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Schräg, wild und abgefahren


Autor: Bayerische Rundschau

, Freitag, 03. Juli 2026

Stadtsteinach veranstaltet im Rahmen des Stadtjubiläums ein Bobbycar-Rennen
Das frisierte Bobbycar der Faschingsgesellschaft in der Schussfahrt.Klaus Rößner


Das Häuschen liegt idyllisch im Wiesengrund an der Hammermühle. Hinten, in einem Nebengebäude, wird eifrig gearbeitet. Dort hat Tim Pöhnlein eine komplette Werkstatt eingerichtet. Der 42-jährige Stadtsteinacher hat Benzin im Blut. Derzeit baut er einen Rennwagen für das Bobby-Car-Rennen, eines der Highlights der Jubiläumsfeier „875 Jahre Stadtsteinach“.

Federführend dafür ist Jens Pöhner. Zusammen mit Tim und Ronald Geier hat er sich vorgenommen, für die Faschingsgesellschaft ein besonderes Bobbycar zu bauen. Das PR-Büro der Stanicher Jecken hat auch schon einen Namen für den Boliden gefunden: „ Luzie“ – das ist die, die tierisch abgeht.

Seit Wochen am Werkeln

Seit sieben Wochen laufen die Arbeiten. Das Projekt ist weit fortgeschritten und lässt unwillkürlich jeden schmunzeln, der den roten Renner das erste Mal sieht. Keck präsentiert er sich auf einer Autohebebühne, und sofort erkennt man, dass das Teil speziell getunt ist. Es verfügt über eine frei tragende Karosserie aus Stahl, den Jens Pöhner in Form gebracht hat. Aber nicht aufs Geratewohl: Zuvor musste eine exakte Konstruktionszeichnung her. So einfach drauflos schrauben – das ist nicht.

Denn das Reglement ist streng. Der Bobby-Car-Sport-Verband ist der Lizenzgeber für offizielle Rennen und bestimmt den Rahmen des Zulässigen. Dazu gehören nicht nur die Maße des Fahrzeugs, sondern auch sein Gewicht: Maximal 40 Kilogramm.

Doch Masse zählt bei den Rennläufen. Je schwerer so ein Wagen ist, desto schneller rauscht er den Berg hinab. Für Antrieb sorgt ausschließlich die Schwerkraft.

Aus diesem Grund haben sich die Konstrukteure einiges einfallen lassen, um ihren Renner zusätzliche Pfunde zu verleihen. Wie sie das anstellen, das verraten sie nicht.

Zubehör für den Boliden

Um das Mini-Auto schnell zu machen, braucht es aber noch mehr. Die Racing-Konstrukteure haben ihm die Reifen eines Sack-Karrens spendiert, mit speziellen Kugellagern. Sie haben einen geringeren Rollwiderstand und werden mit Leichtlauf-Öl geschmiert, um zusätzlichen Speed zu ermöglichen. Bei dem zu erwarteten Mörder-Tempo muss der Racer stabil bleiben. Dafür sorgen massive Komponenten. „Alle beweglichen Teile sind aus Metall“, sagt Jens Pöhner.

An die Front des roten Renners hat er einen fetten Stoßfänger geschraubt, der auch als Beinauflage für den Piloten dient. Und damit die Oberschenkel überhaupt unter das Lenkrad passen, wurde die Lenksäule erhöht. In der nächsten Stufen wollen die „Inschenieure“ den Luftwiderstand des Racers senken. Windschlüpfiger soll er werden.

Tests im Windkanal

Erste Tests im Windkanal verliefen positiv. Zum Einsatz gekommen sind dabei ein starkes Laubgebläse und eine Nebelmaschine, die störende Luftverwirbelungen sichtbar macht. Um den Cw-Wert (Luftwiderstandsbeiwert) zu senken, ist der Unterboden bretteben ausgeführt, Heckdiffusoren bringen Downforce. Und am Ende des Race-Tracks verzögert ein Bremsfallschirm den Boliden – extra geordert aus dem Internet. Die Scuderia San hat eben an alles gedacht. Schon bald soll der Formel-San-Racer fertig sein. Doch zuvor braucht es ausgiebige Tests. Probeläufe an der Alten Pressecker Straße haben bereits stattgefunden, unweit der Firma Turba Forst- und Gartenbedarf. Deren Besitzer, Stefan Turba unterstützt das Projekt nach Kräften und hat der Faschingsgesellschaft zwei Bobbycars der Marke Big spendiert. Sie dienen als Basis für die Prototypen.

Gibt es ein Rennbier?

Weiterer Sponsor ist die Firma Schübel, von der man munkelt, sie arbeite an einem speziellen Rennbier für das Event. Mit von der Partie ist auch die Hausmetzgerei Böttcher und die Dachdeckerei Gehring. Ihre Chefin, Caroline Gehring, ist Jugendsprecherin der Stadt und will in dieser Funktion auch aktiv am Renngeschehen teilnehmen.

Wichtig für den Erfolg sind allerdings nicht nur Geld und Material, sondern auch fähige Rennfahrer. Als Pilot steht Tom Pöhner bereit, der Filius des Chefkonstrukteurs Jens. Tom sucht die Herausforderung und hat Mut. Er liebt alles, was mit Geschwindigkeit zu tun hat, fährt waghalsige Mountain-Bike-Rennen. Von daher ist er gut ausgestattet, bringt das nötige Equipment mit. Dabei handelt es sich zwar nicht um einen feuerfesten Renn-Overall, aber um einen Dress aus stoßfesten Protektoren und einem Rennhelm.

Dem 15-jährigen Tom steht ein zweiter Pilot zur Seite: Marlon Bauer aus Kupferberg. Der ist Tim Pöhnleins Neffe und auch schon ganz heiß auf das Rennen. Moralische Unterstützung für die beiden gibt‘s auch. Sie kommt von der Faschingsgesellschaft, die sogar eine ganze Herde Boxenluder angeheuert hat. Die sind aber keine Mädels, sondern Jungs von der Männergarde in Frauenkostümen.

Vom Erfolg überzeugt

Nach Tests und Warm-up-Läufen gehen die Faschingsfreunde voller Optimismus in die Challenge: Chefkonstrukteur Jens Pöhner: „Wir putzen alle anderen weg.“