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Lehrgänge der Laufer Mühle sollen aufgewertet werden


Autor: Redaktion

Lauf, Dienstag, 10. März 2020

"Der gesellschaftliche Konsens darüber, dass es sich bei Sucht um eine sehr schwere Krankheit handelt, bei der es eine große Anzahl an Betroffenen gibt - sowohl die Suchtkranken als auch deren Angehör...
Michael Thiem (l.), Reinhard Lugschi (4. v. l.), Stefan Müller (7. v. l.), Martin Mach, Sigrid Thiem, Andreas Koch und Dirk von Vopelius (v. r.) mit der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (6. v. r.) und den Absolventen der IHK-Lehrgänge Foto: privat


"Der gesellschaftliche Konsens darüber, dass es sich bei Sucht um eine sehr schwere Krankheit handelt, bei der es eine große Anzahl an Betroffenen gibt - sowohl die Suchtkranken als auch deren Angehörige - ist noch nicht gegeben", stellte die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) bei einem Besuch in der Laufer Mühle fest. Es gelte, Vorurteile zu bekämpfen und sich klar zu werden: Sucht findet nicht am Rande der Gesellschaft statt, sondern mittendrin.

Das Thema Sucht, so Ludwig, treibe sie auf vielen Ebenen um, deshalb sei sie der Einladung von MdB Stefan Müller (CSU) sehr gerne gefolgt. Müller ist langjähriges Mitglied und Beirat im Förderverein Freundeskreis der Laufer Mühle. Anlass dieses Besuchs war nicht nur das Kennenlernen der Einrichtung, die laut Stefan Müller in verschiedener Hinsicht bundesweit einmalig ist, sondern die Verleihung der IHK-Zertifikate für die Soziotherapeutischen Assistenten sowie die Soziotherapie-Anleiter. Die Zertifikatslehrgänge wurden von der Laufer Mühle gemeinsam mit der IHK-Akademie Nürnberg für Mittelfranken konzipiert und bilden Bewohner bzw. Mitarbeiter der Therapie-Einrichtung aus.

"Qualifizierte Ex-User"

Die Bewohner erwerben zusätzlich zum Erfahrungswissen rund um das Thema Abhängigkeit ein theoretisch und methodisch-didaktisches Rüstzeug, um zukünftig nach erfolgreich abgeschlossener Therapie als Ansprechpartner und vor allem als Vorbilder und auf Augenhöhe in der Suchtkrankenhilfe oder auch als Suchtberater in Betrieben tätig werden zu können. Diese Lehrgänge sowie weitere Pionierleistungen wie die vielfältigen Qualifikations- und auch Beschäftigungsformen seien die Alleinstellungsmerkmale der Laufer Mühle.

Gesamtleiter Michael Thiem stellte der Bundesdrogenbeauftragten und den Gästen und Partnern ausführlich das Konzept der "qualifizierten Ex-User" vor. Er sieht in ihnen gerade angesichts des Fachkräftemangels ein großes Potenzial. Das Problem laut Thiem: Ehemals Abhängige sind, so wisse man aus der Selbsthilfe, sehr erfolgreiche Therapeuten. Dennoch werden sie bislang als Hilfskräfte eingestuft. Das Feld der Fachkräfte ist akademisiert; die Ehemaligen als "Lebens-Experten", wie Thiem sie nennt, "sind dennoch - auch ohne akademische Ausbildung - vom Fach, denn sie kommen aus der Sucht und haben diese überwunden, zudem haben sie nun diese fachliche Qualifikation; sie sind also im wahrsten Sinne des Wortes Fachkräfte".

Noch ist das der Status quo. Aber inzwischen tut sich mit Hilfe vieler Unterstützer einiges in Richtung Anerkennung. Dank der IHK-Akademie gibt es schon seit rund zehn Jahren einen strukturierten Rahmenlehrplan, eine Zertifizierung mit schriftlicher und mündlicher Prüfung und ein IHK-Zertifikat für die Teilnehmer. Inzwischen sind die Initiatoren mit dem Bezirk Mittelfranken in Verhandlung, um ein Modell zu erarbeiten, das die Soziotherapeutischen Assistenten zumindest in eine etwas höherrangige Position zwischen Hilfs- und Fachkraft heben kann.

Bundesweit Interesse wecken

An diesem Vorhaben arbeiten viele Partner und Unterstützer der Laufer Mühle mit: der Freundeskreis-Vorstand als Geldgeber, weitere Sponsoren wie Helmut Hack, ebenfalls Freundeskreis-Mitglied, die IHK-Akademie, vertreten durch den Präsidenten Dirk von Vopelius und Sachgebietsleiter Martin Mach, und der Träger der Laufer Mühle, die Deutscher Orden Ordenswerke, die durch den Suchthilfe-Leiter Andreas Koch vertreten waren.

In Daniela Ludwig hat die Laufer Mühle, so wurde am Ende deutlich, eine weitere Partnerin gefunden, die sich selbst auch gleich einen konkreten Auftrag gestellt hat: Sie will dazu beitragen, dass der IHK-Zertifikatslehrgang "Soziotherapeutischer Assistent" eine weitere Verbreitung findet. Dazu soll über den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auch bundesweit Interesse geweckt werden. red