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Ist das Kultur?


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Höchstadt a. d. Aisch, Freitag, 20. Mai 2022

Zum Stadtstrand, der bald in Höchstadt entstehen wird, ging folgende Lesermeinung ein:Die spinnen doch. Nein, nicht die Römer, sondern der...


Zum Stadtstrand , der bald in Höchstadt entstehen wird, ging folgende Lesermeinung ein:

Die spinnen doch. Nein, nicht die Römer , sondern der Höchstadter Bürgermeister und sein Kulturamt! Da bauen sie doch für den vergnügungssüchtigen Teil unserer Bevölkerung einen Sandstrand auf den Marktplatz ohne Meeresblick und meinen, das ist Kultur. Da lauschen sie vielleicht Südseeklängen und anderen Schauspielen und trinken Bier.

Junge Damen in knappen Bikinihöschen und einem Aperol Spritz in der Hand sitzen im Aischgründer Sand, der sogar zum Hausverputzen nichts taugt, und bekommen Grobkörniges in die Arschfalte und holen sich noch eine Blasenentzündung.

Das „Förtsch von der Saal-Haus“ ein paar Meter weiter wäre für das Vortragswesen und die Pflege fränkischer Volkskultur dringend nötig, gammelt aber vor sich hin.

Demnächst zieht auch noch die Fronleichnamsprozession darüber hinweg. Ich hoffe, dass für den Stadtpfarrer wenigstens ein Ganzkörper-Badeanzug und für die Prozessionsteilnehmer Badeschlappen in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden.

Für die kirchenmusikalische Begleitung durch eine Blaskapelle sind dringend Gummistiefel wegen des Gleichschritts nötig. Das hiesige Kulturamt kennt ja diese jahrhundertealte Tradition nicht.

Und so freuen wir uns auf diese neuen Lebensfreuden und werden bestimmt von dem Bürger einer turnschuhproduzierenden Stadt südlich von Höchstadt an der Aisch heftig beneidet.

Georg Römer

Höchstadt/Aisch