Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es für inklusive Arbeitsplätze im Handwerk? Dieser Frage ging Inklusionsberaterin Silke Ulrich an einem Praktikumstag beim „Greuther Schmied“ Thomas Bochtler nach und machte sich ein Bild von den Herausforderungen für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Anlass war ein Wirtschaftsgespräch für Unternehmer aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt in Gremsdorf, bei dem das Inklusionsprojekt „Laut“ vorgestellt worden war.

Wie können inklusive Arbeitsplätze geschaffen werden, indem man in neuen Bahnen denkt und Jobs „schnitzt“, die zu den Fähigkeiten von Mitarbeitern passen? Im Projekt „Laut“ werden dabei nicht nur Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen unterstützt, sondern auch Arbeitgeber beim Aufbau inklusiver Strukturen beraten. Es gehört dabei für die Inklusionsberater dazu, sich ein genaues Bild der Betriebe sowie der vorhandenen und möglichen Tätigkeiten zu machen.

„Als Sozialpädagogin kann ich natürlich nicht alle Berufe kennen. Trotzdem habe ich bestimmte Vorstellungen von den Tätigkeiten, die vielleicht mit der Praxis nicht unbedingt übereinstimmen müssen“, sagte Inklusionsberaterin Silke Ulrich. „Wir freuen uns daher über Einladungen, um uns vor Ort ein Bild zu machen. Gerne kommen wir dafür in den Betrieb!“

Blick hinter die Kulissen

Thomas Bochtler, bekannt als „Der Greuther Schmied“ und Obermeister der Metallbauer-Innung Erlangen-Höchstadt, ließ sich das nicht zweimal sagen und lud Ulrich kurzerhand zu einem Praktikumstag ein. Der Tag begann mit einer Betriebsführung. Besonders beeindruckt zeigte sich Ulrich über die Vielfalt der Tätigkeitsbereiche: Neben dem Metallbau von Toren, Geländern und Überdachungen zählen dazu auch Heizungs- und Sanitärinstallation sowie Verkauf und Reparatur von Landwirtschafts- und Gartengeräten. Erstes Fazit: „Hier gibt es viele verschiedene Arbeitsmöglichkeiten – man muss bei so einem kleinen Team dann aber auch flexibel und ein bisschen Allrounder sein!“

Dann ging es mit Bochtler los auf die Baustelle. Der Arbeitsauftrag für den Rohbau lautete Installation eines Verteilersystems für eine Fußbodenheizung sowie Sanitärinstallationen. Schon bei der Fahrt erfolgte ein Austausch über die Möglichkeiten und Grenzen inklusiver Arbeitsplätze bei einem kleinen Handwerksbetrieb .

„Natürlich versuchen wir, die Arbeiten so zu verteilen, dass jemand das körperlich auch schaffen kann. Außerdem packen alle mit an und unterstützen sich gegenseitig“, erklärte Bochtler. Allerdings gebe es durch die Größe des Betriebs und bestimmte Abläufe wenig Spielräume. Teilzeittätigkeiten seien schwer möglich, da die Einsätze so geplant seien, dass über den Tag auch unterschiedliche Baustellen mit den Firmenfahrzeugen angefahren werden. Außerdem werde eigentlich immer jede Hand gebraucht. Eine gewisse körperliche Belastbarkeit über die Dauer eines Arbeitstages müsse also schon gegeben sein.

Ulrich konnte sich auf der Baustelle davon selbst ein Bild machen: Material und schwere Werkzeugkästen mussten transportiert werden, wobei man über den Tag verteilt durchaus Kilometer mache, sagte Bochtler.

Arbeit, die stolz macht

Metallbauer Bochtler und Inklusionsberaterin Ulrich kamen beim gemeinsamen Arbeiten auch darüber ins Gespräch, welchen Stellenwert Arbeit in unserer Gesellschaft hat und wie wichtig sie für jeden Einzelnen ist. „Viele unserer Kunden haben gesundheitliche Einschränkungen und beziehen schon seit längerer Zeit Hartz IV. Sie wollen unbedingt arbeiten und teilhaben, brauchen aber jemanden, der ihnen eine Chance gibt und ihre Fähigkeiten sieht“, sagte Ulrich.

Dass Arbeit auch zur persönlichen Zufriedenheit beitragen kann, bestätigte Bochtler und brach eine Lanze für das Handwerk: „Man sieht einfach schnell das Ergebnis seiner Arbeit, und es macht mich stolz, wenn ich an einem Haus vorbeikomme und ein Geländer sehe, das ich vor vielen Jahren montiert habe.“

Fazit des Praktikumstages von Inklusionsberaterin Ulrich: „Die Herausforderungen für kleinere Betriebe, Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten, wenn es gesundheitliche Probleme gibt, sind groß. Ich bin aber weiterhin überzeugt, dass es gemeinsam gelingen kann, Lösungen für die Zukunft zu finden.“ red