Schonungslos hart: Miss Allie fetzt in Bad Staffelstein
Autor: Fränkischer Tag
, Sonntag, 09. August 2026
Miss Allie steht auf der Seebühne in Bad Staffelstein unter Strom
Dass diese Frau mal drei Jahre in Australien gelebt hat, das merkt man schon bei den ersten rockigen Riffs. Sie fetzt auf der E-Gitarre, original wie Angus Young von AC/DC. Als sie ermattet die Hände sinken lässt, geht das fulminante Solo unvermindert weiter. Das ist Angus Young, der da spielt. Ein paar Sekunden erst steht Miss Allie am Samstagabend, 8. August 2026, auf der Seebühne von Bad Staffelstein – und schon hat sie sich die ersten herzhaften Lacher abgeholt.
Es wird ein lustiger Abend werden, voll mit ernsten Themen. Miss Allie ist Komödiantin, Pop-Sängerin, Liedermacherin. Eine schubladenübergreifende Musik-Attraktion. Sie verpackt ihre Fassungslosigkeit über die Lage der Welt, ihren Ärger über männliche Dominanz und Ignoranz in energiegeladene Lieder mit schonungslos harten, immer aber auch augenzwinkernd witzigen Texten.
Zurück in die Vergangenheit
So erzählt sie von ihrer ergebnislosen Aggressionsbewältigungstherapie, die sie von ihrer nicht mehr kontrollierbaren Wut befreien sollte über einen alten Mann mit einem noch älteren Weltbild, der auf der anderen Seite des Atlantiks ein modernes Land in die Vergangenheit regiert.
An das lose Mundwerk und die jedes Tabu ignorierenden Aussagen hat man sich schnell gewöhnt. Es ist eine Freude, jemandem zuzuhören, der das Blatt vorm Mund als unzulässige künstlerische Einschränkung ächtet. Fürsorglich warnt Miss Allie nach einer untergürtellinigen Textzeile: „Das war noch nicht die schlimmste Stelle. Macht euch mal locker. Da kommt noch mehr.“
Miss Allie: Berliner Schnauze, die singt, was sie fühlt
Sie hält Wort. Als gebürtige Berlinerin hat sie die sprichwörtliche Schnauze der Hauptstädter mitbekommen. Dass sie jetzt in Hamburg lebt, hat ihr bislang noch keine hanseatische Zurückhaltung eingebracht. Sie sagt, was sie denkt. Sie singt, was sie fühlt.
Sie ist knallhart und beängstigend offen. Dann aber wieder ganz weich und verletzlich. Das sind die Momente, in denen man Miss Allie in den Arm nehmen und trösten möchte. Aber das geht ja nicht. „Ich hab‘ hier meinen Burggraben“, sagt sie und zeigt auf den Wasserstreifen zwischen sich und ihrem Publikum. „Mit Krokodilen! Also nix mit Anfassen heute.“
Reise durch Seelen-Achterbahn von Miss Allie
Miss Allie nimmt die knapp tausend Besucher auf den Rängen der fast ausverkauften Seebühne mit auf eine Reise durch ihr Leben. Auf den Work-and-Travel-Trip durch Australien, bei dem sie in Tasmanien die große Liebe ihres Lebens kennenlernt und einfach drei Jahre bleibt. Auf die Seelen-Achterbahn in den sieben Jahren Liebeskummer, die der Trennung folgen.