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Klärschlammtrocknungsanlage versetzt manche Anlieger in Todesangst


Autor: Dieter Radziej

Altenkunstadt, Sonntag, 18. Juli 2021

Obwohl es eigentlich nur ein Informationsgespräch war, wie es der Planer der Klärschlammtrocknungsanlage Christian Fritsch, Waldershof, verdeutlichte,...


Obwohl es eigentlich nur ein Informationsgespräch war, wie es der Planer der Klärschlammtrocknungsanlage Christian Fritsch, Waldershof, verdeutlichte, regten sich dennoch anlässlich eines Ortstermins auf dem geplanten Gelände der Biogas-Anlage der Familie Leikeim bei Baiersdorf, bereits die Gemüter.

Eine Ortsbesichtigung der Anlage Ertel durch die Mitglieder des Gemeinderates und der Rathausverwaltung von Altenkunstadt war dem bereits vorausgegangen. Nachdem sich die Verantwortlichen dabei über die Klärschlammtrocknung informiert hatten und das Unternehmen aus Offenhausen eine ähnliche Anlage auch in Baiersdorf errichten möchte, war die Bürgerschaft zu diesem Termin aufs Grundstück der Familie Leikeim von der Gemeinde Altenkunstadt eingeladen worden, wie Bürgermeister Robert Hümmer erklärte.

Neue Düngemittel- und Klärschlammverordnungen, so der Planer der Anlage, Christian Fritsch (Planungsbüro für erneuerbare Energien , Waldershof), und die Tatsache, dass immer weniger Klärschlamm auf dem landwirtschaftlichen Felder ausgebracht werden darf, machen es erforderlich, über eine vernünftige Klärschlamm-Entsorgung nachzudenken. Da in Baiersdorf ohnehin eine Biogas-Anlage vorhanden sei, wäre es möglich, diese hier produzierte Energie für die Klärschlammtrocknung zu verwenden, wobei er darauf verwies, dass dies die Ertel-Agrarenergie, die bereits in Offenhausen eine ähnliche Anlage in Betrieb hat, übernehmen würde.

Unterdruck verhindert Geruch

Dieses Verfahren sei zudem umweltfreundlich und CO2-n eutral. Der Ablauf sei dabei so geplant, dass täglich etwa ein Lkw (pro Jahr geplant 5000 Tonnen) den Klärschlamm in einer Halle anliefert. Durch den dort herrschenden Unterdruck könnten nur beim Transport und der Toröffnung Gerüche entstehen; die Klärschlammtrocknung an sich geschehe in einer geschlossenen Einheit. Anschließend verbleibe ein geringer Teil Trockensubstanz, der in Pelletform entsorgt werden müsse oder verbrannt werden könne. Aus diesen Gründen würde einmal pro Woche ein Lastwagen vorfahren und dieses restliche Material abholen.

Natürlich kam danach sofort eine lebhafte Diskussion in Gang, und es wurde nachgefragt, ob neben den bestehenden nicht noch zusätzliche Gerüche entstehen würden. Von den Einwohnern kam der Hinweis, dass schon bei der Realisierung der Biogas-Anlage in Baiersdorf immer wieder wegen der Einhausung des entsprechenden Materials, der Bepflanzung, usw. nachgehakt habe werden müssen und es nach wie vor Geruchsentwicklungen gebe.

Eigentlich, sagte eine Prügler Anwohnerin, sei immer davon gesprochen worden, dass es ab 22 Uhr eine Nachtruhe geben würde, doch sei hier häufig „Betrieb rund um die Uhr“. Darauf erwiderten die Fachleute, dass Biogas-Anlagen eben 24 Stunden laufen müssten, um wirtschaftlich zu sein.

Wie sich in Zukunft die Klärschlammentsorgung entwickelt oder aussehen könne, welche Möglichkeiten sich dabei im Müllheizkraftwerk in Coburg böten, aus welchem Umfeld die Klärschlammanlieferung erfolgt und ob bei allen Planungen auch an die beengten Verkehrsverhältnisse im Umfeld von Baiersdorf und Prügel gedacht sei, waren weitere Themenbereiche, die angerissen wurden. Selbst der Brandschutz kam zur Sprache : „Wir haben Angst um unser Leben“, wurde von einer Anwohnerin geäußert.

Manche Betroffenen richteten sogar ganze Fragenkataloge an den Planer und die Betreiber, während Hausbesitzer darauf verwiesen, dass ihre Anwesen in Baiersdorf, durch die Geruchsbelästigungen natürlich inzwischen mehr und mehr an Wert verlören.

Es seien noch keine Pläne eingereicht, sollte jedoch das Vorhaben weiter in Gang kommen, würden „natürlich die Vorschriften eingehalten“.