Die IHK Würzburg-Schweinfurt bewertet die Vorhaben der Bundesregierung zu einer Testangebotspflicht der Unternehmen sowie zur neuen bundesweiten Corona-Notbremse als Schritte in die falsche Richtung. "Die Corona-Politik gleitet immer mehr ab zu einem Flickwerk von Verschärfungen, Pflichten und Verboten. Mit den endlich steigenden Impfquoten, dem systematischen Freitesten bei digitaler Kontaktverfolgung und mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung der Wirtschaft wäre mehr Spielraum für kontrollierte Öffnungen bei gleichzeitig effektivem Infektionsschutz möglich", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Ralf Jahn laut Pressemitteilung. Die neue Bundes-Notbremse ab einer Inzidenz von 100 sei ein Rückschlag für die Wirtschaft in der Region, insbesondere für den stationären Einzelhandel außerhalb der essenziellen Sortimente, heißt es darin weiter. "Die Händler hatten sich gerade auf die ‚Click&Meet‘-Möglichkeiten mit Tests bei Inzidenzwerten zwischen 100 und 200 vorbereitet. Jetzt zertrümmert der Bund auch diese letzte Option, und das obwohl weder Handel noch Gastro nachweislich Inzidenztreiber sind. Damit stirbt in vielen Geschäften die letzte Hoffnung, noch irgendwie das Licht am Ende des Corona-Tunnels zu erreichen", sagt der IHK-Chef. Die für Bayern angekündigten Modellprojekte für Öffnungen seien damit ebenfalls vom Tisch.

"Viele kleine und mittlere Unternehmen finden es fragwürdig, dass der Staat Aufgaben und Kosten des allgemeinen Infektionsschutzes per Verordnung auf sie abwälzt. Gleichzeitig ist es den Unternehmern aber nicht erlaubt, ihre Mitarbeiter zu verpflichten, die Tests zu nutzen oder nur mit negativem Testergebnis zur Arbeit zu kommen", sagt Jahn. Unklarheiten, ab wann die Verordnung gelten soll, verstärken die durch die Pflicht ausgelösten Unsicherheiten. Zudem werde so das große freiwillige Engagement entwertet, dass die große Mehrheit der Unternehmen seit der besseren Verfügbarkeit der Tests gezeigt hat. Die IHK-Organisation widerspricht in der Mitteilung außerdem Darstellungen, dass alle Unternehmen durch die Corona-Überbrückungshilfen einen Ausgleich für die Test-Kosten erhalten können.

"Dies betrifft nur Unternehmen, die antragsberechtigt für die Hilfen sind - das bedeutet, es müssen Umsatzeinbußen von mindestens 30 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau vorliegen", so Jahn. red