Oberfranken als Endlagerungsstandort? Eine Frage, mit der am Dienstag der Umweltausschuss des Kreistags konfrontiert wurde. Genauso wie mit der Frage nach der Schaffung und dem Gedeihen von Ausgleichsflächen wegen des Neubaus der B 173. Kernstück des Tages aber war auch ein Sachstandsbericht zum Umgang mit geogen erhöhten Stoffgehalten in Landkreisböden.

Eines könne man laut Landrat Christian Meißner Oberfranken nicht zugute halten: seine Tauglichkeit als Endlagerungsstätte für beispielsweise Atommüll . Tatsächlich sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH solche Stätten und worauf sie angewiesen sind, sind Böden, die in einer Tiefe von bis zu 1300 Metern kristallin sind. Solche gelten als optimal für eine Sicherheitsgewährung. Nur: Solche Böden sind in Oberfranken rar, wenn überhaupt vorhanden. So berichtete Meißner dem Gremium von 56 vorgenommenen Bohrungen, die allesamt erbrachten, dass es kein kristallines Wirtsgestein in entsprechenden Tiefen gibt. „Das ganze Thema ist vorbei“, bilanzierte Meißner vor dem Gremium.

Doch das Thema Boden und Bodenarten sollte überhaupt das bestimmende Thema der Sitzung sein, denn was sich im Landkreis noch tat bzw. tut, ist die Verteuerung von Bauvorhaben, ist der Ärger mit dem Erdaushub. Zeitungen titelten schon, dass für Baugruben mittlerweile Jahresnettogehälter ausgegeben werden und sich die Baubranche in einer Entsorgungskrise bei Bauschutt und Bodenaushub befindet. Um auch solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, wurde 2018 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, für das sich der Landkreis bewarb und den Zuschlag erhielt. Seine Laufzeit: 1. Juni 2020 bis 31. Dezember 2022.

Kern des Ganzen ist unter anderem die Erfassung von Stoffgehalten in Böden des Landkreises, oder wie Meißner es ausdrückte: „Es geht bei dem Projekt nicht darum zu schauen, wie belastet sind unsere Böden, sondern wie setzen sie sich zusammen.“ Ein „sauspannendes“ Unterfangen, wie der Landrat persönlich befand. An 164 Standorten ergaben sich Analysewerte zu Arsen, Cadmium, Chrom, Kupfer, Quecksilber , Nickel, Blei, Thallium oder Zink. Doch um überhaupt solche Proben in einer Tiefe von einem Meter entnehmen zu können, bedurfte es der Einwilligung vieler Grundstücksbesitzer. Ihnen dankte Meißner für ihr Mittun und ihre Offenheit.

So lag es nun an Projektleiter Uwe Geuß, darzulegen, wie es sich mit den Böden verhält und welche unterschiedlichen Stärkegrade es bei den Funden gibt. Der praktische Nutzen dieser Erhebung besteht darin, dass Aushub beispielsweise nicht mehr unnötig viele Kilometer weit verbracht werden muss, sondern an einem günstiger gelegenen Ort von ähnlicher Bodenbeschaffenheit gelassen werden könnte. Kreisrat Arndt-Uwe Schille ( SPD ) warf ein, dass man mit entsprechendem Wissen um Stoffgehalte des Bodens doch auch Renaturierungsmaßnahmen voranbringen könne, beispielsweise für Kiesseen in Trieb, für die „man Füllmaterial braucht“.

Ein Gedanke, der Anklang fand, ebenso wie der von Kreisbäuerin Marion Warmuth, die den Verlust agrarischer Flächen durch Kiesabbau beklagte und ihrer Hoffnung Ausdruck gab, dass sich diese durch entsprechende Auffüllungen wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zuführen ließen. Dann und wann hatte der Sachstandsbericht, vor dem Meißner eingangs scherzhaft warnte, er sei doch „sehr wissenschaftlich“, auch seine heiteren Momente. Eben dann, wenn Meißner die Angst vor dem Wort Arsen zu nehmen suchte und beteuerte, dass das „net einer neigschütt hat, das hat sich im Boden so entwickelt“. Alles in allem konstatierte er, dass es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, und die Kreisräte erfuhren von Geuß zudem etwas über die Kosten, die mit 872 500 Euro angegeben wurden. Auch erfuhren sie, dass die Bodenproben in ein Labor nach Marktredwitz verbracht werden.

Raimund Prinz, Leiter des Referats Vorsorgender Bodenschutz und Bodenmonitoring am Landesamt für Umwelt (Dienststelle Hof), machte jedenfalls gegen Ende des Berichts eine Zusicherung: „Wir werden dem Landratsamt Karten bringen und dann kann das Landratsamt valide (…) diese Gebiete ausweisen.“

Was für manche Kreisräte im Anschluss an all das zudem folgen sollte, war eine Baustellenbegehung im Umfeld der „B 173 neu“. Es ging um Inaugenscheinnahme von Retentionsraum mit naturschutzfachlichem Ausgleich. Wohl 40-42 Hektar Ausgleichsfläche sollen für den acht Kilometer langen Bauabschnitt binnen der nächsten Jahre geschaffen werden.