Weidel baut ihre Macht aus – mit Höckes Hilfe
Autor: Fränkischer Tag
, Dienstag, 07. Juli 2026
Ihrem Ziel, alleinige AfD-Parteichefin zu werden, ist Alice Weidel auf dem Parteitag einen Schritt nähergekommen – aber ihre Macht hat einen Preis
Auf dem Papier ist die Führungsspitze der AfD richtig woke. Paritätisch aufgestellt, ein Mann, Tino Chrupalla, und eine Frau, Alice Weidel . Ein Arbeiter, eine Akademikerin. Er hetero-, sie homosexuell. Chrupalla aus dem Osten, Weidel aus dem Westen. Mit ihrem Wohnsitz in der Schweiz könnte man Weidel sogar fast als Ausländerin betiteln. Mehr woke geht eigentlich gar nicht.
Aber Spaß beiseite. Diese Doppelspitze war nie ein idealistisches Projekt. Sondern ein Machtinstrument, mit dem man möglichst viele Wähler ansprechen wollte. Bürgerlich-wirtschaftsliberale, die die AfD einst gegründet hatten, Arbeiter, russlandfreundliche Milieus vor allem im Osten, Protestwähler. Das Konzept aber hat seine Grenzen.
Will Weidel
Chrupalla loswerden?
In der Vergangenheit wurden Spaltungen sichtbar, vor allem bei außenpolitischen Fragen widersprachen sich Weidel und Chrupalla öffentlich. Nicht zuletzt geht es dabei um Macht. Weidels Umfeld arbeitet schon länger daran, Chrupalla loszuwerden und Weidel als alleinige Chefin zu installieren. Mit der Kanzlerkandidatur war ein erster Schritt gelungen. Auf diesem Parteitag hat Weidel ihre Macht zementiert. Aber das hat seinen Preis: Weidel ist auch eine Parteichefin von Höckes Gnaden.
Die Geschichte der AfD war eine Geschichte des ständigen Marschs nach rechts. Jeder Parteichef wurde irgendwann von einem extremeren weggeputscht – Lucke, Petry, Meuthen. Alice Weidel hat das verstanden und sich mit dem Höcke-Lager arrangiert. 2019 schlossen sie ein Bündnis – nachdem Weidel den Rechtsaußen einst aus der Partei ausschließen wollte.