Sechs Anzeigen: Alter Kerwabrauch sorgt für Aufregung in Gremsdorf
Autor: Fränkischer Tag
, Freitag, 04. Sept. 2026
Das „Göger rausschlog’n“ gehört in Gremsdorf zur Kerwa wie Blasmusik, Bier und Bratwürste. Doch damit könnte nun Schluss sein: Ein Video vom vergangenen Jahr, das auf Instagram zu sehen war, hat für ordentlich Wirbel gesorgt – sogar bis nach Berlin.
Auf dem Video ist ein echter Hahn zu sehen, der beim „Göger rausschlog’n“ eine kurze Hauptrolle übernimmt. Er wird beim Einlauf in das Bierzelt hinter der Blaskapelle von einem Mann an den Beinen gehalten und in das Bierzelt getragen. Sechs Anzeigen gingen daraufhin bei der Gemeinde ein, eine von einer Tierschutzorganisation mit Sitz in Berlin, fünf weitere von Privatpersonen.
Das „Göger rausschlog’n“ ist eine alte fränkische Kerwa-Tradition, bei der den Teilnehmern die Augen verbunden und sie im Kreis gedreht werden, um die Orientierung zu erschweren. Anschließend müssen sie mit einer langen Holzstange versuchen, einen Tontopf zu zertrümmern. Der Hahn befindet sich währenddessen selbstverständlich nicht unter dem Tontopf, er ist in Sicherheit. Der Sieger gewinnt symbolisch den Hahn.
„Die Stimmung kocht hoch“, berichtete Harald Schorr vom Bürgerblock Gremsdorf in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Es gibt an diesem Wochenende allein im näheren Umkreis acht bis zehn Kirchweihen , das hat Auswirkungen“, gab Schorr zu bedenken.
Bürgermeister Simon Fischer (Wählergemeinschaft Buch) hatte bereits vor rund zwei Wochen einen Anruf der Tierschutzorganisation erhalten. Er setzte sich daraufhin mit den Veranstaltern und dem Veterinäramt in Verbindung und bat um eine Stellungnahme.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Das Veterinäramt verwies auf Paragraf 3 Nummer 6 des Tierschutzgesetzes . Danach ist es verboten, ein Tier zu Filmaufnahmen, Schaustellungen, Werbung oder ähnlichen Veranstaltungen heranzuziehen, wenn damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind. Bei einem Verstoß können den Veranstaltern bis zu 25.000 Euro Geldbuße drohen.
In Gremsdorf wollte man allerdings nicht so recht glauben, dass der Hahn von der Kerwa mit einem Trauma nach Hause gegangen sein könnte. Der Besitzer bestätigte, dass es dem Tier nach der Veranstaltung gut gegangen und es wieder seiner gewohnten Arbeit nachgegangen sei. Schließlich sei das „Göger rausschlog’n“ seit rund 30 Jahren Bestandteil der Kerwa und zu Schaden gekommen sei dabei noch kein Tier.