Kinder des Regenbogens
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Kronach, Mittwoch, 07. Juni 2017
Die "Bunte Schwertlilie" gehört zu den seltensten Wildblumen im Naturpark Frankenwald. Ihren wissenschaftlichen Namen "Iris variegata" hat die Schwertlilie ...
Die "Bunte Schwertlilie" gehört zu den seltensten Wildblumen im Naturpark Frankenwald. Ihren wissenschaftlichen Namen "Iris variegata" hat die Schwertlilie von der griechischen Regenbogengöttin und Götterbotin Iris. Die Irisblüte besteht aus sechs Blütenblättern, drei inneren aufrechten "Domblättern" und drei äußeren abstehenden "Hängeblättern".
Am Frankenweg leuchtet sie in goldgelb und in rotvioletter Äderung auf blassgelbem Grund. Lichte, trockenwarme Wälder, Säume und Halbtrockenrasen kennzeichnen ihren natürlichen Standort.
Unverwechselbare Blütenform
Der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast nannte die Schwertlilien die einzigen im Norden vorkommenden wohlriechenden Kräuter. Man schwor auf den Veilchenduft getrockneter Iriswurzeln, deren ätherisches Öl neben der Verwendung als Heilmittel auch zur Verfeinerung des Weines diente. Ihre unverwechselbare Blütenform mit den Farben des Regenbogens machte sie früh zu einem begehrten Objekt der Gärtner und Botaniker. "Die Violwurtz ist zu vielen Dingen gut", so resümiert Dioskurides, der berühmteste Pharmakologe des Altertums, die "innerliche Krafft" und das "äusserliche Vermögen" dieser Pflanze. Sein Lebenswerk "de materia medica" war das nach der Bibel meistgelesene Buch des Mittelalters und diente als Vorlage für die Gartengestaltung königlicher Güter zu Zeiten Karls des Großen. Man nimmt an, dass in dieser Epoche Schwertlilien aus Südosteuropa eingeführt wurden und verwilderten. Bei uns kommen zwar noch einige wärme- und trockenheitsliebende Schwertlilienarten vor, sie sind aber wohl allesamt Gartenflüchtlinge, wenn auch teils schon seit Jahrhunderten eingebürgert.
Überbringer göttlicher Botschaft
Die Bunten Schwertlilien sind Kinder der griechischen Götterbotin Iris, deren Aufgabe es war, die Seele der Verstorbenen entlang der Bahn des bunten Regenbogens in das Land des ewigen Friedens zu geleiten. Noch heute werden Gräber von Verstorbenen mit weißen oder blauen Schwertlilien geschmückt. Als Überbringerin göttlicher Botschaften wurde die Iris in der christlichen Symbolik zur Blume der Verkündigung. Die wichtigste Aussage dieser Symbolik ist der Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen und als Zeichen der Versöhnung. Denn das erste, was Noah nach der Sintflut sah, zusammen mit der Taube, die den Ölzweig brachte, war der Regenbogen. red