Unweit des Zentralen Omnibusbahnhofs haben sich rund 20 Interessierte und Anhänger zusammengefunden. Zwei nachempfundene Haltestellenschilder sagen: "Einfach umsteigen". Ein paar Busfahrgäste bleiben stehen und schauen zu. Mehrere Busfahrer nutzen ihre Pause, um den Wortbeiträgen zuzuhören. "Wir sind der Auffassung, dass wir den Klimawandel nur dann bewältigen können, wenn wir ihn mit der sozialen Frage verknüpfen", betont Dirk Schneider, zuständig für den Fachbereich Verkehr bei der Gewerkschaft Verdi. Mit "Wir" sind nicht nur die Gewerkschaft, sondern auch die Klimabewegung Fridays for Future sowie die Organisation Attac gemeint. Ein neues Bündnis, welches sich seit Monaten auf die Verhandlungsrunden zum Tarifvertrag im Nahverkehr vorbereitete und in gut 20 Städten deutschlandweit am Freitag auf die Straße ging.

Auf der einen Seite fordert die Gewerkschaft bundesweit unter anderem 30 Tage Urlaub für die Beschäftigten sowie eine bessere Überstundenregelung. Im bayerischen Fall stehen neben höheren Lohngruppen vor allem eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich sowie deutliche Erhöhungen der Nachtarbeits- und Sonntagszuschläge auf der Forderungsliste.

"Wir haben einen außerordentlichen Mangel an Fahrern. Wir brauchen eine anständige Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen, um für mehr Nachwuchskräfte zu sorgen", erklärt Schneider. Im Falle der städtische Busse in Bamberg können die theoretischen 38,5 Stunden Wochenarbeitszeit nicht eingehalten werden. Praktisch läge diese bei 41 bis 42 Stunden. "Die Beschäftigten haben einen Berg von 10 000 Überstunden angehäuft", führt der Gewerkschafter aus. Bundesweit brauche es bis 2030 zusätzlich 100 000 Menschen hinter dem Steuer.

"Wir vertreten zwei Perspektiven: die Forderung nach Klimagerechtigkeit und die soziale Frage", bringt es Alina Nüssing von Attac Deutschland auf den Punkt. Der massive Ausbau des ÖPNV sowie seine kostenlose Nutzung könnten nicht nur klimafreundliche Mobilität für alle garantieren, sondern auch durch die Verdrängung des Autos neue öffentliche Räume in den Städten schaffen, welche stark unter Verkehrsbelastung und Abgasen litten. "Wir wollen das Recht auf gesunde Luft und Platz zum Leben erreichen", fordert Nüssing.

Ein Ausbau des ÖPNV hätte großes Einsparpotenzial in Sachen CO2 .

Mehr Linien im Landkreis

Ein Fakt, welcher Fridays for Future ins Boot holte: "Die Frage, die sich für uns stellt: Wie können wir mehr Klimaschutz erreichen? Das hängt stark mit einem attraktiven ÖPNV zusammen", findet Luca Rosenheimer von der Ortsgruppe in Bamberg. Gerade für die Verbindungen in den Landkreis brauche es mehr Linien, die ohne Ausfälle fahren, um den Menschen den Umstieg vom Auto zum Bus leicht zu machen. Zur Finanzierung schlägt der Klimaschützer ein solidarisches Ticket wie in Wuppertal vor, welches nach Gehältern gestaffelt ist. Und die Umlenkung von Subventionen fossiler Brennstoffe in den ÖPNV könnte den Ausbau ohne Mehrkosten bewerkstelligen.

"Ich bin hier, um mich mit den Forderungen für einen guten ÖPNV zu solidarisieren", meint Hilal Tavsancioglu. Gerade in Bamberg hätte der Nahverkehr noch Potenzial: "Nachtbusse in die Gartenstadt oder andere weniger zentrale Viertel fehlen." Lutz Keller, Mitglied bei der Gewerkschaftsjugend, findet: "Die Auszubildenden sind besonders auf einen guten ÖPNV angewiesen. Leider frisst das Jobticket noch immer einen großen Teil des Ausbildungslohnes auf."

In dieser Woche laufen die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite weiter. Aber Schneider sieht kaum eine Möglichkeit, um Warnstreiks herumzukommen, welche voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober - frühestens nach dem 22. September - stattfinden könnten. "Der Busverkehr wird an einem Tag größtenteils zum Erliegen kommen", erwartet der Gewerkschafter. Auch wenn dies die Fahrgäste betreffen wird, versichert Schneider: "Wir arbeiten damit an einer guten Zukunft aller." Deshalb ist es auch eine klare Sache, dass Verdi beim internationalen Klimastreik am 25. September mit auf die Straße geht. Genauso wie die Gewerkschaft an diesem Tag Unterstützung zum Tarifkampf erfahren hat.