieler zur Verfügung. "Nach etwa vier Jahren bleibt davon nur noch die Hälfte übrig", stellt er mit Ernüchterung fest. Beim Thema Spielermangel würden freilich "die vielfältigeren Möglichkeiten der Freizeitgestaltung" und "die wesentlich bessere Mobilität" eine große Rolle spielen.
Insgesamt habe sich die Fußballlandschaft im Amateurbereich, nicht nur seit seiner "Amtseinführung" 2005, als er auf Nachfrage von Schiedsrichterobmann Josef Raab die Nachfolge von Herrenspielgruppenleiter Wilhelm Ehrlinger übernahm, verändert - wenig zum Positiven.
"Zu Beginn hatte ich noch viel mehr Möglichkeiten, eigenständige Entscheidungen in Absprache mit den Vereinen zu treffen", blickt er ein wenig mit Wehmut zurück. Außerdem würde er es "gutheißen", wenn die Vereine im Landkreis einen "etwas anderen Schritt" gehen würden, als sich immer öfter auch im Herrenbereich zusammenzuschließen, was für ihn eine "Konsequenz aus den vielen Zusammenschlüssen im Jugendbereich" ist. "Statt Spielgemeinschaften mit vier, fünf, sechs und noch mehr Vereinen zu bilden, wäre es doch besser, die U17- zusammen mit den U19-Spielern in der A-Jugend spielen zu lassen", rät Gerald Makowski und liefert eine Begründung gleich hinterher: "Die Entfernungen würden sich schlagartig halbieren, die Jugendlichen würden sich wieder mehr zu ihrem Heimatverein hingezogen fühlen." Auch "das Integrieren von nicht ganz so guten Spielern" werde nach seinen Einschätzungen "immer mehr vernachlässigt. Die Spirale im Herrenbereich wird sich deshalb noch immer weiter drehen."
Des Weiteren stellt Makowski, der für das nahezu unentgeltliche Ehrenamt im Schnitt zwischen zwei und fünf Stunden pro Woche investiert, auch einen Zuschauerschwund fest. Zu guter Letzt merkt er nicht nur bei seinen Einsätzen als Schiedsrichter (seit sechs Jahren leitet er Begegnungen bis zur Kreisliga), dass Fußball "nicht mehr unbedingt an erster Stelle" für die Akteure steht. "Es wechseln immer mehr Spieler Jahr für Jahr ihren Verein. Eine Identifikation mit dem eigentlichen Heimatverein geht immer mehr verloren", berichtet er und spricht von einer "immer größer und stärker werdenden Ellenbogengesellschaft. Es fehlt einfach immer mehr das Miteinander". Dabei gehe ein wichtiger fast Faktor unter: "Geht die Existenz der kleinsten Vereine verloren, so werden andere die Kleinsten sein. Deshalb sollte als "wichtigstes Ziel" das Überleben von möglichst allen Mannschaften und Vereinen an erster Stelle stehen. "Es würde sonst ein Stück Gesellschaft verloren gehen."


Digitalisierung hilft

Doch Gerald Makowski will nicht nur lamentieren, sondern ist auch durchaus erfreut über vergangene Entscheidungen. Etwa über die Einführung des gerade von Vereinsverantwortlichen und Unparteiischen anfangs heftig kritisierten Elektronischen Spielberichts (ESB). Dieser vereinfache die Spielvor- als auch Nachbereitung für die Vereine, Spielleiter und Schiedsrichter gleichermaßen. Außerdem die Digitalisierung insgesamt. "Die Berichterstattung wird einfacher, schneller und vielfältiger, ebenso die Kommunikation durch die digitale Medienwelt." Für ihn persönlich sei freilich "ein gesprochenes Wort miteinander manchmal viel mehr wert."
An ein vorzeitiges "Karriereende" hat der Ebelsbacher, das gibt er auch unumwunden zu, schon öfter gedacht. "Ich hinterfrage mich schon hin und wieder, ob ich mir das wirklich weiter antun soll", sagt er angesichts der Belastung und der Umstände. Da ihm der Fußball im Kreis aber sehr wichtig ist und er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeiten als Jugendtrainer in Fürnbach und Ebelsbach, Fußballabteilungsleiter und Spieler in Ebelsbach (ein Kreuzbandriss zwang ihn 2010 zum Ende) die Schwierigkeiten kannte, sah er "eine Möglichkeit, für unsere Fußballvereine als Mittler zwischen Verband und Verein wirken zu können. Vorgaben grenzen diese Mittlerrolle aber stark ein."
Einerseits gebe es eben die Vorgaben der Spielordnung und des BFV. Auf der anderen Seite stünden die Interessen der Vereine. "Nicht immer kann dies nach den Wünschen beider Seiten in Einklang gebracht werden", stellt er immer wieder fest. "Umso mehr wird einem dies auch hier und da persönlich angelastet." Solange er den Vereinen durch sein Engagement allerdings helfen kann, "ist mir die Arbeit trotz allem nicht zu aufwendig", sagt er.
Immerhin kommen auch "immer wieder anerkennende Rückmeldungen, welche den Sinn der Arbeit wieder ins rechte Licht rücken", freut sich Makowski, der sich auch im Kreisverband Haßberge des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) engagiert. Zunächst war er als Referent für Umwelt und Sport tätig, später dann als stellvertretender Kreisvorsitzender. Seit November 2015 ist der 53-Jährige Kreisvorsitzender beim BLSV-Sportkreis Haßberge.