An der Berufsschule in Kitzingen fand eine bewegende Veranstaltung statt, bei der die Zeitzeugin Kerstin Meisner den Schülern von ihrer Flucht aus ...
An der Berufsschule in Kitzingen fand eine bewegende Veranstaltung statt, bei der die Zeitzeugin Kerstin Meisner den Schülern von ihrer Flucht aus der DDR, der Unterdrückung und dem Mauerfall berichtete. Vor einem Publikum von etwa 70 Schülern und Schülerinnen hielt Frau Meisner einen packenden Bericht, gefolgt von einer offenen Fragerunde.
Kerstin Meisner, geboren 1964 in Potsdam, arbeitete damals als Facharbeiterin für Anlagentechnik im Brauereiwesen. Ihr Unbehagen gegenüber der fehlenden Meinungsfreiheit, dem einseitigen propagandistischen Diskurs der DDR-Führung und dem Mangel an Demokratie wurde schließlich zu viel für sie. Im März 1983 beschloss die damals 19-Jährige, ihr Leben in der Bundesrepublik Deutschland fortzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Verlobten und einem Bekannten plante sie die Flucht über die ČSSR. Da sie keine gültigen Ausweispapiere besaß, wagte K. Meisner ein riskantes Versteckspiel im Zug. Sie versteckte sich unter einer Sitzbank, während ihre Begleiter bereits in Dresden bei der Passkontrolle aus dem Zug geholt und verhaftet wurden. Kurz vor Bratislava ereilte sie dasselbe Schicksal.
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Schließlich wurde sie wegen "versuchter Republikflucht" zu einer Haftstrafe verurteilt. Sie verbüßte diese Strafe im Gefängnis. 1984 wurde sie im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik überführt.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten großes Interesse an der Zeitgeschichte und stellten im Anschluss an den Vortrag vielfältige Fragen. Durch den direkten Kontakt mit einer Zeitzeugin konnten sie sich besser in die damalige Zeit hineinversetzen.
Der Vortrag von Kerstin Meisner hat das historische Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler gestärkt, ihre Empathie und ihr Verständnis für die Herausforderungen, mit denen Menschen in totalitären Regimen konfrontiert sind und es hat sie hoffentlich auch ein bisschen ermutigt, für die Werte der Freiheit und Demokratie einzustehen und sie zu schätzen.
Von: Gerti Aloe, (Lehrkraft am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Kitzingen-Ochsenfurt)