Live sind sie in ihrem Element
Autor: Andreas Thamm
Bamberg, Dienstag, 19. Juli 2016
Die dreiköpfige Band Mandrax Queen stellt am Freitag im Live-Club ihre neue CD "Californian Hunger" vor.
Ihren hundertsten Auftritt feierte die Band Mandrax Queen in Kronach - das war am 2. März dieses Jahres. Seitdem ist noch das eine odere andere Konzert hinzugekommen. Es gibt wahrscheinlich kaum eine aktive Bamberger Band, die öfter und an mehr Orten live zu sehen waren als Mandrax Queen. Und das in gerade einmal dreieinhalb Jahren. Am kommenden Freitag, 22. Juli, erscheint die vierte CD der drei Jungs: "Californian Hunger". Im Live-Club stellen sie die Scheibe ab 21 Uhr vor.
Es ist wieder, wie schon die Vorgänger "Golden Buzz", "Assfunked" und "Love, Love, Love", eine EP geworden. Fünf Songs, nicht ganz zwanzig Minuten, Schluss. Eine mundgerechte Dosis Mandrax Queen sozusagen und damit, vielleicht, der Schlusspunkt einer Entwicklung. "Wir sind", sagt Michi Rupp, Schlagzeuger, "hoffentlich am Ende dieser Phase.
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Der Plan ist, als Nächstes ein Album zu machen." Auch wenn das wahrscheinlich eine neue Herangehensweise erfordert: Ein Album sei für ihn, sagt Bini, ein anderes, größeres Projekt: "Daran würde ich gerne mehr arbeiten, mehr tüfteln."
Eine besondere Chemie
Das aktuelle Material ist weniger komponiert als organisch entstanden. "Eine besondere Chemie", "eine Verbindung" oder sogar: "Eine Seelenverwandtschaft" nennen die drei das, was zwischen ihnen wabert, wenn sie im Proberaum in der Böttgerstraße an neuen Songs arbeiten. "New Realities" beispielsweise, der komplexe Abschluss des Albums, wahrscheinlich der vielschichtigste Mandrax-Queen-Song bislang, basiere komplett auf einer solchen Jam. Dass einer der drei mit einer fertigen Idee zur Probe kommt, sei selten. Die andere Seite der CD, der Opener "Californian Hunger", ist so etwas wie eine Ausnahme. Den hatte Sänger Fabi Killer zu Hause geschrieben. Trotzdem: "Am Ende ist es ein komplett anderer Song geworden, als der, den ich im Kopf hatte. Aber es ist die bestmögliche Version von dem, was wir aus dem Material herausholen konnten."
Der Sound, den die drei auf die Bühne bringen, ist unverwechselbar. Und in Bamberg - und weit darüber hinaus - eine Marke mit Anziehungskraft. Beim Kontakt-Festival 2015 spielten Mandrax Queen vor 600 Menschen. Fabi schwärmt: "Das war einer der geilsten Gigs, den wir bisher gespielt haben. Wir haben die Chance bekommen, in dieser krassen Location, auf diesem Festival, wo eh so eine schöne Stimmung war ... Also haben wir alles gegeben. Und die Leute haben gefeiert." Die über 100 Auftritte sind kein Zufall. Mandrax Queen spielen gerne live und wissen selbst, dass das, wegen der massiven Energie, die diese Veranstaltungen entwickeln, ihre größte Stärke ist.
Geile Typen, geile Band
Gern erinnern sich die drei auch an eine kleine Deutschland-Tschechien-Tour mit der Band Cannahann aus Bad Neustadt a. d. Saale. Die beiden Bands kannten sich vorher quasi nicht. Und verbrachten zwei Wochen lang jeden Tag miteinander. "Wir haben da echt gute Freunde gewonnen", sagt Bini. Und Fabi: "Deswegen spielen die auch am Freitag im Live-Club. Weil: Geile Typen, geile Band." "Devil Train" aus Bamberg komplettieren das Line-up.Mittlerweile gehen Michi, Fabi und Bini solche Abende mit einer gewissen Abgeklärtheit an. Michi und Fabi machten schon vor über zehn Jahren gemeinsam Musik, damals noch in der Band "Corpse Express", Bini und Fabi gründeten in den Nullerjahren "Jinx". Die drei gehören zu den prägenden Gestalten der Bamberger Bandszene. In den vergangenen drei Jahren stellten sie im Juz das "Pure Rock Fury"-Festival auf die Beine, zu dem dann die Bands, die man unterwegs kennenlernt, eingeladen wurden.
Die Lücke, die nach der Schließung des Morph Clubs entstanden war, wird zunehmend durch privat organisierte Konzerte gefüllt. "Es ist ein großes Interesse dafür da, was passiert, größer als in anderen Städten", sagt Michi. "Aber es ist schade, dass es wenig Locations gibt, wo so etwas offiziell stattfinden kann. Wenn Studenten neu nach Bamberg kommen, denken sie erstmal, es ist gar nichts los."
In der Kleinstadt gehen Vor- und Nachteile für ambitionierte, junge Bands ineinander über: Die Wege sind kurz, man kennt sich. Bini grübelt nur halb ernst: "Ich frage mich manchmal, ob die Leute bloß zu unseren Konzerten kommen, weil sie unsere Freunde sind. Oder weil woanders eh nichts los ist ..."