Einst ein blühender Supermarkt
Autor: Bayerische Rundschau
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Vor 120 Jahren gab es in Stadtsteinach die „Templa“ – Heute ist der Laden in Vergessenheit geraten
„Wo kauf‘ mer uns heut‘ a Kugel Eis – beim Konditor, bei der Schlemmers Kuni oder bei der Templa?“ Wenn Kinder sich vor vielen, vielen Jahren in Stadtsteinach im Sommer bei brütender Hitze mit ihrem soeben erhaltenen Taschengeld trafen, fragten sie sich gerne angesichts der Auswahl vor Ort. Oft musste noch für die Mutter oder für die Oma Salzheringe aus dem Fass oder Gurken und Sauerkraut mitgebracht werden und so war zumindest eine Kugel selbst gemachtes Eis für „a Zehnerla“ als Lohn inbegriffen.
Der Konditor Michel in der Forstamtstraße existierte noch bis April 2024 und war über 100 Jahre geöffnet, das Geschäft Kuni Schlemmer in der Hammergrundstraße 2 wurde 1986 als Gewerbe abgemeldet, aber wo stand das Geschäft Tempel?
Beliebter Treffpunkt
Von der Kronacher Straße kommend in Richtung Bahnhofstraße, am früheren Wollgeschäft Hümmer (jetzt Metzgerei Schüssler) vorbei, sah man bis 1998 das Haus Kronacher Straße 3, ganz früher die Nummer 64, das im Stadtsteinacher Geschäftsleben eine wichtige Rolle spielte. Nach dem Abriss ist es bei vielen in Vergessenheit geraten, obwohl es doch ein wichtiger Treffpunkt gewesen war, um allerlei Sachen zu kaufen oder neueste Nachrichten zu erfahren.
Im Jahre 1868 erhielten hier Adam Schneider (1821 – 1900), ein Damenschneider und Armenpfleger, und seine Frau Eva die Konzession für ein Krämergeschäft. Deren Tochter Barbara (1856 – 1941), früher umgangssprachlich Babette, heiratete 1878 den Müller Paulus Tempel (1851 – 1915). Im Jahre 1883 übernahmen Paul und Babette Tempel das Geschäft und bauten es zu einer Spezereihandlung aus, wobei die Gewürze und Waren aus den deutschen Kolonien (die bis 1918 bestanden – deshalb auch die Bezeichnung Kolonialwarengeschäft) mit ins Sortiment aufgenommen wurden. Paulus Tempel richtete einen Getreidegroßhandel ein und erwarb 1880 eine Scheune am Torgarten (heute Platz der Sparkasse).
Von ihren sieben Kindern gab der jüngste Sohn Michael (1892 – 1976), ein diplomierter Elektrotechniker auf Drängen der Mutter seine Anstellung bei der Firma AEG auf, um sie zu unterstützen. Er war als junger Witwer in zweiter Ehe mit Margareta Spindler (1899 – 1989) verheiratet.