Wenn der Freistaat nach Ostern anhand einzelner Landkreise prüft, ob bei den Maßnahmen gegen Corona andere Maßstäbe als der jeweilige Inzidenzwert sinnvoll sind, soll der Landkreis Kulmbach ganz vorne mit dabei sein. Das fordert der Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig (FW), der nach Rücksprache mit Landrat Klaus Peter Söllner bereits eine entsprechene Bewerbung an die Staatsregierung gerichtet hat.

Hintergrund ist die Tatsache dass das bayerische Kabinett nach der jüngsten Bund-Länder-Konferenz den bereits vor mehreren Wochen von den Freien Wählern eingereichten Vorschlag aufgegriffen hat, nach den Osterfeiertagen die Anti- Corona-Maßnahmen nicht mehr allein am Inzidenzwert auszurichten. Vielmehr wollen die Freien Wähler auch Aspekte wie die Belegung der Intensivstationen, die Todesrate und Impfquoten einfließen lassen.

Getestet werden soll dies, indem sich Landkreise aus allen bayerischen Regionen als Testmodell dieser Neuausrichtung stellen, wobei Kreise mit einem aktuell höheren Inzidenzwert favorisiert sind. Im Landkreis Kulmbach liegt dieser bayernweit mit an der Spitze.

Ludwig: " Ich habe daraufhin sofort reagiert und noch in der Fraktionssitzung den Landkreis Kulmbach exemplarisch (mit Inzidenz weit über 200) als Test-Region vorgeschlagen und um Berücksichtigung gebeten", so der Kulmbacher Abgeordnete. Und: "Ich gehe davon aus, dass wir wohl die schnellste und damit erste Bewerbung eingereicht haben!"

"Tagesticket" als Herzstück

Als Vorbild dient dabei Tübingen, wo man seit Mitte März neue Wege im Umgang mit der Corona-Pandemie geht. Mit der breiten Verfügbarkeit von relativ einfach durchzuführenden Schnelltests eröffnen sich nun neue Möglichkeiten für Öffnungen - und das unter der Bedingung, dass dabei keine unverantwortlichen Risiken eingegangen werden müssen, so Ludwig.

Herzstück des Projektes ist ein "Tagesticket" als Beleg für einen negativen Corona-Schnelltest. An diesem Tag kann man in Tübingens Geschäften einkaufen, die Außengastronomie nutzen und Theater oder Kinos besuchen. Für den nächsten Tag braucht es einen neuen Test. 4800 wurden an den ersten Tagen genommen. Positiv waren drei. Die Stadt, aber auch das Land Baden-Württemberg erhoffen sich - neben dem Aufspüren von symptomfreien Infizierten - vor allem Erkenntnisse, ob unter strengen Bedingungen Öffnungen möglich sind, ohne dass die Infektionszahlen explodieren.

Ludwig: "Das Vorbild Tübingen könnte und sollte Schule machen, um das öffentliche Leben wieder hochfahren zu können um nicht im ,ewigen' Lockdown verbleiben zu müssen - mit desaströsen Auswirkungen für Gesellschaft und Wirtschaft. Gemeinsam unterstützen wir gerne diese Initiative, welche für den Landkreis Kulmbach einen besonderen Erfahrungs- und Mehrwert bietet." Positive Entwicklungen beim Infektionsgeschehen, in der gesamten Versorgungssituation und im Impffortschritt müssten sich auch in mehr Öffnungen widerspiegeln. "Diese Initiative sollte motivierend auf die gesamte Region wirken und den Menschen Zuversicht für baldige Öffnungsperspektiven geben", so der Abgeordnete. red