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Bürger planen Altstadt mit


Autor: Bayerische Rundschau

, Freitag, 17. Juli 2026

Beim Ortsrundgang mit OB und Stadtrat wurden Ideen für die Kulmbacher Innenstadt gesammelt
Am Röhrenplatz begann der Planungsspaziergang durch die Altstadt.Sonny Adam


Im Jahr 2035 feiert Kulmbach sein 1000-jähriges Bestehen. Bis dahin soll sich die Altstadt in neuem Glanz präsentieren. Aus diesem Grund lud Kulmbachs neuer Oberbürgermeister Ralf Hartnack alle, die Interesse an der Innenstadtentwicklung haben, zu einem sogenannten „Planungsspaziergang“ ein. „Kulmbach hat eine schöne Innenstadt , die besondere Beachtung verdient“, sagt Hartnack.

Der Andrang wra riesig. Viele wollten beim Rundgang dabei sein. Neben den Bürgern spazierten auch Stadtplaner Valentin Kirchner, Vertreter des Büros Planwerk Stadtentwicklung und des BFS+ aus Bamberg, einem Büro für Städtebau und Bauleitplanung im ländlichen Raum, mit. Die am häufigsten gestellte Frage des Abends war: Wie fühlen Sie sich an diesem Platz? Was soll daraus werden?

60 Kulmbacher liefen mit

Mehr als 60 Kulmbacher brachten sich mit Ideen, Anregungen und Diskussionsbeiträgen ein. Aus den geplanten zwei Stunden wurde mehr.

Ziel des Rundgangs sei es, die Erfahrungen der Menschen aufzunehmen, die täglich in der Altstadt leben oder sie regelmäßig besuchen. Die Anregungen sollen in die weiteren Planungen für das Sanierungsgebiet einfließen, erläuterte Kulmbachs neuer Oberbürgermeister.

Röhrenplatz im Mittelpunkt

Bereits an der ersten Station entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Viele Teilnehmer waren sich einig, dass der Röhrenplatz deutlich mehr Aufenthaltsqualität erhalten müsse. Der historische Brunnen aus dem 19. Jahrhundert, gefertigt aus Gusseisen, werde meist von parkenden Fahrzeugen verstellt und komme kaum zur Geltung. Einige forderten, dass die Parkplätze in diesem Bereich abgeschafft werden sollten. Denn der Platz habe keine Aufenthaltsqualität.

Kontrovers wurde über den Gebäudebestand diskutiert. Während einige Teilnehmer möglichst alle historischen Häuser erhalten möchten, stellten andere die Frage, ob tatsächlich jedes Gebäude dauerhaft bestehen bleiben müsse.

In jedem Fall hängen die Kulmbacher an dem einstigen Gasthaus am Röhrenplatz. Es ist in der Liste der Baudenkmäler verzeichnet. Auch wenn sich dort möglicherweise kein Wirtshaus mehr etablieren lasse, so können das Gebäude, das im Sanierungsgebiet liegen würde, restauriert werden. Darüber waren sich Planer und Teilnehmer einig.

Ein Thema war die Plassenburg . Mehrere Teilnehmer kritisierten beim Weg Richtung Amtsgericht, dass die Festung inzwischen stark eingewachsen sei und dadurch ihre Fernwirkung verliere. Es wurde an frühere Streuobstwiesen unterhalb der Burg erinnert, die den Blick deutlich offener gestaltet hatten.

Auch das Umfeld des Amtsgerichts und die Kohlenbachstraße geriet in den Fokus. Während das historische Gebäude selbst viel Lob erhielt, wurde der Platz dahinter von vielen als wenig einladend beschrieben. Die Garagen, das Mehrfamilienhaus , das viel zu hoch geraten ist – vieles kam bei der Bevölkerung nicht gut an. Denn in diesem Bereich verfallen Häuser. Gleichzeitig machten mehrere Bürger deutlich, dass trotz aller Aufwertung ausreichende Parkmöglichkeiten in der Innenstadt erhalten bleiben müssten.

Zwischen Charme und Sanierungsbedarf

Besonders intensiv diskutiert wurden die kleinen Gassen der Altstadt . Manche bezeichneten einzelne Bereiche sogar als „Schandfleck“ und beklagten Müll, ungepflegte Grundstücke sowie fehlende Reinigung. Leerstehende Gebäude und verwilderte Grundstücke verstärkten diesen Eindruck.

Andere Teilnehmer warben jedoch dafür, gerade den besonderen Charakter der schmalen Gässchen nicht zu verlieren. Die kleinen Häuser besäßen durchaus einen eigenen Charme und erinnerten eher an französische Altstädte als an eine fränkische Kreisstadt. Doch beim weiteren Weg Richtung Obere Schule hinkte dieser Vergleich. Anwohner berichteten, dass ungepflegte Häuser Ungeziefer anziehen würden.

Bolzplatz überzeugt nicht

Bei der Oberen Schule rückte der Bolzplatz am Weiherdamm in den Mittelpunkt. Mehrere Teilnehmer bemängelten, dass die asphaltierte Fläche kaum angenommen werde. Gewünscht wurden mehr Grün, zusätzliche Spielangebote sowie eine andere Anordnung der Tore, um den Platz attraktiver zu gestalten.

Auch über die Gestaltung der Wege wurde gesprochen. Während viele Fußgänger und Radfahrer das ebene Pflaster als angenehm empfanden, wiesen Fachleute darauf hin, dass die Gestaltung an manchen Stellen „langweilig“ wirke.

Petrikirche hofft auf eine Neugestaltung des Platzes

Vor der Petrikirche brachte Pfarrer Ulrich Winkler seine Vorstellungen für den Platz ein. Er sprach sich für eine grundlegende Neugestaltung mit einem neuen Pflaster aus und sieht Möglichkeiten, über den Nordeingang einen barrierefreien Zugang zur Kirche zu schaffen. Gleichzeitig könne der Platz insgesamt stärker belebt werden. Für Vorschläge, dass nur ein Teil des Pflasters bei der Petrikirche ausgetauscht werden könnte, konnte sich der Pfarrer nicht erwärmen.

Beim Austausch im Oberhacken standen praktische Fragen im Vordergrund. Gewünscht wurden öffentliche Toiletten, mehr Fahrradabstellplätze, Sitzgelegenheiten sowie mehr Grün und Trinkbrunnen. Diskutiert wurden außerdem die Parkplatzsituation und eine mögliche Freilegung des Kohlenbachs.

Am Bauamt diskutierten die Planer über Gastronomie in der Oberen Stadt, über die Grünausstattung und auch über das Einkaufsverhalten und Leerstände . „Ich kann es auch nicht verstehen, dass manche auf ihren hohen Mietvorstellungen beharren, weil so eine Immobilie dann ja nicht nur nichts einnimmt, sondern auch noch Geld kostet“, sagte Hartnack. Doch er habe bereits mit den Händlern ein Gespräch geführt und Möglichkeiten erörtert, auch in Kulmbach wieder einen Erlebniseinkauf möglich zu machen. Am Ende blieb eine Erkenntnis: Nur gemeinsam lasse sich etwas bewegen.