Nach Kontrolle bei Herzogenaurach: Urteil am Landgericht
Autor: Fränkischer Tag
, Donnerstag, 27. August 2026
Wegen Drogenschmuggels muss sich ein 28-Jähriger vor Gericht verantworten. Eine Kontrolle bei Herzogenaurach wird ihm zum Verhängnis. Warum er sich aus Verzweiflung zur Tat entschließt.
Es ist ein mörderischer Ritt quer durch Europa. Fast 2200 Kilometer sind es von seinem Heimatort nördlich der albanischen Hauptstadt Tirana bis nach Rotterdam. Die Strecke bringt der 28-jährige Berufskraftfahrer an etwas mehr als einem Tag hinter sich. Aber nicht mit einem Lastwagen , sondern mit einem Kleinwagen, den ihm ein albanischer Bekannter geliehen hat. Angeblich soll er „Medikamente“ holen, und zwar heimlich, damit man sich die Zollgebühren sparen kann.
Vor Kontrolle bei Herzogenaurach: Kokain statt Schlaf
Größere Pausen macht er nicht. Sobald er schläfrig wird, nimmt er etwas Kokain – und weiter geht’s. Ein ominöser Hintermann lotst ihn mit unzähligen Whatsapp-Nachrichten durch die Gegend. In der niederländischen Hafenstadt trifft sich der Fahrer abends auf einem Parkplatz mit zwei arabisch aussehenden Männern. Während er mit dem einen einen Kaffee trinkt, macht sich der andere eine gute Stunde am Wagen zu schaffen. Schließlich begibt sich der Fahrer auf den Rückweg.
Nun überquert er die Grenze aber nicht wie zuvor auf der Autobahn. Er nimmt einen Schleichweg über einen früheren „Kleinen Grenzübergang“ unweit von Aachen. Auf der Autobahn A3 gerät der Kurier mitten in der Nacht in eine Routinekontrolle der Verkehrspolizei Erlangen. Man steuert gemeinsam einen Parkplatz an der Tank- und Rastanlage Aurach-Süd auf dem Gebiet der Stadt Erlangen unweit von Herzogenaurach an. Die erfahrenen Beamten bemerken innen an der Kofferraumklappe Spuren von Panzertape und eine nachträglich angebrachte Schraube.
Aurachtal-Süd: Polizisten finden Heroin
Sie soll die Plastikabdeckung halten. Offenbar ein Schmugglerversteck, das schon öfters genutzt worden ist. Darunter kommen zwei Päckchen zum Vorschein. Der Verdacht: Drogen. Um Sicherheit zu erhalten, bringt man den Stoff umgehend zum Flughafen Nürnberg . Dort sitzen Spezialisten vom Zoll, die einen chemischen Test durchführen.
Es handelt sich eindeutig um Opium. Der Fahrer landet in Untersuchungshaft. Das Fahrzeug wird zur bewachten Verwahrstelle der Polizei Nürnberg-West abgeschleppt und in der Folge noch einmal ganz genau durchsucht. Dank eines Drogenspürhundes und erfahrener Beamter, die den Wagen in alle Einzelteile zerlegen, um selbst zugeschweißte Hohlräume zu finden, tauchen weitere Rauschgiftpäckchen auf. Drei in der Kofferraumklappe und drei im Rücksitzpolster.
Wegen Heroin: Prozess an Landgericht Nürnberg-Fürth
Insgesamt sind es rund 6,7 Kilogramm. Später wird das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen herausfinden, dass es Heroin ist, das man mit Koffein, einem leichten Schmerz-, sowie mit einem Hustenmittel gestreckt hat. Sehr gute Qualität, die man sofort auf der Straße verkaufen könnte – in 67.000 Konsumeinheiten. Sein Wert beläuft sich auf rund 200.000 Euro. Es gelangt nun nicht auf den Markt, sondern wird unter strenger Kontrolle in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet.
Nun steht der Fahrer vor dem Ersten Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Die Beweislage ist erdrückend. Unter anderem kann man mit den Standortdaten aus seinem Smartphone die ganze Reiseroute rekonstruieren. Ihm drohen wegen der illegalen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge rund zehn Jahre Gefängnis. Obwohl er nicht vorbestraft ist.