Herzogenaurach  — Der Gast wurde schon erwartet von MdL Walter Nussel und von Reimund Mehler, dem Ersten Polizeihauptkommissar und Leiter der Herzogenauracher Inspektion, sowie von einem Kamerateam von BR24. Es war Innenminister Joachim Herrmann , dessen Besuch bei der Polizei oder bei Rettungsorganisationen an Heiligabend oder am Silvestertag eine langjährige Tradition hat. Anlass der Silvesterbesuchstour war die Anerkennung und Wertschätzung der engagierten polizeilichen Arbeit vor Ort.

Im Innern der Wache nahm sich der Minister viel Zeit, um die Fragen des Polizeichefs und des Personalrates sowie der diensthabenden Polizeibeamten und -beamtinnen zu beantworten. Eingangs sprach Minister Herrmann von einer hohen Belastung der Polizei im zu Ende gehenden Jahr 2021. „Ein weiteres von der Corona-Pandemie geprägtes Jahr neigt sich dem Ende zu. Mittlerweile befinden wir uns inmitten der vierten Pandemiewelle. Die Kontrollen der Infektionsschutzmaßnahmen fordern unsere Polizistinnen und Polizisten zusätzlich. Sie verdienen unseren allergrößten Respekt für ihre hoch engagierte und professionelle Arbeit, denn damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie“, sagte der Minister. So müsse die Polizei nun Prioritäten setzen, die Kontrolle von Verkehrsdelikten sei da nachrangig, sagte Herrmann. Er hält die Einhaltung der Corona-Regeln für bedeutsamer als den Kampf gegen Falschparker und Raser. Bei Corona gehe es um Tod oder Leben. Die Durchsetzung der Maßnahmen sei in allen Ländern wichtig, damit die Maßnahmen respektiert würden. Die Arbeitskapazität der Polizei sei nicht beliebig vermehrbar. „Da muss man klare Prioritäten setzen“, sagte Herrmann. Sorgen bereitet ihm die zunehmende Radikalisierung bei den Demonstranten, an deren Spitze sich zunehmend radikale Parteien setzten. Er sei sich aber sicher, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung vernünftig verhalte, was auch die steigenden Impfzahlen bewiesen.

Was die Problematik der derzeitigen Demonstrationen betrifft, zeigte sich Herrmann hoffnungsvoll, dass es künftig nicht mehr so leicht zu Ausschreitungen wie zwei Tage vor Weihnachten in München komme. Denn es gelte eine Obergrenze von zehn Personen im privaten Bereich. Deshalb könnte es theoretisch dann nicht mehr zu unangemeldeten Demos unter der Überschrift „Spaziergang“ kommen, so der Innenminister .

Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass viele Bürger gerade an den Feiertagen zwar den Schutz der Polizei , der Feuerwehr oder die entsprechende Dienstleitung im Krankenhaus voraussetzten, manch einer jedoch nicht darüber nachdenke, was das eigentlich für die Beschäftigen bedeute, an diesen Festtagen nicht bei ihren Familien sein zu können.

Zufrieden zeigt sich Reimund Mehler mit der Ausstattung seiner Inspektion, die auch personell gut aufgestellt sei. In diesem Zusammenhang verwies der Minister auf den ständigen Stellenzuwachs der mittelfränkischen Polizei . Es würden jährlich rund 500 Stellen neu besetzt.

Eine Klage aus der Mitte der Beamten gab es aber dann doch: In Herzogenaurach fehle es an der „mobilen Police“, da seien die Städte schon um einiges weiter. So konnte der Polizeichef durch gute Beziehungen einige Geräte beschaffen, aber es werden mehr benötigt. Hier versprach der Minister Abhilfe und sagte, er wolle den Wunsch mit nach München nehmen. Dass sich in der Ausstattung einiges ändern werde, sei im Landtag bereits beschlossen, sagte Herrmann und fügte hinzu: „Derzeit läuft eine Ausschreibung für neue Streifenwagen, die dann mit modernster Technik ausgerüstet sein werden.“

Diskutiert wurde beim Silvesterbesuch natürlich über das Böller-Verbot und darüber, dass sich so mancher Zeitgenosse den explosiven Stoff auf illegale Weise beschaffe. Gegen die Missachtung behördlicher Auflagen werde konsequent vorgegangen. So habe es an der bayerisch-tschechischen Grenze auch noch an Silvester Kontrollen gegeben, um die illegale Einfuhr von Silvesterfeuerwerk zu unterbinden. Innenminister Herrmann sagte: „Ich hoffe sehr, dass wir das neue Jahr in gegenseitigem Respekt und demokratischer Toleranz erfolgreich gestalten können, zugleich uns aber auch von allen intoleranten Fanatikern glasklar abgrenzen.“

Auf die Frage, wie er seinen Silvesterabend verbringe, sagte Herrmann, dass in Erlangen noch Besuche bei Feuerwehr und Rettungsdienst im Plan stünden, dann seien auch für ihn die Termine im Jahr 2021 vorbei.