Klaus-Peter Gäbelein

In der Weiler-Fabrik in der Würzburger Straße gab es eine eigene Kantine, in der sogar geschlachtet worden ist; sie wurde vom Schattan und vom Nixn Michl (einem Herzogenauracher Original) betrieben. Daneben erhielten die Mitarbeiter einen Zuschuss von 1,50 DM für ein Essen in der gegenüber liegenden Gastwirtschaft "Zur frischen Quelle".
Manchen Mitarbeiter zog es am Freitag nach der Lohnauszahlung in die benachbarten Gaststätte "Volkshaus" oder zum "Spootz" (Gaststätte "Zur Eisenbahn") neben dem Bahnhof. Hier holten sich anfangs in der "schlechten Zeit" die Ehefrauen die gefüllten Lohntüten, bevor sie leer waren.
Karl Prokop (lange Jahre Stadtrat) war lange Jahre der Bürochef, Hans Hirsch hieß der "Produktionsleiter" und Marie Maier hatte im Büro das Sagen. Robert Wirth, seit Jahren erfolgreicher Geschäftsmann und später selbstständiger Firmenbesitzer am Ortsausgang von Münchaurach, hat bei Weiler gelernt. "Mein Vater war mein strenger Lehrherr. 20 Mark in der Woche oder 80 am Monatsende waren ein stolzer Verdienst, von dem zehn Prozent auf ein von der Firma angelegtes Sparbuch wanderten",so erinnert er sich.


Abkommen mit Indien

Nachdem Kanzler Adenauer und der indische Regierungschef Nehru in den 50-er Jahren ein Wirtschaftsabkommen geschlossen hatten, leistete die Maschinenfabrik Weiler auch Entwicklungshilfe. Die Kontakte knüpfte Juniorchef Hermann Weiler, seit 1968 in der Geschäftsleitung und späterer Eigentümer des Unternehmens. Manch Weiler Mitarbeiter durfte bis in die 80-er und 90-er Jahre im Land der heiligen Kühe als Monteur indische Arbeiter anlernen.
"Als größtes Problem erwies sich hierbei das indische Kastenwesen", erinnert sich Dittmar Walz. "Solche aus einer höheren Kaste erwiesen sich oftmals als zu stolz für einfache Arbeiten, die sie lieber den Kollegen aus den unteren Kasten überließen. Unsere deutsche Arbeitsmoral war auf Indien ganz einfach nicht übertragbar", erinnert sich der langjährige Weiler-Fachmann.


50. Geburtstag schon in Mausdorf

1988 beging man bei Weiler das 50-jährige Betriebsjubiläum, allerdings nicht in Herzogenaurach, sondern im neuen Werk in Mausdorf. Geschäftsführer war inzwischen der Gründersohn Hermann, der sich auch in einem Werk in Indien engagierte.
1990 erwarb die österreichische Unternehmensgruppe Voest-Alpine aus Linz das schwächelnde Weiler Unternehmen. 1991 übernahm Diplomkaufmann Friedrich Eisler, ein gebürtiger Kärntner, die Geschäftsführung und wurde 1995 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter, sprich Eigentümer. Im Jahr 2000 erwarb er den tschechischen Weiler-Zweigbetrieb in Holoubkov nahe Pilsen und gliederte danach seine beiden Söhne in das Familienunternehmen mit ein, bei dem heute rund 550 Mitarbeiter beschäftigt sind, rund etwa 300 davon in Mausdorf.
Die Firma Weiler ist mit 140 000 verkauften Einheiten Marktführer im deutschsprachigen Raum für konventionelle und zyklengesteuerte Präzisions- und Drehmaschinen. Das Unternehmen expandierte 2006 nach Nordamerika (North American Corporation) und übernahm im Jahr 2016 den Präzisionsmaschinenhersteller Kunzmann nahe Karlsruhe.