Drama statt WM-Märchen
Autor: Bayerische Rundschau
, Dienstag, 30. Juni 2026
Public Viewing auf dem Marktplatz: Fans erlebten einen Fußball-Krimi.
Es hätte eine Sensation werden können. Doch nach 120 Minuten war es aus. Deutschland schied mitten in der Nacht, um 1.30 Uhr morgens, aus. Die deutschen Fans ließen den Kopf hängen, gingen nach Hause. Denn alle müssen am Dienstag arbeiten oder in die Schule. Trotzdem war das, was sie gemeinsam in dieser Montagnacht erlebt hatten, unglaublich. Hoffen, Bangen, Bibbern, Freude - und das Ganze mit Verlängerung und Elfmeterschießen.
Zitterpartie auf Marktplatz
Paraguay duellierte sich schon in der Vergangenheit mit Deutschland. Damals - am 15. Juni 2002 - ein Deutschland im Achtelfinale als Sieger aus dem Achtelfinale. Bei einem erneuten Zusammentreffen bei einem Freundschaftsspiel 2013 kam es zu einem Unentschieden. Und jetzt hat Paraguay die deutsche Fußballnation besiegt. Der Underdog hat es geschafft.
Allerdings war es eine einzige Zitterpartie, die die vielen Fans, die zum Public Viewing auf den Marktplatz gekommen waren, erlebt hatten. Denn kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit erzielte Julio Enciso für die Südamerikaner den Führungstreffer. Verzweiflung machte sich breit.
„Nach der Halbzeit - wird’s schon!“, prosteten sich die Kulmbacher Fans zu und holten sich noch ein Bier. Einige Youngsters stießen mit dem Likör „Ficken“ an, den sie verbotenerweise von zu Hause mitgebracht hatte. Und weil der sich in einer Flasche befand, wurden sie vom Ordner ermahnt. Denn Glasflaschen sind beim öffentlichen Schauen nicht erlaubt. So stiegen sie auf Bier im Becher um. Und weiter ging’s.
Die älteren Zuschauer falteten die Hände. In der Pause checkten die Zuschauer, ob das Handy vielleicht eine positivere Nachricht hätte. Doch auch das Internet gab dieselbe Auskunft.
Hoffnung in der Halbzeit
Nach der Halbzeitpause dreht sich erst mal nichts. Deutschland spielte einen ruhigen Fußball. Zu ruhig. Immer wieder werden gefährliche Chancen früh erkannt, weil sie offensichtlich sind - und abgeblockt. Manche Fans lassen den Kopf hängen. Denn die Abwehrmauer der Südamerikaner ist fest. Zu fest. Und in der 51. Minute hätte Paraguay um ein Haar noch weiter in Führung gehen können. Doch das war zu viel für die deutsche Elf. Endlich kamen die Jungs aus sich heraus. Und Kai Havertz versenkte in der 54. Minute ein Tor für Deutschland.
Der Marktplatz jubelte. Männer lagen sich in den Armen. Fahnen wurden geschwenkt. Endlich lachten die Fans, die sich die Nacht um die Ohren schlugen, wieder. Endlich wieder gute Stimmung. Die klatschenden Hände röhrten. Bei jeder gefährlichen Situation sprangen die Fans auf. Deniz Undav, der bisherige Held der WM und Jamal Musiala wurden eingewechselt. Und Paraguay bekam die erste gelbe Karte.