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Kampfsport ist sein Leben


Autor: Bayerische Rundschau

, Donnerstag, 20. August 2026

Seit 50 Jahren hat sich Oliver Gack der Selbstverteidigung verschrieben – Heute als Trainer
Das Training mit Oliver Gack ist nicht einfach: Das weiß auch Nachwuchs-Athletin Lilly Hoai.Sonny Adam


Seit einem halben Jahrhundert gehört Selbstverteidigung aller Art zum Leben von Oliver Gack. Der Kulmbacher hat Meistertitel gesammelt, international gekämpft und Generationen von Schülern ausgebildet. Jetzt wird er 60. Ans Aufhören denkt er nicht.

Wenn Gack als Trainer vor seinen Schülern steht, sieht er vermutlich manches, das ihm bekannt vorkommt: den Ehrgeiz, den Willen, eine Technik endlich richtig hinzubekommen. Vielleicht auch die Ungeduld. Denn Gack kennt dieses Gefühl seit seiner Kindheit.

1976 fing alles an. „Ich habe angefangen, weil ich selber geschubst und geärgert worden bin. Ich habe damals im Fernsehen die Kung-Fu-Filme gesehen – und sowas wollte ich machen“, erinnert er sich. Oliver Gack war zehn Jahre alt, als er beim ATS Kulmbach mit Shotokan-Karate begann. Peter Matthis leitete das Training.

Verschiedene Lehrmeister

Gack blieb nicht beim Karate. Er trainierte bei verschiedenen Lehrmeistern, beschäftigte sich mit unterschiedlichen Kampfsportarten und suchte immer wieder nach neuen Herausforderungen. Einer seiner Lehrer war Yasuyuki Fujinaga aus Japan. 1988 kam das Kickboxen hinzu. Später folgten Ju-Jutsu, Bujinkan Ninjutsu und realistische Selbstverteidigung.

Aus dem Jungen, der Karate lernen wollte, wurde ein Wettkämpfer. Und zwar ein erfolgreicher, der niemals genug bekam. „Natürlich habe ich auch mal blaue Flecken abbekommen. Auf blaue Flecken bin ich heute noch stolz“, sagt Gack.

Bereits 1979 stand Gack bei oberfränkischen Meisterschaften auf dem Treppchen. Später folgten Titel und Platzierungen auf deutscher und internationaler Ebene. 1994 wurde er Deutscher Vizemeister im Kickboxen und Austria-Meister. Nach einer längeren Wettkampfpause kehrte er 2011 noch einmal zurück.

Es folgte eine besonders erfolgreiche Phase: Bayerische, deutsche und internationale Titel sowie Europameistertitel in der Masterclass und im Bereich Self Defence. 2013 wurde er in die Nationalmannschaft der IAKSA (International Amateur Kickboxing Sports Association/International All-Style Kampfsport Association) aufgenommen.

2019, da war Gack längst in einem Alter, in dem andere ihre Wettkampfzeit nur noch aus Erzählungen kennen, trat er noch einmal an. Bei der Süddeutschen Meisterschaft holte er in der Masterclass/Self Defence den ersten Platz. Dass die Zeit trotzdem nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist, weiß Gack selbst. In diesem Jahr wird er 60. Im Kopf, sagt er, sei er manchmal noch immer der Wettkämpfer von früher. Nur der Körper spreche inzwischen gelegentlich eine andere Sprache.

Das klingt ein wenig wehmütig. Aber nur ein wenig. Denn das Feuer, das ihn jahrzehntelang in Wettkämpfe getrieben hat, ist noch da. Heute steht nicht mehr der eigene Sieg im Mittelpunkt, heute will Gack sein Wissen weitergeben.

Besonders stolz ist er auf seine Tochter Selina. Sie ist mehrfache Weltmeisterin, Deutsche Meisterin und Bayerische und Sachsen-Meisterin in Selbstverteidigung und im Kickboxen.

Techniken müssen sitzen

Oliver Gack macht seinen Schülern das Training nicht bequem. Techniken werden wiederholt, bis sie sitzen. Er setzt auf saubere Ausbildung statt auf Spielereien. Aktuell trainiert er junge und ältere Menschen in Kulmbach und in Stadtsteinach. Wenn aus Kindern und Jugendlichen schließlich gute Sportler werden, ist das für ihn ein Erfolg, der mindestens ebenso wichtig ist wie ein eigener Pokal. Seine Bilanz als Trainer kann sich sehen lassen. Seine eigene Kampfsportschule betreibt er seit 35 Jahren. 1991 gehörte er zu den ersten, die in Kulmbach Kickboxen und realistische Selbstverteidigung anboten. 2011 wurde seine „All Style Karate & Kickbox Academy Gack“ um ein zweites Dojo erweitert.

Dabei war Kampfsport für ihn über Jahrzehnte nicht etwa ein Beruf, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdiente. Hauptberuflich arbeitete Gack als Metallbauer und Lackierer.

Vom Kämpfer zum Lehrer

Inzwischen trägt er den 8. Dan im All-Style-Karate und im Kickboxen sowie jeweils den 1. Dan im Ju-Jutsu und im Bujinkan Ninjutsu. Über die Jahre übernahm er außerdem zahlreiche Funktionen in Kampfsportverbänden.

Wer 50 Jahre Kampfsport betreibt, könnte seine Geschichte anhand von Pokalen erzählen. Auch die Stadt Kulmbach würdigte seine sportlichen Leistungen mehrfach mit Medaillen. Doch nach fünf Jahrzehnten scheint für Gack etwas anderes wichtiger geworden zu sein als die Frage, welcher Pokal noch in eine Vitrine passt. Kampfsport ist für ihn eine Lebenseinstellung. Disziplin gehört dazu. Respekt. Durchhaltevermögen. Und die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Niederlagen sind kein Grund, aufzuhören. Sie gehören dazu. Genau wie Verletzungen oder Tage, an denen das Training nicht läuft. Zu dieser Haltung gehört für Gack auch, die eigenen Grenzen zu kennen. Selbstverteidigung bedeutet für ihn nicht, seinen Schülern vorzugaukeln, mit der richtigen Technik sei jede Gefahr beherrschbar.

2026 ist für Oliver Gack gleich mehrfach ein besonderes Jahr. Er blickt auf 50 Jahre Kampfsport zurück, betreibt seit 35 Jahren seine eigene Schule und wird 60 Jahre alt. Drei Zahlen, die eigentlich nach Bilanz und Rückblick klingen.

Auch für Ältere geeignet

Bei Gack klingen sie eher nach Zwischenstand. Denn wenn er heute die jungen Wettkämpfer trainiert, ist die Leidenschaft noch immer dabei. „Ich praktiziere nicht nur Kampfsport, ich lebe ihn“, sagt er. An ein Leben ohne Kampfsport verschwendet Gack keinen Gedanken. „Nichts für mich.“ Und auch für Einsteiger im fortgeschrittenen Alter hat er eine klare Botschaft: „Jeder kann Selbstverteidigung lernen.“