Wo soll eine Photovoltaikanlage Strom produzieren – auf dem Dach oder in der freien Natur? Mit dieser Frage, an der sich seit Jahren die Geister scheiden, beschäftigte sich am Dienstagabend der Gemeinderat bei seiner Sitzung in der Grundschulturnhalle. Die BayWa r.e. Solar Projects GmbH, eine Tochter der BayWa AG mit Sitz in München, möchte unweit des Ortsteils Spiesberg einen zehn Hektar großen Solarpark errichten. So recht glücklich mit der von Projektentwickler Raphael Kempf vorgestellten Planung war niemand im Gremium.

Zu überdimensioniert erschien vielen das Vorhaben. „Ein Solarpark ist immer noch besser als ein Windpark, allerdings ist dieser zu groß“, meinte Hans-Werner Schuster ( CSU ), der vorschlug, den Park um ein Drittel zu verkleinern. Auch seine Fraktionskollegin Melita Braun ( CSU ) stimmte in diesen Chor mit ein: „Der Solarpark ist doppelt so groß wie das Dorf – das erschreckt einen.“ Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) sprach von einer Verschandlung des Landschaftsbildes. Zudem verwies er darauf, dass sich der Standort im Naturpark „Fränkische Schweiz“ in unmittelbarer Nähe zu einem Landschaftsschutzgebiet befinde.

Strom für 2200 Vier-Personen-Haushalte

Die Leistung der Anlage bezifferte Kempf auf neun MWpeak. Jährlich würden rund 8700 Megawattstunden CO2-neutraler Strom produziert. Dies entspreche dem Verbrauch von mindestens 2200 Vier-Personen-Haushalten, rechnete der Experte vor. Dadurch werde Altenkunstadt bilanziell energieautark. Die jährliche CO2-Ersparnis gab er mit 5600 Tonnen an. Außerdem, so Kempff, komme es zu einer Erhöhung der Biodiversität . „Nachweislich regenerieren sich die natürlichen Bodenfunktionen unter der Anlage durch die temporäre Extensivierung“, behauptete der Experte. Die Bürger können nach Auskunft des Redners Anteile an der Anlage zwischen 500 und 10 000 Euro erwerben.

Sein Werben für den Solarpark, der ab Ende 2022 oder Anfang 2023 Strom produzieren soll, verfing nicht so recht. Deuerling und Michael Limmer von der Jungen Wähler Union (JWU) begrüßten die Initiative „Macht die Dächer voll“ aus dem Nachbarlandkreis Kulmbach, die mehr Solaranlagen auf Gebäude bringen will. Rolf Gnatzy von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) forderte ein Gesamtkonzept zur Errichtung von Photovoltaikanlagen in der Gemeinde Altenkunstadt .

Was denken die Spiesberger?

Der Vortrag diente der Information. Vor einem endgültigen Beschluss soll eruiert werden, wie die Einwohner von Spiesberg zu dem Vorhaben stehen. Auf einhellige Zustimmung stieß hingegen ein anderes Projekt. Stephanie Limmer und ihr Mann, der Gemeinderat Michael Limmer, wollen am Ortsrand von Maineck in Richtung Prügel ein pädagogisches Reit- und Therapiezentrum errichten. „Es soll ein Ort sein, an dem Kinder wieder Kinder sein dürfen. Er soll sie näher an die Natur und zu sich führen, damit sie den Alltag besser meistern können“, erläuterte Stephanie Limmer den Sinn und Zweck der Einrichtung.

Großen Wert legen die zukünftigen Betreiber auf eine artgerechte Haltung der zehn Pferde. Es gibt keinen Stall, sondern nur Weidehütten zum Schlafen entlang der Wege, die die Pferde zum Laufen anregen sollen. Herzstück der Anlage sind zwei Reitplätze – einer der beiden ist überdacht – und ein Roundpen, ein runder Trainingsplatz für die Arbeit mit Kindern , wo diese nonverbal mit den Pferden kommunizieren können. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder “, sagte die Referentin. Auf einer Mischobstwiese können Groß und Klein leckeres Obst von den Bäumen pflücken und auch die Einbindung einer bestehenden Kapelle in das Gelände des Reit- und Therapiezentrums ist vorgesehen. In Abstimmung mit der Dorfgemeinschaft Maineck sollen Flurumgänge zum Beispiel an Fronleichnam wiederbelebt werden. Der Aufstellungsbeschluss für das Sondergebiet „Reitanlage Maineck“ mit gleichzeitiger Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Altenkunstadt wurde einstimmig genehmigt.

Ein anderes Projekt, das seit 2009 in Altenkunstadt Früchte trägt, wird um drei Jahre verlängert und auf die Altenkunstadter Ortsteile ausgedehnt: „In der Heimat wohnen“. Quartiersmanagerin Angela Lohmüller vom Caritas-Kreisverband stellte die Veränderungen vor, die mit Beginn des nächsten Jahres eintreten. In der Wohnanlage Apfelgarten, die derzeit in der Theodor-Heuß-Straße 15 bis 17 entsteht, wird es ein Beratungshaus der Caritas geben, das soziale Beratung, Sozialstation und Tagespflege umfasst. Der Adventsbasar soll in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ausgeweitet werden und auch Digitalisierungsangebote für Senioren wie Tablet-kurse oder Handysprechstunden sieht der bunte Strauß an Ideen vor. Die Quartiersmanagerin wird Außensprechstunden in den Ortsteilen abhalten. Die jährlichen Gesamtkosten bezifferte Verwaltungsleiter Philipp Gernlein auf 66 850 (2022), 68 500 (2023) und 70 250 Euro (2024). Der Kooperationsvertrag wurde verabschiedet.