In Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis Kronacher Synagoge ließ in eben dieser Synagoge die Goethegesellschaft Kronach eine eindrucksvolle Veranstaltung stattfinden. Der Berliner Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz sowie der Pianist Hendrik Heilmann, Solist der Berliner Philharmoniker und Professor an der dortigen Musikhochschule, befassten sich vor vollem Haus mit der Frage inwieweit die Musik im Leben und Werk Jean Pauls von Bedeutung war.

Hans-Jürgen Schatz ist in Kronach kein Unbekannter. In einer Vorrede erinnerte er daran, dass er hier an verschiedenen Plätzen, darunter auch in der Synagoge, seit 30 Jahren Auftritte gehabt habe. Einstimmend präsentierte Hendrik Heilmann am Klavier die Ouvertüre zur Oper "Cosi fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart.

Beliebt bei den Damen

Schatz griff den musikalischen Hinweis auf und betonte den besonderen Wert des Komponisten Mozart für Jean Paul. Schon seit frühester Jugend hatte sich der spätere Schriftsteller, der diesen Namen als Pseudonym führte und eigentlich Johann Paul Richter hieß, mit Musik beschäftigt. Auch in seinen Werken ließ er seine Leidenschaft für Musik erkennen, so bereits im "Hesperus" von 1795, mit dem er bekannt und gerade bei den Damen beliebt wurde. Goethe bezeichnete ihn jedoch wohl deswegen etwas abfällig als Modeschriftsteller.

In diesem Roman handelt es sich um ein unglückliches Liebespaar. Hendrik Heilmann benutzte dazu die Vertonung von Shakespeares themenverwandtem Schauspiel "Romeo und Julia" des Böhmen Benda.

Schatz schilderte im weiteren Verlauf den Umzug Jean Pauls nach Weimar. Dort traf er Goethe. Besonders erfreute ihn, dass in dem Ort dank Wielands Einsatz das Wirken von Mozart gepflegt wurde. Er erlebte eine Aufführung der Oper "Don Juan", heute bekannt als "Don Giovanni".

Allerdings war Jean Paul nicht immer von der Aufführungspraxis in Weimar begeistert. Selbst die bekannte Sängerin Jagemann wurde kritisiert. Jean Paul räumte ein, dass der Theaterleiter Goethe auf das Publikum Rücksicht nehmen musste, was der Qualität nicht förderlich war. Inzwischen erschienen weitere Werke des Schriftstellers. Darin spielt besonders die Flöte eine Rolle. Im "Titan" stehe sie für Gefühl und Romantik, in den "Flegeljahren" für Zauber, so Schatz.

Die nächste Station Jean Pauls war Berlin. Dort erlebte er Haydns "Die Schöpfung". Hier gab es eine Klavierbearbeitung zu Erzengel Uriels "Mit Würd und Hoheit angetan" zu hören. Jean Paul heiratete in Berlin Karoline Mayer. 1817 erhielt er eine besondere Auszeichnung.

Zu viel Alkohol

Immer bewunderten Zeitgenossen das Klavierspiel Jean Pauls, besonders seine Improvisationen und musikalischen Fantasien, tadelten jedoch seine alkoholischen Exzesse. Die letzten Tage Jean Pauls waren geprägt von Krankheiten und dem Nachlassen seiner Schaffenskraft.

Unaufhörlich war er jedoch auf der Suche nach musikalischen Erlebnissen, vor allen Dingen nach Liedern. Hier wurde er besonders fündig bei Franz Schubert und seinen Vertonungen von Goethe-Gedichten.

Die beiden Künstler schlossen den Abend mit einer glänzenden Interpretation dieses Gedichts ab.