Zwischen dem Früher und dem Heute gibt es nur eine dünne Schicht

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Hans Schmid mit seinem Buch „Eine dünne Schicht“.
Hans Schmid mit seinem Buch „Eine dünne Schicht“.
M. Welker

Herzogenaurach Wie haben sich meine Eltern oder Großeltern in der Zeit der NS-Diktatur verhalten? Diese Frage stellen sich in den letzten Jahren viele Deutsche. Nachdem in den USA ein Archiv mit Unterlagen zu dieser Zeit geöffnet wurde hat, das Interesse noch zugenommen.

Auch Hans Schmid hinterfragt den späteren Umgang mit den zwölf Jahren des Nationalsozialismus’, sowohl durch die Täter als auch die Opfer. Exemplarisch geht er dieser Frage anhand der Geschichte seiner Eltern Fanny und Adolf nach und wirft einen Blick hinter „Die Mauer des Schweigens“.

Nun hat er seine Nachforschungen und Fragen in einem Buch mit dem Titel „Eine dünne Schicht. Erinnerung als Auftrag zusammengefasst.

In seiner Einleitung schreibt er: „Ich bin im Oktober 1952 geboren, sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Heute weiß ich, dass sieben Jahre eine sehr kurze Zeitspanne sind, eine dünne Schicht zwischen ,früher’ und ,heute’.“

Zugleich reflektiert er auch seine eigene Jugend, die eigenen Erinnerungen an seine frühe Kindheit, die Kaugummis der US-Soldaten für die Kinder, aber auch das Sammeln von Relikten der NS-Zeit, Waffen und Granaten, aber auch Stahlhelme, die zu Jaucheschöpfern umgearbeitet wurden.

Ihm stellt sich auch die Frage, wie ihn als Nachgeborenen die Zeit des Nationalsozialismus mit Krieg und Massenmord in seine Kindheit beeinflusst hat. Vielleicht hat er gerade wegen der Erfahrungen seiner Eltern und Großeltern in dieser Zeit mit seinen Geschwistern eine behütete Kindheit genossen.

Aufgewachsen in Illingen im Enzkreis in Baden-Württemberg, konnte sein Vater Adolf, Jahrgang 1915, eine Goldschmiedelehre in der Zeit der Weltwirtschaftskrise nicht abschließen. Er wechselte den Beruf und machte eine Lehre als Schlosser. Wie viele Männer dieser Generation durchlief er zunächst den Reichsarbeitsdienst (RAD), es folgte der zweijährige Wehrdienst. Um nach kurzer Zwischenphase Wehrmacht eingezogen zu werden, denn der Krieg stand vor der Tür.

Obwohl ihm der Umgangston bei der Wehrmacht fremd war, avancierte er „aufgrund besonderer Eignung und Leistung “ bis zum Rang eines Waffenoberfeldwebels.

Seine Mutter Fanny stammte aus Vorarlberg. Über eine Brieffreundschaft lernten sich die Eltern kennen. Bei einem Heimaturlaub 1943 verlobten sie sich und heirateten ein Jahr später. Über Briefe blieben sie während der Trennung verbunden. Bilder werden zu Ende des Krieges weniger. Aufbewahrt wurde beides in einer Blechkiste; Schmid konnte darauf zurückgreifen.

Natürlich stellte sich für ihn die Frage, ob sein Vater Mitglied bei der NSDAP war. Bereits NS-Organisationen wie der Reichsarbeitsdienst (RAD) und die Deutsche Arbeitsfront (DAF) boten Freizeit und Bildungsprogramme an, forderten aber auch politische Loyalität ein. Seine Recherchen ergaben aber keine Hinweise auf eine Mitgliedschaft seines Vaters .

Hans Schmid lebt inzwischen in Herzogenaurach .