Seit dem Jubiläumsjahr der Erzdiözese Bamberg 2007 wird das Wallfahrtsjahr in Vierzehnheiligen mit einem Tag der Wallfahrt eröffnet – diesmal vorsichtig optimistisch. „ Gott gab uns Atem, damit wir leben“, so lautet das Motto. „Als wir uns Anfang dieses Jahres in der Hausgemeinschaft für dieses Thema entschieden hatten, waren wir davon ausgegangen, dass wir die Corona-Pandemie bis zur Jahresmitte doch soweit im Griff haben, dass die Wallfahrten fast wie früher nach Vierzehnheiligen kommen können. Damals dachten wir, dass wir wenigstens in der zweiten Jahreshälfte 2021 gleichsam aufatmen können und die dunkle Zeit hinter uns lassen dürfen“, so Pater Maximilian.

Erschreckend hohe Infektionszahlen und Todesfälle, Medienbilder von Massengräbern, überfüllten Intensivstationen und künstlich beatmeten Patienten und die Angst, sich mit dem Virus anzustecken und schwer daran zu erkranken, prägten nach wie vor unseren Alltag. Und es beschleiche einen immer wieder das ungute Gefühl, dass diese Katastrophe kein Ende nehmen wollte.

Viele Wallfahrten entstanden in der Barockzeit unter dem Eindruck der Pest-Epidemie. Damals baten die Menschen um göttlichen Beistand und hofften, von der tödlichen Gefahr verschont zu werden. „Unsere Zeit ist dem Ursprungsanliegen der Wallfahrt also sehr ähnlich. Gehen in kleinen Gruppen, vielleicht auch in kürzerer Strecke, stellvertretend für alle, ist besser als die Wallfahrt erneut abzusagen“, stellt Guardian Pater Maximilian klar.

In der Basilika stehen 160 Plätze mit Sicherheitsabstand und viel Umluft bereit. Außerdem gibt es die Möglichkeit, bei großem Andrang Gottesdienste nach außen zu übertragen.

So konnte der „Rector ecclesiae“ der Wallfahrtsbasilika etliche Wallfahrer begrüßen, einige kleine Radgruppen der Concordia aus Altenkunstadt und Umgebung hatten sich mit den Fahrrädern auf dem Weg gemacht. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Franziskanerpater das Wallfahrtsmotto. „Es muss ein ganz schlimmer Moment sein, wenn dir plötzlich die Luft wegbleibt, wenn du nicht mehr richtig atmen kannst und du das Gefühl hast, zu ersticken. Vielleicht hast du selber so etwas schon einmal erleben müssen bei einer starken Bronchitis , Lungenentzündung oder in einer Schocksituation. Und es ist wie so oft, erst wenn die Atmung nicht mehr einwandfrei funktioniert, wenn Atemaussetzer oder Asthma das Leben bestimmen und einschränken, dann wird die Atmung zu einem kostbaren Gut. In solchen Momenten kommt Angst auf, weil das Leben bedroht ist“, so der Franziskanerpater zu Beginn seiner Predigt . Gott schenke Atem und neues Leben. „Erst der Lebensatem Gottes macht uns lebendig. Durch den Atem sind wir göttlich inspiriert, können Leben denken, planen und gestalten als Ebenbilder Gottes . Der Atem ist unser ständiger Begleiter, er kommt und geht, ganz von selber.“ Gott gebe nicht nur den Atem zum Leben, sondern auch den langen Atem zum Durchhalten in Krisen und zum Verstehen der Lebenszusammenhänge. „Ihr seid nach Vierzehnheiligen gekommen: Lasst uns neu aufatmen, durchschnaufen und Luft holen, damit unser Leben hier am Gnadenort mit neuer Kraft und Zuversicht erfüllt wird“, so Pater Maximilian zum Schluss seiner Predigt .