Der Immobilienmarkt ist im Wandel
Autor: Bayerische Rundschau
, Freitag, 03. Juli 2026
Wie Experten die Situation in der Region Kulmbach einschätzen
Der Wohnimmobilienmarkt in Bayern und Deutschland hat sich nach dem Ende der Niedrigzinsphase spürbar verändert. Nach Jahren stark steigender Preise und dem anschließenden Zinsanstieg bewegt sich der Markt inzwischen auf ein neues Gleichgewicht zu – allerdings auf einem weiterhin hohen Preis- und Zinsniveau. Das wurde auch im Pressegespräch der Sparkasse Kulmbach-Kronach deutlich. Neben dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse , Steffen Potstada, und Vorstandsmitglied Sandra Wehrend nahm auch Marion Mai, Vorstandsmitglied der LBS Süd, an der Einordnung der aktuellen Entwicklungen teil.
Auf dem bayerischen Immobilienmarkt zeigen sich inzwischen wieder stabilere Tendenzen. Die Immobilientransaktionen beliefen sich 2025 auf rund 54,4 Milliarden Euro – deutlich weniger als noch 2021 mit 72,0 Milliarden Euro, aber zugleich ein Zeichen der Normalisierung nach der Zinswende. Auch die Bauzinsen haben sich zuletzt beruhigt. Aktuell liegen sie bei rund 3,93 Prozent.
Progose der LBS Süd
Für die kommenden Jahre erwartet die LBS Süd keine größeren Ausschläge mehr. „Wir sehen derzeit eher ein Einpendeln auf diesem Niveau, größere Ausschläge nach oben oder unten sind aktuell nicht wahrscheinlich“, sagt Marion Mai.
Gleichzeitig bleibe der strukturelle Druck auf dem Wohnungsmarkt hoch. Bis 2044 werde für Bayern ein Bevölkerungszuwachs von rund 278.000 Menschen erwartet – verbunden mit einem deutlich steigenden Bedarf an Wohnraum. „Der Bedarf an Wohnraum wächst unabhängig von kurzfristigen Marktbewegungen weiter“, so Mai.
Ein langfristiger Trend verstärkt diese Entwicklung zusätzlich: der steigende Wohnflächenverbrauch pro Kopf. Während 1991 noch rund 35 Quadratmeter pro Person genutzt wurden, seien es heute etwa 50 Quadratmeter. Einpersonenhaushalte lägen im Schnitt sogar bei rund 75 Quadratmetern. „Der Bedarf an Wohnfläche ist deutlich gestiegen – und das verändert den gesamten Markt nachhaltig“, erklärt Mai.
Damit werde deutlich, dass nicht nur die Bevölkerungsentwicklung, sondern auch veränderte Lebensstile den Wohnraumbedarf weiter erhöhen.
Zu wenig Neubauten
Trotz einer leichten Belebung im Neubau reiche die Bautätigkeit weiterhin nicht aus, um den Bedarf zu decken. 2025 wurden in Bayern rund 54.000 Baugenehmigungen erteilt, notwendig wären nach Einschätzung der LBS etwa 70.000 Wohnungen pro Jahr. Die Fertigstellungen lagen mit rund 46.000 Einheiten noch darunter.