K unst kann Wände verzieren. Oder versuchen, die Welt zu retten. Mit ihren Kunst-Projekt "Beedabei" arbeitet das Nürnberger Künstlerduo Peter H. Kalb und Gisela M. Bartulec ganz praktisch daran, kleine Bienen in großen Städten mit der nötigen Nahrung zu versorgen und damit vor dem Aussterben zu bewahren.

"Das sind unsere Bienenfutterstellen", sagt Kalb und zeigt auf einen knallgelben Blumenkasten mit blühenden Wildkräutern. "Geranien sind zwar pflegeleicht und schön, aber total überzüchtet und können daher leider keine Bienen ernähren", sagt Kalb und nimmt einen der knallgelben Blumenkästen in die Hand, der längst zum Markenzeichen und Botschafter der einfachen aber genialen Kunst-Bienen-Rettungsaktion geworden ist. "Wir haben selber auf unserem Balkon bemerkt, dass die Anzahl der Bienen zurückgeht", erzählen Kalb und Bartulec.

Um die Menschen für die Bienen-Aktion spielerisch zu begeistern, bauen Peter und Gisela aus den gelben Blumenkästen spektakuläre Skulpturen auf Marktplätzen, in Fußball-Stadien oder vor schönen alten Schlössern. Kurz nach der Fertigstellung der gelben Blumenkasten-Kunstwerke bitten die beiden Bienen-Retter das Publikum regelmäßig, die gelben Skulpturen zu zerstören und sich einen der leuchtenden Blumenkästen mit den bienenfreundlichen Gewächsen für den heimischen Balkon zu schnappen. Mit den blühenden Blumenkästen unter dem Arm schwärmt das Publikum nach den Aktionen zurück nach Hause und trägt damit die Idee von "Beedabei" von Balkon zu Balkon. "Wir machen am liebsten Kunst zum Mitmachen." Abstrakte Kunst ohne konkreten Nutzen sei nicht die Sache des Paares.

Mittlerweile dienen schon über 3500 knallgelbe Beedabei-Blumenkästen als Werbebotschafter der Rettungsaktion. Und täglich werden es derzeit mehr. Wie Pilze schießen die Kästen auf bayerischen Balkonen aus dem Boden. In Nürnberg sind schon sehr viele der gelben Blumenkästen im Stadtbild zu sehen. Und auch in Bamberg, Coburg, Hof und Zirndorf hängen welche. Sogar in Paris sollen die gelben Bienen-Restaurants schon auf Balkonen gesichtet worden sein. Bad Berneck hat mit den gelben Kästen seine Brücken verziert. Im fränkischen Burgthann leuchten die gelben Bienen-Futterstellen am Rathaus. In Fürth unterstützen die Fachleute vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Beedabei-Bewegung. Unter dem Motto "Gut für die Biene - schön für den Betrachter" hat sich auch die Interessengemeinschaft "Ihre RegionalGärtnerei" dem Kunst-Projekt tatkräftig angeschlossen.

Von Familienunternehmen hergestellt

"Die gelben Blumenkästen fallen einfach jedem sofort auf", freuen sich Kalb und Bartulec und erzählen, wie "happy" sie jedes Mal immer noch seien, wenn sie zufällig einem der gelben Kästen begegnen. Glücklich sind die beiden auch, dass die gelben Pflanzkübel von einem freundlichen Familienunternehmen und nicht von einem namenlosen Großkonzern hergestellt würden. "Unsere Blumenkasten werden gerade noch in Franken bei Geli in Alzenau extra für ,Beedabei‘ hergestellt", freut sich Kalb und erklärt, dass die Suche nach dem fränkischen Blumenkasten-Hersteller ihn einige Zeit seines Lebens gekostet habe.

Auf die einfache aber geniale Idee mit den leuchtend gelben Futterkästen hat übrigens Wagner die beiden erst gebracht. Nicht der berühmte Meistersinger-Wagner. Sondern ein gewisser Hans-Joachim Wagner, der Nürnberg zur Europäischen Kulturhauptstadt im Jahr 2025 machen will. Dieser Wagner habe das Duo dazu ermuntert, ganz neu und ganz groß zu denken und eine Idee vorzuschlagen, die sie schon immer einmal in die Tat umsetzen wollten. Bienen-Bingo! Justament in diesem Augenblick sei die Idee geboren worden, ein Projekt für die Bienen auf die Beine zu stellen. "Wir wollten den armen Bienen nicht mehr dabei zuschauen, wie sie direkt vor unseren Augen in den Städten verhungern müssen." Ein Jahr vor dem erfolgreichen Volksbegehren zur Artenvielfalt, der den Schutz der nützlichen Insekten mit einem Schlag ins Rampenlicht rückte, haben der bildende Künstler und die Autorin ihre Blumenkasten-Vision zur Bienenrettung entwickelt.

Unter der Überschrift "Beedabei" hat sich das Künstlerpaar beim Nürnberger Bewerbungsbüro zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 gemeldet und damit schnell einen Nerv getroffen. Bei einer Online-Abstimmung ist die Projekt-Idee von den Nürnbergern in der Kategorie für nachhaltige Stadtentwicklung zum Sieger gekürt worden. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro hat das Paar losgelegt, die Idee ins Werk zu setzen.

Zum Weltbienentag im Mai vor einem Jahr haben Kalb und Bartulec zum ersten Mal aus ihren gelben Balkonkästen eine überdimensionale Skulptur mit zwölf Europa-Sternen auf dem Nürnberger Hauptmarkt gestaltet. 18 regionale Gärtnereien haben dabei geholfen, die Kästen bienenfreundlich zu bepflanzen. Noch am selben Weltbienentag haben die Künstler das Kunstwerk aufgelöst und die Kästen mit dem Bienenfutter zum Ausschwärmen auf die Reise geschickt und an die Bevölkerung weitergegeben. "Durch das Zusammenspiel mit der Gesellschaft lebt unsere Kunst", freuen sich die beiden Bienen-Retter.

Blumenkasten als Markenzeichen

Bienen hier, Bienen dort: Peter H. Kalb und Gisela M. Bartulec dürfte vom vielen Summen mittlerweile ganz schön der Schädel brummen. Kürzlich haben die beiden ihre Skulptur vor Schloss Weißenstein im oberfränkischen Pommersfelden aufgebaut. Danach haben Kalb und Bartulec das große Max-Morlock-Stadion in Nürnberg mit ihren kleinen Kästen gerockt und aus 350 Pflanzkübeln einen 18 Meter großen Fußball geformt. Den gelben Blumenkasten, der längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist, gibt es mittlerweile auch auf der Beedabei-Homepage zum Stückpreis von 13,53 Euro inklusive Samen-Überraschungspaket zu kaufen. Natürlich hat das Coronavirus auch die Nürnberger Bienen-Aktionskünstler nicht ganz kalt gelassen. Die weitere Ausbreitung der gelben Blumenkästen aufhalten kann das Virus aber sicher nicht. Vielmehr wollen Kalb und Bartulec mit ihren leuchtenden Bienen-Futter-Behältern jetzt erst recht Bayern erobern. Augsburg, München oder Murnau - Kalb und Bartulec wollen noch den einen oder anderen herkömmlichen Geranien-Kasten durch ihren gelben Blumenkasten mit dem nahrhaftem Bienenfutter ersetzen. Damit Bayern nicht verstummt sondern auch in Zukunft weiter summt.