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Vom Kriegsgebiet auf die Bühne


Autor: Fränkischer Tag

, Sonntag, 13. Sept. 2026

Mit ihrer Familie floh Mariia vor der Gewalt in der Ukraine und fand an der Grundschule eine neue Heimat
Mariias Herz schlägt seit ihrem dritten Lebensjahr fürs Ballett. Viktoriia Babych-Veprieva


Morgen beginnt in Bayern das neue Schuljahr. Viele ukrainische Flüchtlingskinder besuchen bereits im vierten Jahr deutsche Schulen aufgrund des Krieges in der Ukraine.

Für Mariia Batasheva von der Grundschule Höchstadt-Süd, die mit ihren Eltern aus Charkiw geflohen ist, wird es das Abschlussjahr sein. Sie ist an ihrer Schule nicht nur für ihre guten Noten und ihren Fleiß bekannt, sondern auch für ihre Erfolge im Leistungssport: in rhythmischer Sportgymnastik (RSG). Sie ist außerdem bekannt für ihre Auftritte im Gesellschaftstanz bei städtischen Veranstaltungen in Höchstadt. Mariia lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Gremsdorf.

Mit fünf Jahren geflohen

Am 8. März 2022, im Alter von fünf Jahren, verließ sie mit ihrer Familie ihre Heimat Charkiw wegen der brutalen russischen Angriffe auf die Stadt Charkiw. Bereits nach zwei Monaten besuchte die Familie ihren ersten Intensivdeutschkurs in Erlangen.

Ihre Mutter Viktoriia sagt: „Nach dem Umzug nach Franken hat unsere ganze Familie großen Wert auf das Erlernen der deutschen Sprache gelegt. Ich bin froh, dass Mariia zusammen mit anderen ukrainischen Kindern die Sprache lernen konnte.“ Ab September ging sie in einen deutschen Kindergarten, 2023 wurde sie in die Grundschule Höchstadt-Süd eingeschult.

Ballett aus Leidenschaft

Mariia hatte in der Ukraine eine große Leidenschaft für das Ballett: Seit ihrem dritten Lebensjahr besuchte sie eine Ballettgruppe. Mit dreieinhalb Jahren erhielt sie die Rolle des Blümchens im Ballettstück „Däumelinchen“. „Wir haben das Ballett nicht vergessen und sind zu verschiedenen Probestunden nach Höchstadt sowie in Erlangen und Nürnberg gefahren“, berichtet ihre Mutter .

Seit Zwei Jahren tanzt Mariia in einer Ballettschule in Nürnberg und trainiert gleichzeitig Geräteturnen beim Post SV Nürnberg. „Die erste Klasse war für mich nicht schwer, sondern interessant“, erinnert sich Mariia. „Ich habe meine ersten Schulfreundinnen gefunden, mit denen ich viel Spaß hatte und mich gut verstanden habe.“

Das zweite Schuljahr brachte neue Erfolge sowohl in der Schule als auch im Turnen: Mariia wurde zur Lesekönigin ihrer Klasse gekrönt, belegte den zweiten Platz unter allen Zweitklässlern ihrer Schule und den vierten Platz im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Im selben Jahr bestand sie ihren ersten Kadertest im Geräteturnen, errang den vierten Platz bei den bayerischen Meisterschaften und schaffte den Sprung in den Landeskader.

Lesekönigin ihrer Schule

Seit zwei Jahren besucht sie das Training beim TSV 1846 Nürnberg. Dieses Jahr hat sie erneut den 1. Platz in der Schule als Lesekönigin belegt, außerdem den 2. Platz im Landkreis Erlangen-Höchstadt und den 3. Platz bei der bayerischen Meisterschaft mit dem Band in Rhythmischer Sportgymnastik.

Viele ukrainische Eltern schicken ihre Kinder gleichzeitig in zwei Schulen — eine deutsche und eine ukrainische (der Unterricht findet dort nur online statt), weil sie hoffen, dass Kinder später in die Ukraine zurückkehren können und vermeiden wollen, dass sie ihre Ausbildung dort wegen fehlender ukrainischer Bildungsnachweise nicht fortsetzen können.

Begeistertes Publikum

Viele ukrainische Eltern stehen vor großen Herausforderungen bei der Integration ihrer Kinder. Neben dem Erlernen der Sprache muss das Kind seinen Platz in einer neuen Klassengemeinschaft finden, Freunde gewinnen sowie Respekt und Unterstützung in der neuen Umgebung erlangen. Mariia fand Freunde in der Schule, während sie Anerkennung durch das Turnen und die Wettkampfauftritte erwarb.„Mariia widmet ihre gesamte Freizeit dem Turnen und der Teilnahme an städtischen Veranstaltungen. So tanzte sie 2022 bei einer städtischen Veranstaltung in Höchstadt Standard- und Lateinamerikanische Tänze. Das Publikum war begeistert.

„Für meine Tochter ist das eine zusätzliche Motivation für ihr Weiterkommen und für eine bessere Anpassung in einem anderen Land“, erzählt ihre Mutter .

„Wir unterstützen Mariia und fahren mit der ganzen Familie zu den Wettkämpfen“, fährt sie fort. „So waren wir bereits in vielen verschiedenen Ländern: in Tschechien, Luxemburg, Polen, Bulgarien und Österreich. Einerseits können wir so die Welt kennenlernen, andererseits ist das mit finanziellen Aufwendungen verbunden. Man muss Organisationsbeiträge, Hotels und Fahrtkosten selbst tragen.“

Das sei schwierig, wenn man Leistungen vom Jobcenter beziehe. Deshalb habe sie, als sie nach Deutschland kam, intensiv verschiedene Deutschkurse besucht.

„Mein Tag konnte mit einem Kurs in Erlangen beginnen, am Nachmittag fuhr ich zum Unterricht nach Höchstadt und lernte abends zusätzlich Vokabeln. Aber dadurch konnte ich eine Stelle in meinem Beruf finden – als Buchhalterin. Mein Gehalt gibt mir die Möglichkeit, unsere Ausgaben zu decken und in die Entwicklung meiner Kinder zu investieren“, sagt Mariias Mutter .

Das Erlernen der englischen Sprache ist zum neuen Familienhobby geworden. „Als wir gemeinsam mit Mariia an Wettkämpfen teilnahmen, wurde uns klar, dass für eine bessere Kommunikation mit den Organisatoren und Teilnehmern Englischkenntnisse erforderlich sind“,erzählt Viktoriia Batasheva.

Jetzt lerne die ganze Familie die Sprache, um sich frei mit den unterschiedlichsten Menschen auf der ganzen Welt unterhalten zu können. „Wir belegen Online-Kurse und lernen abends mit viel Freude weiter.“

Auch bei Wohltätigkeitsaktionen bleibt die Familie nicht abseits: Mariia und ihre Angehörigen sammelten Hilfsgüterpakete und schickten sie in die Ukraine. Auch übernahmen sie die Funktion einer Gastfamilie, als eine Gruppe aus Iwankiw zu Besuch nach Höchstadt kam.

„Ich habe noch Freundinnen in der Ukraine, und es tut mir sehr leid, dass dort Krieg herrscht“, sagt Mariia traurig. „Der Krieg zerstört meine Heimatstadt Charkiw, und jeden Tag kommen viele Menschen bei Bombenangriffen und Beschuss ums Leben.“

Dennoch schaut sie zuversichtlich in die Zukunft.