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Kreisel macht nicht immer Sinn


Autor: Redaktion

Lichtenfels, Dienstag, 19. Februar 2019

Das Lichtenfelser Verkehrskonzept bekommt viel Lob seitens der Wirtschaft, die Gewerbesteuersätze eher weniger.


Einen regen Gedankenaustausch zwischen Vertretern der Stadt Lichtenfels und des IHK-Gremiums Lichtenfels gab es in der ehemaligen Synagoge. Im Mittelpunkt stand die Diskussion über das neue Verkehrskonzept, das viel Lob seitens der Wirtschaft erhielt, und der Gewerbesteuerhebesatz, wo die Meinungen auseinandergingen.

Stadtbaumeister Gerhard Pülz skizzierte den Zwischenstand beim Verkehrskonzept und ging dabei vor allem auf die neuralgischen Punkte ein. "Unsere Umfrage hat gezeigt, dass die Bürger sich mehr Kreisel wünschen", so Pülz. Er machte jedoch deutlich, dass eine Kreiselregelung nicht immer Sinn mache, etwa wenn die Verkehrsdichte bei den betroffenen Straßen sehr unterschiedlich sei oder der Platz für eine sinnvolle Kreisellösung nicht ausreiche. Als Beispiel nannte er hier die Kreuzung Coburger Straße - Bürgermeister Dr.-Hauptmann-Ring - Köstener Straße. Der Winkel zwischen dem Ring und der Coburger Straße stadtauswärts wäre so scharf, dass Sattelschlepper nicht mehr rechts abbiegen könnten. Stattdessen solle eine intelligente Ampellösung Abhilfe schaffen, ergänzt durch eine "dominierende Rechtsabbiegespur" Richtung Schney.

Dieser Ansatz kam bei den Unternehmern sehr gut an. Bei der Kreuzung an der Pietät sei geplant, den Fußgängerüberweg auf die andere Seite der Kreuzung zu verlegen, wodurch sich Pülz eine Entlastung bei der Kreuzung erwartet. Vor der OMV-Tankstelle bei der Ausfahrt Lichtenfels-Ost würde aus Sicht von Pülz ein Kreisel für eine Entlastung der aktuellen Verkehrssituation führen.

Gefährliche Situationen

Gerhard Kreier sprach die Ausfahrten Lichtenfels-West und Lichtenfels-Mitte an der B 173 an. Dort komme es regelmäßig zu gefährlichen Situationen und Auffahrunfällen. Er schlug vor, die Schilder "Vorfahrt gewähren" durch Stoppschilder zu ersetzen, die Geschwindigkeit bei Lichtenfels-Mitte auf 50 km/h zu reduzieren und bei den Einmündungen von Robert-Koch-Straße und Theodor-Heuss-Straße ein Schild "Gefährliche Kreuzung" anzubringen. Raimund Stark verwies darauf, dass es auf der Staatsstraße 2203 Richtung Mistelfeld im ganzen Bereich für Fußgänger keine Möglichkeit für eine ungefährliche Straßenüberquerung gebe. Claus Essmeyer ergänzte, dass es bei Lichtenfels-Mitte von Bamberg kommend wegen der Linksabbieger in Richtung Mistelfeld regelmäßig zu Rückstaus bis in die Umgehungsstraße komme. Bei einem zweistreifigen Ausbau der Ausfahrt ließe sich der Rückstau erheblich reduzieren, weil Rechtsabbieger auf die Victor-von-Scheffel-Straße nicht in den Linksabbieger-Rückstau geraten. Thomas Machalke sprach die Unterführung in der Coburger Straße mit ihrer Höhenbeschränkung an. Fahrzeuge, die die maximale Höhe überschreiten und in die Innenstadt wollen, würden per Navi regelmäßig in die Coburger Straße geleitet. Aus Sicht von Essmeyer könnte eine Höhenkontrolle bereits vor der Mainau die Situation entschärfen, da entsprechende Lkw über die Mainau geleitet werden könnten. Hügerich und Pülz sagten zu, die Vorschläge zu prüfen.

Unterschiedlich waren die Auffassungen von Stadt und Wirtschaft zur Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes von 337 auf 380 Punkte vor vier Jahren. Aus Sicht des IHK-Gremiumsvorsitzenden Wasikowski sei ein so hoher Gewerbesteuerhebesatz kontraproduktiv. Ein Unternehmen könne Kosten auch erst erhöhen, wenn vorher alle Einsparpotenziale ausgeschöpft worden seien. Neben fünf reinen Schlafgemeinden hätten im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken mit ihren 196 Kommunen nur Hof mit 400 Punkten und Bamberg mit 390 Punkten einen höheren Hebesatz, im benachbarten Coburg liege der Hebesatz sogar nur bei 310 Punkten. Bürgermeister Hügerich betonte, dass diese Erhöhung erforderlich gewesen sei, auch um Flächen für Gewerbegebiete zu erwerben und zu erschließen. "Ohne verfügbare Gewerbeflächen sind keine Neuansiedlungen möglich", betonte Hügerich. "Dies erfolgt auf Kosten der ansässigen Unternehmen", konterte Wasikowski. Aufgrund der Mehrausgaben stünden den ansässigen Unternehmen weniger Finanzmittel für Investitionen zur Verfügung, ergänzte Tobias Hoffmann von der IHK. red