Karriere nach der Leiharbeit
Autor: Redaktion
Coburg, Montag, 06. Juni 2016
Kunststoffverarbeiter ROS begegnet dem Fachkräftemangel auf neuen Wegen. Davon profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen.
Viele Jahre hielt sich Jens Lenk als Leiharbeiter mit einfachen Tätigkeiten über Wasser. Jetzt, mit 42, nimmt er Anlauf für eine Karriere als Fachkraft in der Industrie. Auf den Weg gebracht hat ihn und einige seiner Kollegen der Coburger Kunststoffverarbeiter ROS, der ungelernten Beschäftigten die Weiterqualifizierung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk, Fachrichtung Formteile ermöglicht. Das Alter spielt dabei keine Rolle.
"Wir brauchen immer höher qualifizierte Beschäftigte", sagt ROS-Geschäftsführer Steffen Tetzlaff mit Blick auf den Fachkräftemangel, der in der Region um sich greift. "Jeder sucht Fachkräfte, aber die gibt es nicht", so Tetzlaff ernüchtert. Ebenso wenig wie ambitionierte Auszubildende, deren Zahl seit Jahren kontinuierlich zurückgeht.
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"Deshalb gehen wir neue Wege und nutzen interne Ressourcen, wo immer es geht." Bei ROS gibt es solche Ressourcen, zum Beispiel unter den Beschäftigten, die einst als Angestellte einer Zeitarbeitsfirma in den Betrieb kamen und später ungelernt übernommen wurden.
Angebot angenommen
So lief es auch bei Jens Lenk. Nach der Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker wurde er Soldat, dann Schweißer, kam über eine Zeitarbeitsfirma zu verschiedenen Kunststoffverarbeitern, dann zu ROS. 2012 wurde er dort aus der Leiharbeit in eine Anstellung als Werker übernommen. Im letzten Jahr boten ihm die Verantwortlichen die Weiterqualifizierung zum Verfahrensmechaniker an, und Jens Lenk griff zu. "Das ist schon eine Herausforderung", sagt er heute. Denn zum praktischen Teil gesellen sich theoretische Ausbildungsinhalte, die es in sich haben.
Messen, Steuern, Regeln, Fertigungsplanung, Wirtschafts- und Sozialkunde, Elektropneumatik und viele weitere anspruchsvolle Themen stehen auf dem Lehrplan des privaten Weiterbildungsinstituts in Lichtenfels, das an die Stelle der Berufsschule tritt. Am Ende steht eine IHK-Abschlussprüfung, die im Erfolgsfall offiziell eine anerkannte, abgeschlossene Ausbildung bescheinigt. "Üben, üben, üben", lautet Lenks Erfolgsrezept. "Und immer nach vorne schauen."So sieht es auch Sandra Schunk, 38, die nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Malerin und Lackiererin weiter nach dem richtigen Beruf suchte und zunächst eine zweite Ausbildung zur Hotelfachfrau absolvierte. Nach Stationen als Verkäuferin und Kunststoffteilelackiererin kam auch sie 2011 per Leiharbeitsverhältnis zu ROS und wurde 2013 dort fest angestellt. "Ich interessiere mich für chemische und physikalische Zusammenhänge", stellte Sandra Schunk nach kurzer Zeit fest. "Und ich gehe gern auf die Arbeit." So reifte der Entschluss, mehr aus ihrer Begabung zu machen. Auch sie entschied sich für die Weiterbildung zur Verfahrensmechanikerin und hat die nächsten Schritte auf der Karriereleiter bereits im Kopf. "Mein erstes Ziel ist Einrichter, dann vielleicht Schichtführer", sagt sie vorsichtig und strahlt dabei aus, dass sie sich im Berufsleben gefunden hat.
Bis zum IHK-Abschluss ist es gleichwohl für beide noch ein langer Weg. 698 Unterrichtseinheiten und 86 Wochen praktischer Ausbildungsteile liegen vor der Prüfung. Damit niemand vorzeitig aufgibt, greift ROS den Anwärtern unter die Arme, zahlt die aktuellen Bezüge fort, übernimmt die Lehrgangskosten und stellt bezahlt für die Prüfungen frei. "Im Gegenzug möchten wir natürlich, dass unsere Programmteilnehmer nach der Weiterqualifizierung möglichst lange im Unternehmen bleiben", sagt Steffen Tetzlaff.
Eine entsprechende Verpflichtung wurde vereinbart. "Wir setzen lieber auf Arbeitsklima, Aufstiegschancen und Weiterbildungsangebote", so Tetzlaff. Das kommt an. "Ich freue mich jeden Tag, wenn ich meine Arbeitskollegen sehe", sagt Sandra Schunk.
Seit seinen Anfängen in den 20er Jahren produziert das Kunststoff verarbeitende Unternehmen ROS mit Stammwerk in Coburg und weiteren Standorten in Ummerstadt (Thüringen) sowie im tschechischen Most hochpräzise Kunststoffteile, setzt auf ständige Weiterentwicklung und überdurchschnittliche Fertigungsqualität. Die nach eigenen Angaben rund 400 Beschäftigte zählende ROS GmbH & Co. KG entwickelt und fertigt mit eigenem Werkzeugbau hochpräzise Werkzeuge für die Verarbeitung der Kunststoffe Duroplast und Thermoplast, woraus Funktions- und Sichtteile entstehen. Kunden aus Automobilbranche, Elektroindustrie, Maschinenbau und Medizintechnik schätzen das technische Know-how von ROS, wo man unter anderem durch ausgeklügelte, hochflexible Montageabläufe und herausragende Liefertreue punktet.