Druckartikel: Dorferneuerung braucht Zeit

Dorferneuerung braucht Zeit


Autor: Bayerische Rundschau

, Freitag, 25. Sept. 2026

Bürgerbeteiligung ist die Grundlage für die Entwicklung von Schwarzach, Schmeilsdorf und Ziegelhütte
Erste Bürger tragen sich in die Seminarliste ein. Uschi Prawitz


Schwarzach, Schmeilsdorf und Ziegelhütte sollen fit für die Zukunft gemacht werden. Wie eine umfassende Dorferneuerung abläuft und welche Rolle dabei die Menschen vor Ort spielen, erläuterte Yannick Friedl vom Amt für Ländliche Entwicklung bei der Bürgerversammlung in Schwarzach. Dabei wurde deutlich: Der Prozess wird Jahre dauern – und ohne aktive Bürgerbeteiligung geht es nicht.

Die Mehrzweckhalle in Schwarzach war gut gefüllt, als Bürgermeister Robert Bosch (CSU) zur Bürgerversammlung begrüßte. Im Mittelpunkt stand zunächst ein Thema, das die drei Ortsteile Schwarzach, Schmeilsdorf und Ziegelhütte über lange Zeit beschäftigen dürfte: die geplante Dorferneuerung. Dass viele Dörfer vor ähnlichen Herausforderungen stehen, machte Yannick Friedl vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) deutlich. Leerstände in den Ortskernen, enge Straßen oder Hochwassergefahren gehören ebenso dazu wie fehlende Radwege, die Anbindung an Freizeit- und Freiräume, Nachverdichtung, Biodiversität und die Frage, wie Ortskerne wiederbelebt werden können. Dorferneuerung beschränke sich deshalb längst nicht auf Straßen und Plätze. Ziel sei eine ganzheitliche Entwicklung, die Lebensqualität steigert und zugleich die wirtschaftliche Stabilität eines Ortes stärkt.

Dabei können bauliche und ökologische ebenso wie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Maßnahmen eine Rolle spielen – von der Gestaltung von Straßen und Plätzen über die Umnutzung leerstehender Gebäude und die Verbesserung der Nahversorgung bis hin zu Gemeinschaftseinrichtungen oder der Aufwertung von Grün- und Freiflächen. Welche Schwerpunkte in Schwarzach, Schmeilsdorf und Ziegelhütte tatsächlich gesetzt werden, soll jedoch nicht am Schreibtisch entschieden werden.

Bürger sollen mitgestalten

„Die Bürger kennen die Probleme vor Ort“, betonte Friedl. Ihre Beteiligung sei eine zentrale Voraussetzung für das Verfahren. Fehle diese, könne sogar die Einleitung einer Dorferneuerung gestoppt werden.

Den Auftakt bildet ein Seminar am 6. und 7. November an der Schule für Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim. Bis zu 25 Bürger aus dem Dorferneuerungsgebiet können daran teilnehmen und anschließend als Multiplikatoren wirken. Interessierte können sich bis zum 2. Oktober im Rathaus Mainleus anmelden. Die Teilnahme einschließlich Übernachtung ist kostenlos.

Außerdem können die Bewohner bereits jetzt ihre Ideen einbringen. Bis 15. Oktober steht unter www.lena.bayern/schwarzach der Online-Fragebogen „LE.NA“ bereit. Alternativ ist er auch in Papierform im Rathaus erhältlich. Bosch rief die Bürger zur Teilnahme auf: „Ich denke, wir haben beste Voraussetzungen in Schwarzach für eine Dorferneuerung.“

Ein Prozess über viele Jahre

Schnelle Ergebnisse seien nicht zu erwarten, erklärte Friedl. Eine Dorferneuerung könne zehn Jahre oder länger dauern. Bereits die Vorbereitungsphase werde voraussichtlich ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit sollen Bürger, Gemeinde und ein Planungsbüro gemeinsam einen Maßnahmenplan erarbeiten. Danach entscheidet das ALE über die formelle Einleitung des Verfahrens.

Bosch sieht die lange Dauer nicht als Nachteil. Die Dorferneuerung eröffne vielmehr zusätzliche Chancen. Friedl sprach von durchschnittlich 50 Prozent Förderung, wobei die tatsächlichen Fördersätze von verschiedenen Faktoren abhängen. Auch private Maßnahmen können förderfähig sein. Welche Projekte letztlich umgesetzt werden, steht jedoch noch nicht fest. So gibt es für die gemeindeeigene Alte Färberei in Schwarzach derzeit keine konkreten Pläne.

Tempo 30, Ärzte, Radwege

Im zweiten Teil der Versammlung kamen weitere Themen zur Sprache. Gute Nachrichten gab es zur Kreisstraße durch Schwarzach und Schmeilsdorf: Die Gemeinde habe Tempo 30 beantragt und ein positives Signal der Verkehrsbehörde erhalten. Auch bei einer geplanten Straßensanierung am Kohlet dränge die Gemeinde darauf, die Sicherheit von Fußgängern zu verbessern.

Sorge bereitet mehreren Bürgern die ärztliche Versorgung. Zwei Praxen im Gemeindegebiet werden schließen. Für eine werde aktiv ein Nachfolger gesucht, berichtete Bosch.

Weitere Fragen betrafen das Sturzflutmanagement, Schlaglöcher, Parksituationen, Schattenflächen beim Mainleuser Stift sowie das Freibad. Auch die Radwegeplanung wurde angesprochen. Die gemeindlichen Planungen seien bereits weit fortgeschritten, inzwischen liege jedoch auch ein Radwegekonzept des Landkreises vor.

Konkreter werden die Pläne für die Kletterhalle. Die Bauarbeiten sollen laut Bosch in den kommenden Wochen beginnen. Die Eröffnung ist Ende 2028 vorgesehen.