Vor fünf Monaten wurden Danilo und Sinara Kammers in der evangelischen Kirchengemeinde Schwarzach-Willmersreuth als Fortbildungsvikare vorgestellt. Die beiden hatten zwar schon einige Jahre als Pfarrer in Brasilien gearbeitet, doch um in Deutschland zugelassen zu werden, müssen sie nochmals die Schulbank drücken und zusätzliche Ausbildungen absolvieren.

Die Eheleute Kammers haben bereits fleißig Gottesdienste in Schwarzach und Willmersreuth gehalten. Die Kirchengemeinde ist dankbar, dass die Pfarrerstelle bald auch wieder offiziell besetzt werden kann. "Die Kammers sind sehr aufgeschlossene junge Leute, die erst einmal genau hinhören und auf die Leute zugehen. Wir erfahren durchwegs extrem positive Rückmeldungen", so Vertrauensfrau Brigitte Lauterbach.

Danilo und Sinara Kammers leben mit ihren beiden Kindern ein knappes halbes Jahr in Deutschland. Wir haben uns mit ihnen unterhalten.

Ist Ihnen die Umstellung von Brasilien schwergefallen?

Danilo Kammers: Wir haben uns hier in Deutschland sprachlich und kulturell gut eingelebt, weil wir bereits hier lebten, als wir den akademischen Austausch machten. Sinara in Göttingen und ich in München. Was uns in der ersten Zeit in Schwarzach am meisten geholfen hat, war die herzliche Aufnahme. Schon Monate vor unserer Ankunft hatte die Glaubensgemeinschaft das Haus liebevoll vorbereitet, um uns zu empfangen, denn wir kamen nur mit ein paar Koffern hierher.

Gab es dennoch Hürden?

Am schwierigsten war für uns die deutsche Bürokratie. Auch die Kirche und ihre Struktur, Norm und Liturgie sind für uns anders. Aber nach und nach haben wir diesen Unterschied kennen- und respektieren gelernt und haben bei den Menschen eine Offenheit für andere Dinge im Gemeinschaftsleben festgestellt.

Und wie war es bei Ihren Kindern?

Es war uns sehr wichtig, dass unsere Kinder sich hier wohl- und willkommen fühlen. Carlos (neun Jahre alt) und Lara (zehn) mögen die Schule und die Lehrkräfte sehr. Sie haben bereits Freunde in der Schule gefunden, was ihnen bei der Anpassung sehr geholfen hat. Die deutsche Sprache ist noch eine Herausforderung für sie.

Was gefällt Ihnen in der Region besonders?

Die Ruhe und Sicherheit einer Kleinstadt, aber auch die Einfachheit der Menschen und ihr fränkischer Dialekt, den wir immer noch nicht verstehen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?

Unsere Priorität ist es, einfache und kontextuelle Predigten über das Evangelium zu halten, damit die Menschen mehr und mehr von Gottes Liebe und seinen Absichten für ihr Leben verstehen können. Wir wollen neue Generationen von Menschen für das Kirchengemein-schaftsleben erreichen.

Wie gehen Sie mit der Corona-Krise um?

Die Pandemie hat das Leben der Menschen und die Kirche vor neue Herausforderungen gestellt. Es liegt an uns, die Regeln des Lebensschutzes zu beachten. Die Kirche hat kreative Wege gefunden, um den Menschen Worte der Hoffnung zu vermitteln, vor allem über das Internet. Auch in Brasilien haben wir die sozialen Netzwerke intensiv genutzt, um mit den Menschen über ihre Ängste zu sprechen. Wir sind überrascht über das Misstrauen vieler Menschen gegenüber dem Impfstoff hier in Deutschland.

Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Wir hatten geplant, gemeinsam mit der Gemeinde zu feiern, aber leider mussten wir wegen Covid-19 in Quarantäne. Nicht alles geschieht wie erwartet, aber das Wichtigste ist, dass das Geburtstagskind nicht vergessen wird.

Welche Wünsche haben Sie für das neue Jahr?

Wir wünschen uns, dass diese Pandemie ein Ende hat, damit wir Familien- und Kirchentreffen ohne Entfernungsbeschränkungen und ohne Angst vor Ansteckung veranstalten können.

Das Gespräch führte

Werner Reißaus.