Umjubelter Abend der ganz besonderen Begegnung zwischen Franken und Österreich
Autor: Christiane Brenner
Erlangen, Donnerstag, 18. Juni 2026
Christiane Brenner
Er steht in einer Reihe mit den bestens bekannten Austro-Folk-Rock-Meistern namens Ambros, Danzer, Fendrich: Tom Haydn . In unnachahmlich charmant-österreichischer Art eröffnet er am Donnerstag vergangener Woche auf der Fifty-Fifty-Bühne mit dem Titel: „Dexde und Songs auf Fränkisch und Österreichisch“.
Unterschiede? Bei ihm ja: Deutsche Kinder möchten Arzt werden, in Österreich eher Sargdeckelschnitzer. Der Tenor zur leicht makabren, morbiden Lebenseinstellung wird gleich deutlich. In jedem seiner emotionalen Songs über Weltschmerz, Dramen, Liebe und mehr wie „Die Zeit is a Fluss“, „Es tuat imma no weh“, „Habts ihr vergessen, dass ihr sterblich seids“ findet sie überzeugend Ausdruck.
„Natürlich hat mich die österreichische Trauermentalität geprägt: das barocke Wesen, der spezielle Humor, der auch zur Bewältigung dient, dazu unser Volkssport ,Schmäh führen‘, also auf kunstvoll-geistreichem Niveau blöd daherreden …“, beschreibt er sich in einem Interview. Überraschend wohnt in seinem künstlerischen Inneren eine zweite Berufung als Epitaphienkünstler. Dabei entstehen beim meist meditativen Ziselieren an einem Epitaph schon mal öfter neue Liedtexte , vielleicht kam es so auch zu „Werden Sie doch einfach ein Politiker“.
Der Zweite im Bunde, als lebendige Antwort auf Haydn , ist der Initiator dieses sehr gelungenen Formats, Helmut Haberkamm mit seinen unschlagbar menschlichen, tiefgreifenden, witzigen, nachdenklich stimmenden Mundartdichtungen über Gott und die Welt. Einen großen Block widmet er gleich zu Beginn der Herkunft, Heimat und Familie. Geschichtsexkursion par excellence, gekrönt von „Idendidäd“!
Wer weiß schon, dass ab dem Jahr 1620 aus Österreich mehr als 100.000 Vertriebene evangelischen Glaubens nach Franken kamen, eindringlich festgehalten in „Mir missn ford“. Sie sorgten wohl dafür, dass „praktisch jede fränkische Familie eine österreichische Linie enthält“, so Haberkamm, dass sich Dialekt und Wortschatz doch sehr ähnlich sind und: „Franken und Österreich bassn hald zamm.“