Plage Landkreis, Kommunen, Politik, Landwirte sowie Naturschutzbehörde wollen das Problem mit einem Pilotprojekt gemeinsam angehen.
„Die Wildgänse haben die frisch aufgegangene Saat auf einem Stück komplett abgefressen. Hier ist die Ernte verloren“, klagt Landwirt Klaus Weiß aus Gruben bei Hochstadt. Damit steht er nicht allein. Graugänse, Kanadagänse und Nilgänse sind im Landkreis Lichtenfels immer mehr auf dem Vormarsch. Mit ihrem Riesenappetit auf Getreide richten sie vielerorts großen Schaden an.
Ein Fakt, den das Landratsamt als untere Naturschutz- und Jagdbehörde, Kommunen, Landwirte und politische Mandatsträger seit einigen Jahren mit Sorge beobachten. Deswegen ziehen nun alle gemeinsam an einem Strang, um Lösungsmöglichkeiten zu finden. So sollen in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gemeinsame Maßnahmen in Form eines Wildgänsemanagement-Projekts im Landkreis Lichtenfels ergriffen werden. Unterstützt durch den Leiter des Projektmanagements „Wildgänse“ an der LfL, Christian Wagner , der auch die seit 2013 laufenden Pilotprojekte Wildgänsemanagement in den Landkreisen Bamberg und Haßberge betreut, sollen anhand der dortigen Erkenntnisse verschiedene Regulierungsmaßnahmen, angepasst an die jeweiligen Standort- und Schadsituationen, an einigen Brennpunkten im Landkreis Lichtenfels umgesetzt werden. Der Startschuss soll mit einer Ende Juli stattfindenden Auftaktveranstaltung gegeben werden.
Darauf einigte man sich jetzt bei einem ersten Ortstermin auf dem Hof von Martina und Klaus Weiß. Ein weiteres Vorgehen erörterten dabei Landrat Christian Meißner , Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner , die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels , Sabine Rießner, der Erste Bürgermeister der Gemeinde Hochstadt, Max Zeulner, Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Lichtenfels sowie der unteren Naturschutz- und der Jagdbehörde am Landratsamt Lichtenfels. „Wir brauchen pragmatische Lösungen, die allen Seiten gerecht werden – Naturschutz und Tierschutz einerseits sowie Landwirtschaft und Freizeithygiene anderseits“, so Meißner.
Wie der Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt, Kommunales am Landratsamt, Tim Baum, beim Ortstermin erläuterte, gab es seit 2013/14 unter anderem ein Pilotprojekt der LfL zum Wildgänsemanagement in den Landkreisen Bamberg und Haßberge. Dabei zeigte sich, dass sich Wildgänse gerade in den Mainauen sehr wohlfühlen. Die enge Verzahnung von Ruhegewässern mit Brutmöglichkeiten und landwirtschaftlichen Flächen mit hochwertiger Nahrung biete optimale Bedingungen und sei eine der Ursachen für die enorme Vermehrung. Wenn der Mensch nicht eingreife, werde die Population weiter wachsen. „Die Schaffung von naturschutzfachlich geschützten Lebensräumen für seltene Bodenbrüter geht ins Leere, wenn eine Übermacht von Gänsen diese verdrängen“, fasst Landrat Meißner auch die naturschutzfachliche Notwendigkeit für Maßnahmen zusammen.
Die Sache mit dem Jagdrecht
Sandra Groß von der unteren Jagdbehörde erläutert, dass die Wildgänsearten zum jagdbaren Federwild zählen und damit dem Jagdrecht unterliegen. Seit fast 20 Jahren sind daher die Jagdpächter in Problembereichen des Landkreises bemüht, über gezielte Abschüsse und Jagdzeitverlängerungen massive Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen im Rahmen zu halten. Der Abschuss allein könne aber das Grundproblem der wachsenden Population nicht lösen. Insofern komme die zum 1. Mai in Kraft getretene Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes zum richtigen Zeitpunkt.
„An den Äckern entlang von Gewässern ist ein Anbau von verschiedenen Kulturen nicht mehr möglich, weil die Gänse alles abfressen. Unseren Landwirten drohen Verluste im vierstelligen Bereich pro Hektar“, warnt BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein. Der Erste Bürgermeister der Gemeinde Hochstadt am Main, Max Zeulner, fasste mit Blick auf ein weiteres Problem zusammen: „Da der Kot der Gänse auch zu massiven hygienischen Problemen an den Liegebereichen der Naherholungsgewässer führt, ist es auch im Interesse der Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises, dass über das Projekt Wildgänsemanagement wirksame Maßnahmen eingeleitet werden.“ red