Kronach  —  Ein Schul-Mittagessen, das allen schmeckt, gesund und nachhaltig ist, stellt eine große Herausforderung dar. Wertvolle Unterstützung erhält die Lucas-Cranach-Schule dabei seit Januar dieses Jahres durch das "Coaching Kita- und Schulverpflegung" des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Gemeinsam mit fünf Kitas aus der Region Oberfranken macht sich die Kronacher Grundschule auf den Weg, ihre Mittagsverpflegung zu verbessern. Fachlich begleitet wird sie von der Regionalen Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Oberfranken am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth mit der Ansprechpartnerin Susanne Dobelke. Schulverpflegungs-Coach vor Ort ist die Ernährungsfachfrau Edith Wagner aus Mainleus.

"Im Fokus des Coachings steht die Etablierung einer gesundheitsförderlichen, wertgeschätzten, nachhaltigen und ökonomischen Mittagsverpflegung", betont Schulleiterin Carmen Nüchterlein. Die Rektorin gehört dem Essensgremium ihrer Schule ebenso an wie die Verpflegungsbeauftragten Carina Jakob (Klassenleitung 1. Klasse) und Dorothea Martin ( Fachlehrerin Werken/Gestalten), die Ganztagesklassen-Koordinatorin Doris Schmidt-Murdoch sowie Ursula Riegel, die für die Essensausgabe verantwortlich zeichnet. Hinzu kommen Elternbeirätin Kerstin Deuerling, Jörg Schnappauf seitens der Stadt Kronach - als Sachaufwandsträger - sowie die Caterer "DIE Aus.Zeit Fränkische Küche" und das Schützenhaus Kronach . Die Grundschule hatte sich im Frühjahr 2020 - damals noch mit anderen Essenslieferern - um die Teilnahme am Coaching beworben und war als einzige Schule in Oberfranken hierfür ausgewählt worden.

In vier Schichten

"Eine gesunde Ernährung nimmt an unserer Schule seit jeher eine wichtige Rolle ein", betont Doris Schmidt-Murdoch. Von den rund 470 Schülern , die die Lucas-Cranach-Schule besuchen, sind 100 Kinder im gebundenen Ganztag, was die Teilnahme am Mittagessen einschließt. Auch 80 Schüler des offenen Ganztags nehmen an der Mittagsverpflegung teil. Das von zwei verschiedenen Caterern angelieferte Essen wird regulär in vier Schichten eingenommen. Aktuell greifen hier zusätzlich die Hygiene- und Abstandsmaßgaben der Pandemie, so dass derzeit beispielweise keine Klassenmischungen bei der Essensausgabe erfolgen dürfen. Beim Coaching sollen sowohl die Ausgabesituation als auch das Speisenangebot betrachtet werden.

Ein Mittagessen für 3,60 Euro

Bei der Mittagsverpflegung allen Ansprüchen gerecht zu werden, sei - so der einhellige Tenor - nicht einfach. So finden sich beispielsweise unter den Mittagessern Vegetarier , Allergiker sowie Kinder anderer Kulturkreise mit anderen Essgewohnheiten. Auch der Elternwunsch werde berücksichtigt. Die Eltern können über den Internet-Dienstleister "Kitafino" die Speisepläne einsehen und bestellen. Auch die Abrechnung erfolgt online. Ein großer Vorteil des elektronischen Verfahrens ist auch die bargeldlose Abwicklung, wodurch die Kinder vor Ort lediglich einen Chip benötigen. Aktuell kostet ein Mittagessen 3,60 Euro.

Mehr als nur Sättigung

Einig sind sich die Akteure darin, dass Essen mehr als eine Sättigung von Hunger ist. Ein gemeinsames Mittagessen fördere die Kommunikation und das soziale Miteinander. Auch eine angenehme Atmosphäre des Umfelds sei dabei wichtig. "Essen ist ein Kulturgut", verdeutlicht Dorothea Martin. Leider werde das Essen heute allzu oft nebenbei - zum Beispiel beim Fernsehschauen - eingenommen. Allgemein wolle man ein größeres Bewusstsein für die Wertigkeit der Lebensmittel schaffen und Vorbild für das spätere Ernährungsverhalten der Kinder sein.

Kostenlos ergänzt wird die Schulverpflegung seit vielen Jahren durch die Teilnahme der Schule am Europäischen Schulfruchtprogramm. Jeden Mittwoch wird dabei die Schule mit frischem Obst sowie Milchprodukten wie Käse und Joghurt in Bioqualität beliefert. "Die Kinder langen ordentlich zu. Vor allem das Obst ist immer gleich weg", freut sich die Schulleiterin . Dankenswerterweise sponsere der Elternbeirat alljährlich für die Erstklässler einen Becher mit dem Erkennungszeichen der Schule , die Lucas-Cranach-Schlange, aus dem die Milchprodukte noch besser schmeckten. "Wir sind mit unseren Caterern auf dem richtigen Weg", zeigt sich die Rektorin sicher. Da Verbesserungen jedoch immer möglich seien, habe man sich für das Coaching beworben - mit der Zielsetzung saisonaler, nachhaltiger, biologischer und regionaler Speisen. In der Online-Auftaktveranstaltung im Januar ging es um die nachhaltige Gestaltung des Essens. Gemeinsam diskutierten die Coaching-Teilnehmer aus ganz Oberfranken, welche Möglichkeiten bei der Speisenplanung, beim Einkauf in der Region und bei der Vermeidung von Lebensmittelresten beschritten werden können.

Den fachlichen Rahmen für diese und alle weiteren Veranstaltungen spannen die Bayerischen Leitlinien Kita- bzw. Schulverpflegung auf. Im nächsten Schritt konkretisierten die Einrichtungen ihre Zielsetzungen zusammen mit ihrem Coach, bevor im Februar-Workshop "Speisenplan-Check" - wiederum online - die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betrachtet wurden.

Fachliche Begleitung

Da es für die Verbesserungen der Mittagsverpflegung kein Patentrezept gibt, werden die Einrichtungen bis in den Sommer von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Oberfranken fachlich begleitet. Bei fünf Einzelterminen mit dem Coach in den Monaten März bis Juni werden die individuellen Gegebenheiten erfasst und die Wünsche möglichst aller an der Verpflegung Beteiligten berücksichtigt. Im Juli findet die Abschlussveranstaltung mit Urkunden-Verleihung statt.