Jeder Postbote kennt den Klassiker: Ein Hund sieht harmlos aus, aber plötzlich fährt irgendetwas in ihn und er beißt zu. „Es kann sich nur um einen Moment gehandelt haben“, betonte der 67-jährige Rentner , als das Unglück geschah. Ob es die plötzliche Bewegung des Paketboten bei der Übergabe der Ware war, die den Biss auslöste, kann im Nachhinein nicht mehr geklärt werden. Jedenfalls muss sich der Senior aus dem Steigerwald den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug aufgepasst zu haben. Deswegen erhielt er im März Post vom Staatsanwalt : Wegen fahrlässiger Körperverletzung sollte er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Euro, also insgesamt 600 Euro, zahlen.

Weil in dem Strafbefehl des Staatsanwalts steht, dass der Angeklagte der Eigentümer des reinrassigen Schäferhundes sei, erhob der Beschuldigte Einspruch mit der Begründung, dass der Hund ja nicht ihm, sondern seiner Frau gehöre.

Dieser Einwand, erklärte Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillot dem Mann, sei irrelevant. Denn seine Frau sei ja zum Tatzeitpunkt – es war der 17. Dezember 2020 gegen 13.50 Uhr – im Obergeschoss des gemeinsamen Hauses gewesen und er habe die Verfügungsgewalt über das Tier gehabt. Von daher sei er zuständig und verantwortlich gewesen. Er hätte den Hund entweder einsperren oder an die kurze Leine nehmen müssen. Dass der sechsjährige Hund im Allgemeinen nicht aggressiv sei, sondern vielmehr einen ausgeprägten Spielsinn habe, vermindere nicht die Schuld des Rentners .

Nachdem der Mann angegeben hatte, etwa 1200 Euro monatlich als Rente zu erhalten, rechnete ihm der Strafrichter vor, dass bei einer Verurteilung der Tagessatz bei rund 40 Euro liegen würde, also über den im Strafbefehl ausgewiesenen 30 Euro, was auf einer Schätzung beruhte. Von daher riet der Vorsitzende dem Rentner , der ohne Anwalt erschienen war, eindringlich, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen. Die Höhe der Strafe, sagte der Amtsrichter, sei eher als moderat einzustufen. „So kommen Sie billiger davon“, erläuterte er.

Nach kurzer Bedenkzeit war der Angeklagte einverstanden. Damit ist der Strafbefehl über 600 Euro rechtskräftig. mw