Die Bürgerversammlung ist für gewöhnlich kein Publikumsmagnet. In diesem Jahr war alles anderes. Der seit Jahren kontrovers diskutierte Bau eines gemeinsamen Lehrschwimmbeckens der Kommunen Altenkunstadt , Burgkunstadt und Weismain auf dem Schul- und Sportgelände im Altenkunstadter Ortsteil Röhrig erwies sich als Zugpferd. Das Thema lockte am Mittwochabend rund 100 Bürger in die Kordigasthalle und sorgte für jede Menge Gesprächsstoff. Während die einen den Bau begrüßten, um Kindern vor Ort das Schwimmenlernen, betonten andere, dass man sich ein Bad auch finanziell leisten können müsse.

Mit Blick auf die Verschuldung, die für das Jahr 2024 auf 14,2 Millionen Euro prognostiziert wird, stellte Dritte Bürgermeisterin Almut Schuhmann ( SPD ) fest, dass es dringendere Aufgaben wie zum Beispiel die Sanierung der Mittelschule oder die Erneuerung der Kreuzberg-Kindertagesstätte gebe.

Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Bau eines Lehrschwimmbeckens hielt die Mutter einer zehnjährigen Tochter, die den Schwimmunterricht in Michelau als ungenügend bezeichnete. Durch die Hin- und Rückfahrt blieben gerade einmal 20 Minuten für das Schwimmen übrig. Und Vorsitzender Volker Thormählen vom Verein für kommunale Zusammenarbeit ermunterte die Altenkunstadter, beim Bürgerentscheid am 21. November für den Bau eines Lehrschwimmbeckens zu stimmen.

Wie wird das Bad einmal aussehen? Anhand einer Powerpoint-Präsentation gewährte der Lichtenfelser Architekt Gerd Peter Lauer einen Einblick. Das Becken mit seinen zwei Übungseinheiten und fünf Bahnen ist 25 Meter lang und 12,5 Meter breit. „Der Hubboden ermöglicht die Einstellung auf folgende Wassertiefen: 30, 60 und 90 Zentimeter sowie 1,35 und 1,80 Meter“, sagte der Referent. 106 Sportklassen aus den Grundschulen in Altenkunstadt , Burgkunstadt und Weismain, der Mittelschule Altenkunstadt sowie der Realschule und des Gymnasiums Burgkunstadt werden dort nach Auskunft des Experten ihren Schwimmunterricht absolvieren.

Bürgermeister Robert Hümmer ( CSU ) teilte mit, dass mit Mainleus und Kasendorf auch zwei Kommunen aus dem Nachbarlandkreis Kulmbach ihre Schüler zum Schwimmunterricht nach Altenkunstadt schicken wollen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben, die Lauer 2019 noch auf 5,9 Millionen Euro geschätzt hatte, korrigierte der Experte aufgrund der stark angezogenen Baupreise auf 6,4 Millionen Euro nach oben.

„Das stimmt hinten und vorne nicht“, zweifelte Gemeinderat Ludwig Winkler von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) die siebenprozentige Erhöhung an, die er für zu gering hielt. „Meinen Berechnungen liegen Zahlen des statistischen Bundesamtes zugrunde“, rechtfertigte sich der Architekt.

Was passiert, wenn die Baukosten weiter in die Höhe schnellen sollten? Hümmer ist bestrebt, mit dem Landkreis Lichtenfels und der Gemeinde Burgkunstadt Nachverhandlungen über eine Beteiligung an den Mehrkosten zu führen. Auf Nachfrage eines Bürgers räumte er ein, dass bei einer Weigerung Altenkunstadt die Mehrkosten ganz alleine zu tragen habe.

Betrieben werden soll das Bad ehrenamtlich von den Mitgliedern der DLRG mit Unterstützung der Altenkunstadter Wasserwacht . Die jährlichen Betriebskosten bezifferte Hümmer auf 234 700 Euro. Daraus errechnete er bei einer Auslastung von 51 Schulwochenstunden in einem Zeitraum von 36 Wochen einen Stundensatz von 127,83 Euro. Er wird von den Sachaufwandsträgern, also den Kommunen, die für die jeweiligen Schulen zuständig sind, bezahlt. „Der Stundensatz wird jedes Jahr aufs Neue angepasst, damit es kein Defizit gibt“, sagte Hümmer.

Derzeit lernen die Kinder aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels im Miche-lauer Lehrschwimmbecken das Schwimmen . Vorsitzender Werner Schneider von der DLRG Burgkunstadt bezifferte die Kosten in Michelau für eine Schwimmeinheit inklusive Schülertransport in Michelau auf 235 Euro, was deutlich über den Stundensatz für Altenkunstadt liegt. Die jährlichen Buskosten für alle drei Kommunen für eine Klasse bezifferte er auf 14 611 Euro.

Auch die Bürger sollen in dem Bad schwimmen können. Laut Schneider sind auch Kurse für Babyschwimmen, Aquarobic, Wasser- und Seniorengymnastik angedacht. Der Landkreis Lichtenfels beteiligt sich mit einer halben Million Euro an dem Bad. Darüber gibt es eine Vereinbarung zwischen dem Kreis und der Gemeinde Altenkunstadt aus dem Jahr 2018. In der Präambel des Schriftstücks heißt es, dass die Schulleiter von Realschule und Gymnasium in Burgkunstadt versichert hätten, dass die wenigen in den Lehrplänen vorgesehenen Schwimmstunden auch problemlos im Burgkunstadter Freibad Kunomare genommen werden könnten.

„Sind die 51 Schulstunden also nicht zu 100 Prozent fix?“, wollte Dritte Bürgermeisterin Almut Schuhmann ( SPD ) wissen. Zudem heißt es in dem Papier, dass aus der Vereinbarung keine Verpflichtung zur tatsächlichen Nutzung des Schwimmbades durch die zwei Schulen geltend gemacht werden könne. „Haben wir keine Möglichkeit durchzusetzen, dass die Stunden auch tatsächlich genommen werden?“, fragte Schuhmann.

„Die Vereinbarung ist überholt“, erwiderte Hümmer. Schneider ergänzte, dass laut der Regierung von Oberfranken auch bei weiterführenden Schulen der Schwimmunterricht in einem vorhandenen Lehrschwimmbecken stattzufinden habe.

Joseph Jachmann (Bündnisgrüne) wunderte sich, als er von Artur Klein, einem Mitarbeiter des Burgkunstadter Ingenieurbüros Reichenbach und Henkel, der für Heizung, Lüftung und Sanitär zuständig ist, hörte, dass das Bad mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk ausgestattet werde. „In der benachbarten Mittelschule wurde eine Hackschnitzelanlage eingebaut“, sagte er.

Almut Schuhmann wollte wissen, ob ein Umschwenken auf Gas förderschädlich sei. Hümmer erklärte, dass man jederzeit von Gas auf Hackschnitzel umsteigen könne. Dann gebe es aus einem anderen Fördertopf einen Zuschuss, dessen Höhe er auf 45 Prozent bezifferte.