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Ländlicher Raum muss gestärkt werden


Autor: Redaktion

LKR Coburg, Donnerstag, 05. Juli 2018

Im Rahmen eines Pressegesprächs hat die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft die Chancen und Herausforderungen des ländlichen Raums in Oberfranken skizziert. "Demografischer Wandel, Fachkräfte...


Im Rahmen eines Pressegesprächs hat die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft die Chancen und Herausforderungen des ländlichen Raums in Oberfranken skizziert. "Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Digitalisierung sind die beherrschenden Themen bei der Diskussion um den ländlichen Raum. Um sie zu meistern, brauchen ländliche Regionen die passenden Rahmenbedingungen. Staat und Politik sind gefordert, ihrem Auftrag nach gleichwertigen Lebensbedingungen nachzukommen und im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge die notwendige Infrastruktur bereitzustellen", forderte Hanns-Peter Ohl, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der vbw-Bezirksgruppe Oberfranken.
Laut vbw zeigt sich bei den Auswirkungen des demografischen Wandels und des damit im Zusammenhang stehenden Fachkräftemangels ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Einigen ländlichen Regionen wird kaum noch ein Bevölkerungswachstum prognostiziert, die Metropolregionen boomen hingegen. "Während in einigen Regionen Oberfrankens bis 2036 ein Bevölkerungsrückgang um mehr als 15 Prozent vorhergesagt wird, stagniert das Wachstum andernorts im gleichen Zeitraum. Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil älterer Menschen in einigen ländlichen Gegenden Oberfrankens teilweise von heute 46 auf dann über 70 Prozent steigen soll. Eine Stadt wie Bamberg wäre von dieser Entwicklung nicht im Ansatz so stark betroffen. Natürlich immer vorausgesetzt, man unternimmt nichts dagegen", erklärte Ohl und fügte hinzu: "Würde diese Prognose so eintreten, hätte das weitere negative Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Fachkräften. Schon heute ist der Fachkräftemangel in Oberfranken spürbar und führt in manchen Unternehmen schon zu Einschränkungen in den Unternehmensprozessen."
Damit der ländliche Raum für Fachkräfte attraktiv bleibt, setzt die vbw darauf, dass der Staat den dringend notwendigen Auf- und Ausbau der Infrastruktur konsequent vorantreibt. "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass der Staat die ihm aus Steuergeldern zur Verfügung stehenden Mittel nicht nur effizient, sondern auch adäquat auf alle Teile Bayerns und Oberfrankens verteilt", betonte Ohl.
Als Folge des demografischen Wandels nehmen verschiedene Formen des Bedarfsverkehrs im ländlichen Raum zu. Vorrangiges Ziel muss laut vbw ein hoher
Flexibilisierungsgrad sein, um auf unterschiedliche Raum- und Nachfragestrukturen reagieren zu können. "Die Lage in Oberfranken ist gut. Es muss aber auch künftig ein engmaschiges Verkehrskonzept aus Schienennetz, Straßen und öffentlichem Nahverkehr geben. Damit werden wir sowohl den Mobilitätswünschen der Bewohner als auch den Anforderungen der Unternehmen gerecht", kommentierte Ohl.
Ein weiterer wichtiger Baustein für eine optimale Anbindung des ländlichen Raums ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. "Dank der seit 2013 laufenden Breitbandoffensive des Freistaats verfügen heute fast 90 Prozent der oberfränkischen Haushalte über schnelles Internet. Es finden sich aber noch weiße Flecken in ländlichen Regionen", erklärte Ohl.


Es gibt hässliche Ecken

Der ländliche Raum hat ein großes Potenzial als Wirtschafts- , Wohn- und Kulturort. So ist Bayern in Deutschland das Tourismusziel Nummer eins. In Oberfranken sind Bamberg mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten und die fränkische Schweiz touristische Highlights. Die Zahl der Übernachtungen hat im Jahr 2017 die Fünf-Millionen-Marke deutlich überschritten. Wohnraum sei auch noch erschwinglich. "Bezahlt man in Bamberg 350 000 Euro und mehr für ein Haus, sind es im Landkreis Hof nur 250 000 Euro", so Ohl. Problematisch sei allerdings die Verfügbarkeit von attraktivem Wohnraum und das Erscheinungsbild mancher Dörfer und Städte. red