Sensibel zeigte sich der Kreisrat Edwin Dippacher (CSU) bei der jüngsten Sitzung des Kreistages. Er störte sich an der Formulierung, große Parteien wie die CSU seien die Profiteure beim Wahl-Auszählungsverfahren nach D'Hondt.
Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, FDP, SPD und WLF hatten nämlich beantragt, am Sitzverteilungsverfahren nach Hare-Niemeyer, das seit 2010 landesweit gilt, festzuhalten. Allerdings ging ihnen die Formulierung im Beschlussvorschlag "Der Kreistag hält das Sitzverteiloungsverfahren nach Hare-Niemeyer für ausgewogen und angemessen" nicht weit genug. Sie forderten den Zusatz "Deshalb halten wir an diesem Verfahren fest" mit aufzunehmen.
Dies umso mehr, als der Bayerische Landtag einen Vorstoß gemacht hatte, die Sitzverteilung wieder umzustellen. "Ohne Not", wie Karl Waldmann (Die Grünen) kritisierte. Der Landkreis wurde aufgefordert, über den Landkreistag bis 24. August eine Stellungnahme dazu abzugeben.
"Eine unhaltbare Frist", erboste sich Kreisrat Sebastian Körber (FDP), dem auch missfiel, dass der Antrag der Fraktionsgemeinschaft des Kreistages "wachsweich umformuliert" worden sei. "Demokratie lebt von der Vielfalt", sage Körber, Deshalb müsse das Hare-Niemeyer-Verfahren beibehalten werden.
Und Matthias Striebich (Grüne) ergänzte: "D'Hondt ist eine Verzerrung des Wählerwillens." Was den Kreisrat und MdL Michael Hofmann (CSU) dazu veranlasste, dieses Thema grundsätzlich diskutieren zu wollen. "Es gibt noch andere Verfahren. Wir müssen herausfinden, welches Verfahren das gerechteste ist", forderte er.
Kreisrat Reinhold Otzelberger (SPD) brachte die Sache auf den Punkt: "Wir können sagen, ein Apfelkuchen ist ausgewogen und angemessen oder ein Käsekuchen ist ausgewogen und angemessen. Also lassen wir den Käse." Das saß. Mit 23:27 Stimmen wurde der Beschlussvorschlag abgelehnt. Mit 40:10 Stimmen wurde der Zusatz "Am Auszählungsverfahren nach Hare-Niemeyer ist festzuhalten" mit aufgenommen.