Ein Leben voller Tatendrang
Autor: Bayerische Rundschau
, Dienstag, 27. Oktober 2026
Auch mit 80 Jahren steht Siegbert Unger noch ganz selbstverständlich in seinem Patersberg-Café
Es gab Zeiten, da saß der kleine Siegbert auf der heimischen Couch, packte sich ein Sofakissen mit beiden Händen und tat so, als hielte er ein echtes Schifferklavier in den Händen. Die Leidenschaft für die Musik war geweckt, und mit zehn Jahren durfte er endlich richtiges Akkordeon lernen. Es sollte der Anfang einer lebenslangen Melodie werden. In diesen Tagen feierte Siegbert Unger seinen 80. Geburtstag. Zahlreiche Weggefährten, Freunde und Verwandte aus ganz Deutschland reisten an, um den Jubilar mit Gedichten und Gstanzln zu ehren.
Zwei Tage nach dem großen Fest sitzt Siegbert Unger in seinem Patersberg-Café. Hier ist er in seinem Element. Wer mit ihm spricht, spürt sofort die Zufriedenheit eines Mannes, der auf ein bewegtes und erfülltes Leben zurückblickt.
Schon sein Geburtsort Steinenhausen entlockt ihm ein Schmunzeln: „Das ist ein Punkt, den ich auf jeder Wetterkarte wiederfinde – am Mainzusammenfluss, im Mittelpunkt Europas.“ Seine Eltern stammten ursprünglich aus Schlesien. Siegbert selbst wuchs in Proß auf, bis er 15 Jahre alt war und die Familie nach Katschenreuth zog, wo der Vater ein Haus baute.
Die Liebe hat ihn schließlich nach Veitlahm geführt. Seine Frau Gisela lernte er schon in der Berufsschule kennen, und an Silvester 1966 heirateten die beiden – mitten in Siegberts Bundeswehrzeit. Mit 23 Jahren baute er schließlich 1968 selbst in Veitlahm ein Haus und fand dort seine Heimat. Vor seinen Geburtstagsgästen fand er auch nach all den Jahrzehnten rührende Worte für seine Lebensgefährtin: „Sie ist meine Sonne.“ Die Familie stand für den Dreifach-Vater stets an erster Stelle; die Kinder waren früher immer und überall mit dabei. Die Schulzeit an der Waldorfschule habe den Nachwuchs stark geprägt, den Eltern war die Erziehung zur Eigenständigkeit ein Herzensanliegen. Sein Credo dabei: „Es gibt nichts, was nicht geht.“ Heute freuen sich die Ungers über neun Enkel und den vierten Urenkel, der gerade unterwegs ist.
Vier ist seine Zahl
Blickt man auf seinen Lebenslauf, fällt ein erstaunliches Muster auf: Die Zahl Vier zog sich wie ein roter Faden durch Ungers Jahrzehnte. Die Schulzeit dauerte acht Jahre (zwei mal vier), die Lehre als Starkstromelektriker in der Spinnerei vier Jahre. Ebenso vier Jahre diente er ab 1965 bei der Bundeswehr in Mittenwald – eine Zeit, die er genoss und in der er viel lernte. Es folgten vier Monate zurück in der Spinnerei und danach vier Jahre als Fahrzeugbauer bei der Firma Hofmann in Wacholder. Später arbeitete er vier Jahre lang auf Empfehlung eines Pfarrers in Fassoldshof mit schwer erziehbaren Jugendlichen.