Kellerbruder Georg Römer aus Höchstadt, der 38 Jahre lang den Heimatverein geleitet hat, präsentiert erneut ein ganz besonderes Schmankerl und seine Herkunft.

Als nächste Spezialität auf dem Höchstadter Kellerberg ist vor und lange nach dem Krieg die Blutwurst angesagt. Im Dickdarm des Schweines wurden die Überreste vom Schlachtfest, das übrige Blut und der Speck - bei fetten Schweinen viel Speck - mit Salz und Pfeffer und manchmal auch Majoran gewürzt und wegen der längeren Haltbarkeit geräuchert. Das war für die kalte Jahreszeit gerade das Richtige.

Nachrichten auf Speckseiten

Die heutigen Tofu-Experten würden wohl einen Würgekrampf bekommen. Aber die Eskimos im kältesten Grönland könnten mit einer Räucherung solcher Würste einen langen Winter bis 50 Grad minus überstehen und auf die Robben-Jagd verzichten. Da diese deftige Wurst in der Jackentasche auf den Kellerberg transportiert und meist in ein Blatt der letzten Tageszeitung eingewickelt wurde, hat sich bei den damals bleihaltigen Druckereibuchstaben Selbige auf den Speckseiten abgebildet. So konnte man bei einigen Krügen Bier und einer Kante Brot , manchmal Senf , die nicht mehr ganz neuen Nachrichten seitenverkehrt nachlesen.

Nachhaltigkeit der anderen Art

Später hing auf dem Klo-Häuschen neben dem Misthaufen der Rest der Zeitung in Löschblattgröße mit einem 80er Nagel in einen Balken befestigt und man konnte gemütlich sitzend zu Ende lesen. Nachhaltigkeit der anderen Art. So konnte eine fette Blutwurst die Lesefertigkeit auch junger Leute günstig beeinflussen. Zur besseren Verdauung empfahl sich damals ein Schluck Zwetschgenwasser oder Obstler - oder auch mehrere. Schade, dass solche Gerichte heute nicht mehr so beliebt sind. red