Matthias einwag

In der Innenstadt tut sich etwas. Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie brachte das Jahr 2020 etliche positive Ereignisse. Darüber haben wir mit dem Quartiersmanager der Stadt, Michael Böhm, gesprochen, der in diesem Jahr besonders intensiv mit der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft zusammenarbeitete. Einigkeit macht stark. Unter diesem Motto könnte man die aktuelle, heuer stark gestiegene Mitgliederzahl der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft zusammenfassen. "Das Wichtigste war, die Stärke von um die 25 auf die rund 70 Mitgliedsbetriebe nach oben zu bringen", sagt Michael Böhm.

Als Quartiersmanager hat er vieles unternommen, um trotz der beiden Lockdowns die Kundenfrequenz in der Innenstadt zu optimieren. "Das war und ist für die Unternehmen eine schwere Zeit", kommentiert er.

Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, den Einzelhändlern und Unternehmern zu erklären, welche staatlichen Überbrückungs- und Nothilfen es gibt. Das Spannende aus seiner Sicht: In der gesetzlichen Nothilfe-Beschreibung sei festgehalten, dass Zulieferer unterstützt werden sollen. Das fühle sich zwar zunächst nicht wirklich wie ein Aufgabenfeld des Quartiermanagements an, sei aber wichtig, um die Vielfalt der Unternehmen in der Stadt zu gewährleisten.

Parkplatz wurde ein Gartenmarkt

Nach dem Wegfall des "Autofrühlings" wegen des ersten Lockdowns Ende März habe er begonnen zu überlegen, was man machen kann, erinnert sich Michael Böhm. Er hatte die Idee, auf dem leeren Parkplatz der Obermain-Therme einen Gartenmarkt-Drive-in anzubieten. Der Veranstalter, Heiko Bayerlieb, baute die Stände mit großem Abstand auf - und die Kunden konnten mit ihren Autos flanieren, um Gartenbedarf für die Pflanzphase im Frühling einzukaufen. Dieses Angebot sei hervorragend angenommen worden: "Es war gut besucht, aber keinesfalls überfüllt, eben sicherheitskonform."

Einen runden Tisch gebildet

"Dann mussten wir schauen, dass eine positive öffentliche Präsenz für Bad Staffelstein geschaffen wurde", fährt Böhm fort. "Wir initiierten einen runden Tisch der Wirtschaft, um zu erfahren, wie es unseren Unternehmen geht." Zudem sei versucht worden, die Auszubildenden der Unternehmen im Stadtgebiet angemessen an ihren neuen Arbeitsstellen zu begrüßen. Sonst war das immer mit einem kleinen Empfang verbunden, was aber wegen der Pandemie nicht möglich war. "Wir schrieben die rund 40 Azubis an und begrüßten jeden Einzelnen persönlich", erläutert er. Es sei wichtig, gerade in diesen Zeiten ein Signal zu setzen und den Berufsanfängern ein Zeichen der Wertschätzung zu geben.

Filmbericht des BR

Der Bayerische Rundfunk habe der Stadt Bad Staffelstein einen Besuch abgestattet: Redakteur Markus Klingele erstellte einen Beitrag über den Badesee und über die vielen weiteren Freizeit- und Naherholungsmöglichkeiten, die es in Bad Staffelstein gibt, denn die Stadt sei diesbezüglich breit aufgestellt.

Im klassischen Quartiersmanagement konnte ebenfalls einiges bewegt werden, ergänzt Michael Böhm. Bezüglich der Wiedereröffnung des seit einiger Zeit geschlossenen Gasthofs "Adam Riese" am Marktplatz sei erfolgreich gemeinsam mit den Investoren nach Lösungen gesucht worden, um altersbedingte Strukturmängel der Statik zu beheben. Das Landratsamt Lichtenfels sei ebenfalls eingebunden gewesen und habe daran mitgewirkt, eine Lösung zu finden, weil der Fachwerkbau doch eines der prominentesten Gebäude des Stadtkerns sei.

Café am Marktplatz geplant

"Wir haben mit Susanne Mayr schnell eine Investorin für das Haus Marktplatz 2, die ehemalige Annelies, gefunden", fährt er fort. Das leerstehende Einzelhandelsgeschäft direkt neben dem Rathaus könne somit wahrscheinlich schon im ersten Quartal 2021 umgebaut werden. Ziel sei es, dort ein modernes Café zu schaffen, in dem sich auch Jugendliche wohlfühlen.

Im daran angrenzenden ehemaligen Hypobank-Gebäude, das der Stadt gehört und das derzeit leersteht, weil es umgebaut werden soll, seien heuer mehrmals zeitlich befristete Pop-up-Stores eingerichtet worden. Örtliche Firmen verkauften darin kurzzeitig ihre Produkte. Das sei von den Kunden sehr gut angenommen worden. Das Mode-Geschäft "felicissimo" machte ebenso von dieser Möglichkeit Gebrauch wie die Franziskusschwestern und die Firma Schuh-Heinkelmann. Nur der Verkauf von Weihnachtsartikeln und Kerzen durch die Schwestern aus Kirchschletten musste leider kurzfristig wegen des zweiten Lockdowns abgesagt werden. Michael Böhm: "Dieses Format wird sehr gut angenommen. Wir wollen, dass es so lange wie möglich erhalten bleibt." Enden werde es erst, wenn der Umbau des Gebäudes beginne.

Eines der größten Projekte in der Stadt sei das "Bären"-Areal. "Dank der Stadtverwaltung und des Bauamtes konnte heuer der Architektenwettbewerb abgeschlossen werden", sagt Michael Böhm. Möglichkeiten lägen nun offen für das weitere Verfahren zur Umgestaltung des ehemaligen Brauerei-Gasthofs "Zum Schwarzen Bären". Michael Böhm: "Da wird sich einiges bewegen, und da wird noch vieles zu tun sein: Im ersten Quartal 2021 werden wir die Möglichkeit zur Ansprache von Investoren prüfen."

Newsletter für Baustellenanlieger

Im kommenden Jahr würden zudem die beiden letzten Bauabschnitte der Bahnhofstraßensanierung angegangen. "Wir werden es ganz stark im Auge behalten, die Anwohner und Unternehmer dort über die Baufolgen zu informieren - wir hoffen, ein Baustellenmanagement umsetzen zu können", sagt Böhm. Es sei beabsichtigt, möglichst alle Anlieger mit einem Newsletter stets auf den neuesten Stand zu bringen.

Erfreulich sei zudem, dass Michele und Petra Vacca vom Restaurant "Zehntstadl" investieren und das Anwesen Bamberger Straße 22 kauften, um das bestehende Gebäude komplett umzubauen und ihrem bekannten Steakhouse eine neue Bleibe zu geben.

Im Beschilderungskonzept habe sich planerisch einiges getan. Es gehe darum, künftig mehr Menschen in die Innenstadt zu bekommen, die sich am Rand der Kernstadt aufhalten. Der erste Bauabschnitt für die Neubeschilderung der Wege zur Innenstadt werde zeitnah mit der Regierung von Oberfranken und dem Staatlichen Bauamt Bamberg umgesetzt. Möglichst im ersten Halbjahr 2021 sollen zudem neue Bannerstelen an den Verkehrskreiseln platziert werden - so wie sie zum Beispiel bereits an den Coburger Stadteinfahrten existieren. Ziel sei es, Bürger, Besucher und Gäste zu informieren. Auf diesen Bannerstelen sollen sportliche und kirchliche Veranstaltungen sowie die großen Feste (Altstadt-, Brauereifest oder Drachenbootrennen) angekündigt werden. Auch die Therme oder das Freizeitbad AquaRiese könnten diese Stelen nutzen, "damit Vielfalt entsteht".

"Viele neue Formate entdeckt"

Michael Böhms Resümee: "Durch Corona ist vieles langsamer und schwieriger geworden, viele Firmen sind in Kurzarbeit. Es war ein schwieriges Jahr. Wir mussten viel improvisieren mit unseren Partnern, aber wir haben sehr viel gelernt und entdeckten viele neue Formate. Das hat uns darin bestärkt, die Zukunft positiv zu sehen."