Ein Dorfrundgang der besonderen Art ist in Friesen möglich. Nach der Ausstellung „Die Hölle kann nicht schlimmer sein“, in der es um die Kriegswirren im Ort ging, haben sich die Mitglieder der Soldatenkameradschaft nun der Thematik um die jüdischen Friesener angenommen. Noch heute gibt es einige steinerne Zeugen, die auf die ehemaligen Bewohner jüdischen Glaubens hinweisen. Ein Team um Heidi Hansen hat einen Rundgang durch das Dorf geschaffen. Auf Tafeln mit einem QR-Code wird die Geschichte der Juden nacherzählt.

Noch ist die Dorferneuerung nicht ganz abgeschlossen, aber Hals- und Beinbruch muss man sich bei dem interessanten Spaziergang dann doch nicht wünschen. Viele wissen nicht, dass diese Redensart aus dem Hebräischen über das Jiddische in die deutsche Sprache eingegangen ist.

Ein Rundweg mit insgesamt 25 Stationen beginnt an der Dorfscheune. Dabei geht es nicht nur um die Wohnhäuser, die Synagoge und die jüdische Schule, sondern vor allem um die Familien, die einstmals hier ansässig waren.

In akribischer Kleinarbeit, mit wissenschaftlicher Unterstützung durch Christian Porzelt und der tatkräftigen Mitarbeit von Georg Schneider gelang es, dieses Projekt zu verwirklichen.

Vorgeschmack im Internet

Der QR-Code kann mit dem Smartphone gescannt werden, um weitere Informationen zum Objekt und seiner vormaligen Nutzung zu erhalten. Die Infos sind zudem als Audioguide hinterlegt. Bei näherer Betrachtung taucht man tief ein in die Geschichte des Flößerdorfs und kann die Spuren jüdischen Lebens hautnah erleben. Der Dorfrundgang ist dauerhaft angelegt und jederzeit begehbar. Einen kleinen Vorgeschmack kann man sich online unter juedische-gemeinde.erinnerungskultur-soldatenkameradschaft-friesen.de anschauen.

In Friesen heißt heute noch ein enges Gässchen vom unteren zum oberen Dorf „Moschaweg“. Der Name weist darauf hin, dass hier einmal eine jüdische Synagoge stand, die von den Bewohnern fälschlich als Moschee bezeichnet wurde. Außer diesem Wegenamen sind in Friesen fast alle Spuren des ehemaligen jüdischen Lebens scheinbar untergegangen. Bei näherer Betrachtung sind jedoch einige steinerne Zeugen bis heute erhalten.

Eine überaus spannende Zeitreise mit vielen Informationen wartet auf die Besucher. Selbst die Friesener Bürger waren überrascht, als ihr Anwesen als ehemals in jüdischem Besitz identifiziert wurde. Ludwig Schmitt, Eigentümer des Anwesens Zur Pfalz 11, wusste selbst nicht, dass vormals die jüdische Familie Liebreich das Anwesen erworben hatte

Im Beisein der Kreisheimatpfleger und von Odette Eisenträger-Sarter vom Aktionskreis Kronacher Synagoge konnte der Dorfrundgang der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Interessante Neuigkeiten über die jüngsten Forschungen zum jüdischen Leben in Friesen hatte Heidi Hansen parat. So wurde unlängst eine jüdische Mikwe im Anwesen Am Plan 15 entdeckt und vermessen. In Kürze soll die komplette Freilegung erfolgen.

Kunstwerke eines Friesener Juden hängen heute im Pariser Louvre .

Am 10. Februar 1857 wurde in Friesen Adolf Friedmann geboren. Er kam in Hausnummer 78, heute Zur Pfalz 24, zur Welt. Der Vater Salomon Friedmann war Viehhändler und betrieb im kleinen Umfang Landwirtschaft. Die Mutter Retti, geborene Kraft, stammte aus Burgkunstadt. Adolf Friedmann verbrachte nur die ersten Jahre seines Lebens in Friesen und wanderte bereits als 16-Jähriger in die USA aus. Später kehrte er nach Deutschland zurück, wo er sich in Berlin als Kaufmann und Bankier niederließ. 1894 ging er nach Frankreich und eröffnete ein Bankgeschäft in Paris. Ein Teil seiner Privatsammlung gelangte nach seinem Tod in den Bestand des Louvre . Noch heute leben Nachkommen in Paris und Umgebung. red