Über Jahrzehnte gehörten selbst in kleineren Orten Dorfwirtschaften zum Ortsbild dazu und prägten sie wesentlich. Seit mehreren Jahren sind die guten alten Gastwirtschaften aber mehr und mehr auf dem Rückzug, weil entweder die Akzeptanz oder die Nachfolge fehlt. Auch in Großgarnstadt ziehen zwischenzeitlich Wolken über die dort noch verbliebene gewerblich betriebene Gastronomie auf.

Dabei sind gerade für Dörfer Örtlichkeiten wichtig, die von den Einwohnern als Treffpunkt für Kommunikation und Geselligkeit genutzt werden können. Veranstaltungen oder Feiern unterschiedlicher Art bereichern das örtliche Leben und die Dorfgemeinschaft. Sie tragen dazu bei, dass der Ort mit zusätzlichem Leben erfüllt wird, sich die Einwohner mit ihm verbunden fühlen und mit ihrem Dorf identifizieren können. Um in Großgarnstadt auch weiterhin einen Treffpunkt im Ort zu haben, soll nun das Wankhaus zum Bürgerhaus werden.

Auch wenn es im Ebersdorfer Ortsteil einige Vereine gibt, verfügt nicht jeder über eigene Räume. Das Wankhaus ist nicht nur ein Schmuckstück, sondern ist für die angedachte Nutzung geradezu prädestiniert. Es liegt mitten im Ort und beherbergt unterschiedliche Nutzer. Als multifunktionales Gemeindezentrum konnten im Wankhaus unter anderem neben der evangelischen Kirchengemeinde auch Vereine und die Volkshochschule Angebote für Jung und Alt machen. Der angrenzende Saal dient sogar dem Sport. Außerdem gibt es eine Küche.

Das Herzstück des Wankhauses bildet allerdings die gemütliche "Gaststube". Dort sorgt der alte Kachelofen für zusätzliche Wohlfühlatmosphäre und unterstreicht die Charakteristik des Raumes.

Auch wenn sich heute viele nicht mehr so ins Ehrenamt einbinden lassen wollen, wie es früher der Fall war, ist genau dieses Engagement notwendig, um das Wankhaus weiterhin mit Leben zu erfüllen. "Für die kommenden Jahre ist das tatsächlich die große Herausforderung", findet Bürgermeister Bernd Reisenweber. Mit dem Kauf des Gebäudes sieht er aber auch gleichzeitig für die Großgarnstadter eine große Chance, ihr Lebensumfeld nach eigenen Wünschen mitzugestalten. "Der Erfolg des Hauses hängt natürlich vom bürgerschaftlichen Engagement ab", macht Reisenweber keinen Hehl daraus, denn die Gemeinde könne sinnbildlich den Bürgern nur ein Haus zur Verfügung stellen. Es mit Leben zu erfüllen, sei dann auch Aufgabe der Großgarnstadter.

Der Erfolg eines solchen Unterfangens ist aber auch immer eng mit dem Engagement Einzelner verbunden, die mit Herzblut bei der Sache sind. "Solche Glücksfälle hatten wir zum Beispiel beim Bürgerhaus Kleingarnstadt mit Günter Carl oder beim Vereinsheim des SC-OGV durch Peter Hüttner", erklärt Bernd Reisenweber. Nachdem das Engagement von Günter Carl fürs Bürgerhaus in wenigen Tagen endet, ist auch dort bürgerschaftliches Engagement gefragt. Der Bürgermeister hofft, dass es sowohl für das bereits bestehende Bürgerhaus in Kleingarnstadt als auch für das künftige in Großgarnstadt eine Gruppe oder Einzelpersonen gibt, die sich einer solchen Aufgabe zum Wohle der Allgemeinheit widmen möchten. In der Vergangenheit hat es in Großgarnstadt immer wieder vieles gegeben, was durch das ehrenamtliche Engagement erst möglich wurde. Als Beispiel nennt Bürgermeister Reisenweber das Vereinsleben, welches, wie in den anderen Ortsteilen der Gemeinde auch in Großgarnstadt floriert. Deshalb zeigt er sich zuversichtlich, dass sich Freiwillige finden werden, das Projekt Bürgerhaus mit Leben zu erfüllen.

Rochade nutzt beiden

Im Rahmen eines Grundstückskaufs und im Gegenzug der Übernahme der ehemaligen Schule Großgarnstadt durch die Kirche ist die Gemeinde erst seit Wochen neue Eigentümerin des Wankhauses. Diese Rochade nutzt beiden. Einerseits wird die ehemalige Schule zu einer Kindertagesstätte umgebaut, deren Träger die evangelische Kirche ist. Andererseits kann das Wankhaus durch die gemeindliche Eigentümerin wie bisher genutzt werden, was Bürgermeister und Gemeinderat wichtig war.

Im nächsten Schritt werden jetzt Ehrenamtliche und deren Ideen gebraucht. "Dann kann ein Konzept entwickelt werden", lautet der Ausblick des Bürgermeisters. Schließlich soll aus den zusammengetragenen Anregungen etwas erwachsen und der Bürgerschaft nicht einfach ein vorgefertigtes Konzept übergestülpt werden. Auch die derzeitigen Nutzer sollen in die Planungen einbezogen werden. Dazu wäre natürlich eine Art Ortsteilversammlung in Präsenz von Vorteil. Pandemiebedingt wird dies bis auf absehbare Zeit nicht möglich sein. Deshalb wird es vermutlich noch einige Zeit dauern, bis ein genaueres Konzept für das Wankhaus steht. "Über Anregungen oder gar ,Bewerbungen‘ freue ich mich aber bereits schon jetzt", gibt Reisenweber zu.