Blaues Glück, kühler Morgen, Koselstein und Krone – all das sind klangvolle Namen thüringischer Schieferbrüche, die kaum noch jemand kennt. Dabei waren es einst stattliche Betriebe, deren Dimensionen noch heute staunen lassen. Der vierte Band der Reihe „Thüringisch-Fränkischer Schieferbergbau“ stellt die Brüche des reußischen Oberlands, bei Lehesten und Schmiedebach sowie an Schwarza und Weißer Elster vor.

Nach systematischer Archivarbeit brachten die drei Autoren Siegfried Scheidig, Frank Barteld und Frank Schein mehr Licht in die Geschichte vieler Betriebe, die bislang nur bruchstückhaft erforscht war.

Museum in neuem Glanz

„Wir haben uns des Vergehens der kulturellen Aneignung schuldig gemacht, haben wir uns doch als Nichtbergleute mit dem Bergbau befasst“, gestand der Verleger und Chefautor Frank Barteld bei der Buchvorstellung im Deutschen Schiefertafelmuseum in Ludwigsstadt , wo seit Jahren das Herz der Schieferbergbau-Forschung der Region schlägt und das wichtigste Archivgut lagert.

Aktueller Anlass war die Wiederöffnung nach umfassender Sanierung, sodass Museumsleiterin Manja Hünlein die Heimatfreunde in einem im neuen Glanz erstrahlenden Gebäude begrüßen konnte.

„Mit dem Buch möchten wir dem Wirken der Bergleute ein Denkmal setzen“, bekundete der Verleger . Für die bisher herausgebrachten vier Bände habe man bislang 1136 Buchseiten mit 2091 Abbildungen gefüllt. Wert lege man auf eine verständliche Sprache jenseits des „Horrorkabinetts der Verwaltungssprache“. Leider gehe aktuell der Papierpreis durch die Decke. In diesem Zusammenhang dankte Barteld Brigitte und Harald Krzyminski sowie der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt für die Unterstützung. Auch allen weiteren an der Umsetzung in irgendeiner Form Beteiligten galt sein Dank.

Auch Glück, verriet der Elektroingenieur und Eisenbahnexperte Frank Schein, sei dabei gewesen, hätten sich doch wertvolle Quellen aufgetan, von denen man vor einem Jahr noch nichts gewusst habe. Glücklicherweise habe man auch ehemalige Mitarbeiter befragen können.

„Seit dem Jahr 2000 haben wir rund 250.000 Aktenseiten gesichtet“, sagte Siegfried Scheidig. Der Kronacher Kreisheimatpfleger erinnerte an die Anfänge der Forschungen der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsstadt vor über 40 Jahren, aus denen auch die Gründung des Museums 1981 hervorgegangen sei. Nach der Grenzöffnung habe die heiße Phase begonnen – mit der Buchreihe als Nebenprodukt. Vorangekommen in den Forschungen sei man insbesondere durch das von Alfons Olbricht zur Verfügung gestellte Sammelmaterial sowie durch die Möglichkeit, nunmehr auch auf die Archive in Thüringen zurückgreifen zu können.

Ein Riesenschatz

Bei der Feier des 125-jährigen Eisenbahnjubiläums in Probstzella habe er 2010 Frank Barteld kennengelernt, so Scheidig. Dabei habe man erstmals darüber gesprochen, ein Buch über den Schieferbergbau herauszubringen. „Nach zwei Jahren war es so weit.“ Der Folgeband sei 2017 vollendet worden, Band 3 dann 2019. „Und nun Band 4 mit vielen bis dato unbekannte Fotos aus den 1920er Jahren. Dieses Bildmaterial ist ein Riesenschatz“, so der Schieferexperte.Schon jetzt sei sicher, dass es einen Band 5 sowie vermutlich noch weitere geben werde. Man hoffe, allen Interessierten erneut eine informative Lektüre an die Hand geben zu können.

Davon zeigte sich Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt überzeugt. Auch im Namen seines Amtskollegen Sven Mechtold aus Probstzella sowie des stellvertretenden Kronacher Landrats Gerhard Löffler dankte er den Autoren für deren jahrzehntelangen vehementen Einsatz für den Schieferbergbau. Der Zeit- und Arbeitsaufwand sei enorm, so der Bürgermeister, der vor allem die Fachkompetenz der Hauptakteure sowie die hohe fachlich Qualität der Buchreihe herausstellte.

Das Buch (ISBN 978-3-935961-26-4) ist für 39,90 Euro erhältlich im Schiefermuseum und im Regionalmarkt in Ludwigsstadt und kann auch online unter www.barteld-verlag.de/schiefer4.html bestellt werden.