Das Coronavirus hat Deutschland und die Bergmannskapelle Stockheim nach wie vor fest im Griff. Dies betrifft ebenso alle Kulturträger. Die Stockheimer Musikanten , die 2020 auf ihr 100-jähriges Bestehen hätten zurückblicken können, trifft die Pandemie besonders schlimm. So ist das vom 7. bis 9. Mai 2021 vorgesehene Bundesbezirksmusikfest (BBMF) erneut abgesagt worden. Für den 230 Mitglieder zählenden Kulturträger unter der Leitung von Thomas Neubauer ist dies ein herber Rückschlag, zumal seit fast zwei Jahren intensiv auf dieses Highlight hingearbeitet wurde.

Gerade in Bezug auf solche Großveranstaltungen mit annähernd 2000 Musikern haben die Stockheimer eine Menge Erfahrung. 1960, 1970, 1980 und 1995 fanden in der Bergwerksgemeinde Bundesbezirksmusikfeste statt, und zwar stets mit einer beachtlichen Resonanz.

Keine Ersatztermin mehr

Vorsitzender Thomas Neubauer gab dazu folgende Erklärung ab: "Fast zwei Jahre lang hatten wir unser Bundesbezirksmusikfest geplant, das eigentlich schon im Mai 2020 stattfinden sollte. Viele örtliche Vereine waren beteiligt, Musikvereine aus ganz Oberfranken und darüber hinaus hatten sich für unser Jubiläum angemeldet. Nach der ersten coronabedingten Absage im April 2020 ließen wir den Kopf nicht hängen, planten um, machten ein virtuelles BBMF 2020 möglich und konnten wenige Wochen später einen Ersatztermin nennen, und zwar vom 7. bis 9. Mai 2021. Wir setzten alle Hoffnungen auf unser Nachholfest, freuten uns darauf, nach einer langen Zeit des Verzichts und des Abstands all unsere Musikfreunde aus nah und fern wieder zu sehen und zu hören. Doch die jetzige Situation lässt es leider nicht zu, im Mai ein Bundesbezirksmusikfest durchzuführen. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt Kronach haben sich die Vorstandschaft und der Festausschuss der Bergmannskapelle Stockheim dazu entschlossen, das Bundesbezirksmusikfest vom 7. bis 9. Mai 2021 ersatzlos abzusagen. Unser Jubiläumskonzert mit Festkommers werden wir zu gegebener Zeit nachholen."

Diese erneute Absage wird allgemein bedauert, denn "die Musikanten im Bergmannskleid sind eine Bereicherung für die musikalische Szene", so anerkennend die Musikfreunde sowie Bürgermeister Rainer Detsch .

50 begeisterte Aktive

Und in der Tat: Mit ihrer nun über 100-jährigen Geschichte ist die Bergmannskapelle ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Großgemeinde Stockheim , im Landkreis Kronach und schließlich im Nordbayerischen Musikbund. Aktuell besteht das Orchester aus fünfzig musikbegeisterten Aktiven. Als ein Meilenstein für die zukünftige Entwicklung erwies sich 1952 das erste Musikfest, an dem dreizehn Kapellen teilnahmen. Mit der Wahl von Hans Welscher zum ersten Vorsitzenden hatten die Musiker 1955 einen guten Griff getan. Bis 1972 hatte er dieses Ehrenamt ununterbrochen inne. Die Bemühungen von Welscher, das Leistungsniveau zu heben und eine einheitliche Kleidung anzuschaffen, waren von Erfolg gekrönt. Diese Bestrebungen wurden sowohl von dem damaligen Direktor des Bergwerks, Rudolf Strak, als auch von der Gemeinde Stockheim unterstützt, so dass die Kapelle 1956 mit dem Bergmannsrock eingekleidet wurde und seither als Bergmannskapelle das kulturelle Leben bereichert.

"Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!" Nach diesem Motto haben die Verantwortlichen stets gehandelt. Und von der intensiven Nachwuchsarbeit nach 1961 profitiert der Verein auch heute noch. Damals bahnte sich eine musikalische Erfolgsgeschichte an, die europaweit für Schlagzeilen sorgte. Obermusikmeister a. D. Alfons Pohl aus Weißenbrunn - er übernahm 1958 die musikalische Leitung - eilte mit der Kapelle von Erfolg zu Erfolg . Dank der Initiative von Vorsitzendem Hans Welscher verlief die Nachwuchswerbung so erfolgreich , so dass schon 1961 die Erste Europäische Bergmannsjugendkapelle ins Leben gerufen werden konnte.

Die sich später ergebende Verbindung zu Oskar Braun aus Amberg führte aus Anlass des ersten Deutschen Knappentags zum 14-tägigen Besuch in Westfalen . 1965 unternahmen die Jungmusiker eine Reise nach Frankreich und Luxemburg. Konzerte im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken, vom Saarländischen Rundfunk direkt übertragen, auf dem Platz der Armee in Luxemburg, in der Deutschen Botschaft in Paris, vom französischen Fernsehen übertragen, und im Kurpark von Bad Kreuznach waren für den Nachwuchs Stationen des Erfolgs .

Vor allem Hans Welscher, Horst Zimmermann und Jürgen Zoller und nun aktuell Thomas Neubauer bemühten sich darum, die Erfolgsgeschichte mit großer Einsatzfreude fortzusetzen.