Wenn Zufriedenheit einen Namen hätte, würde sie wahrscheinlich Jürgen Kern heißen. Der Elektromeister, Kommunalpolitiker und Familienmensch aus Mitwitz wird am kommenden Sonntag runde 60 und behauptet von sich: "Ich bin einer der glücklichsten Menschen auf der Welt." Bei einem Empfang im Gasthof Wasserschloss am Sonntag darf man dem Zweiten Bürgermeister von Mitwitz von 10 bis 13 Uhr gratulieren.

Geschenke möchte er keine, meint er, "denn ich hab doch alles". Deshalb will er sie spenden und zwar zugunsten des Evangelischen Kindergartens. Jürgen Kern, ein Mensch, der in sich ruht, ist bekennender Handyverweigerer und vielleicht auch deshalb so entspannt. "Ich bin bisher ganz gut ohne ausgekommen, warum also sollte ich mir eines anschaffen?" Die Frage ist wohl eher rhetorisch, denn sein Betrieb läuft seit Jahrzehnten wie geschmiert. "Wenn man mich erreichen will, dann erreicht man mich auch. Den Rest macht meine Frau." Angela Kern, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, ist den ganzen Tag im Geschäft und genau so möchte sie es auch. Und gibt es auch mal Urlaub im Hause Kern? Die beiden lachen wie auf Kommando. "Ja, einmal", sagt er und seine Frau ergänzt: "Wir waren an der Nordsee. Es war ein Reinfall. Wir waren froh, als wir wieder zu Hause waren." Denn da sei es am Schönsten, da ist das Paar sich einig. Hier, wo sie ihre beiden Söhne großgezogen haben, ist der Mittelpunkt des Lebens.

Und was macht Jürgen Kern, wenn er nicht arbeitet oder politisiert? "Dann gehe ich Karten spielen." Das nämlich lasse er sich nicht nehmen, es sei eine seiner Leidenschaften. Diese Aussage lässt vermuten, dass es noch andere gibt und prompt meint er: "Ich fahre gerne schnell, da wo es geht selbstverständlich, und in vier Jahren darf ich auch wieder Motorrad fahren." Sein verschmitztes Grinsen lässt erahnen, wie er sich darauf freut, aber warum denn erst in vier Jahren? "Dann bin ich im Ruhestand und bekomme den Segen meiner Frau." Die steht daneben, nickt und erzählt, wie er nach seinem Motorradunfall vor ein paar Jahren auf Krücken nach Hause kam und sie Chauffeur spielen musste.

Viel mehr an Hobbys gäbe es aber nicht, denn dazu arbeite er einfach zu gerne. "Früher habe ich mal Fußball gespielt, aber eigentlich war ich gar kein Fußballer." Wirkliches Talent habe er nicht besessen, meint er, aber dafür Spaß gehabt. Heute blitzen seine Augen, wenn er ein defektes Haushaltsgerät in seiner aufgeräumten Werkstatt reparieren kann. "Des is mei Leidenschaft. Ich ärbet vill und gän." Auch die Vereinsmeierei habe etwas nachgelassen. "Ich bin halt noch passives Mitglied."

Er erzählt, wie er sich im Sportheim und im Feuerwehrhaus um die Elektrik gekümmert habe, außerhalb seiner Arbeitszeit. So seien viele freiwillige Leistungen zusammengekommen, doch jetzt will er es etwas ruhiger angehen lassen. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: "Ich reiß dä Katz kanne grußn Schnorrn mä aus."

Jürgen Kern ist seit 1990 in der SPD-Fraktion des Marktgemeinderates. Seit Mai 2002 ist er Zweiter Bürgermeister. 2016 wurde ihm vom Freistaat Bayern die Medaille für besondere Verdienste um die Kommunale Selbstverwaltung in Bronze verliehen.